Erntebier, Dörrobst und Pietät

Nach der Lesung hatte Georg Killermann alle Hände voll zu tun, um seine Bücher zu signieren. Bild: Köppl
Lokales
Altendorf
05.11.2014
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Die Zeit, aus der die Wirtshausgeschichten und Erinnerungen von Altbürgermeister Georg Killermann stammen, war beileibe nicht immer nur die "gute, alte Zeit". Aber man spürt darin die Ruhe und Gelassenheit, die uns offenbar abhanden gekommen ist.

Eigentlich wollte er nach den "3 Knackwürst' und 3 Semmeln" gar kein Buch mehr schreiben, verriet Georg Killermann bei seiner Lesung im voll besetzten Schieslsaal. Doch dann hat er vom mittlerweile verstorbenen Zapf Rudl noch Neues erfahren und selber ist ihm auch noch Einiges eingefallen. Daraus entstand schließlich das neue Büchlein "Du vielleicht, i niat!" mit mehreren Unterabschnitten: vom Zapf über das "Altendorfer Allerlei" und Wirtshausgeschichten bis hin zum "Schiesl Robert seine Witz'" und eigenen Erinnerungen.

Für viel Heiterkeit sorgte gleich zu Beginn die Geschichte über die Urlauberehrung der "Schleißheimer Manner", zu der der Zapf zufällig dazu kam und seinen eigenen "Dank" anfügte: "I bedank me, dass'z döz 20 Joahr mei' Fleisch' g'fress'n habts und dass'z eng danau mit der Schwart'n engane Hämorrhoid'n ei'g'rieb'n habts!" Hildegard Pirzer untermalte die Lesung mit passenden Melodien auf ihrem Schifferklavier. Zum Lied "Ein Mops kam in die Küche" kam zwar kein Mops in die Küche, aber dafür dem Zapf sein Dalmatiner in die Kirche. Einige "blauseidene Sprüch'" vom Zapf oder das "Friedhofsgeplauder" durften natürlich auch nicht fehlen, bevor der "Saumarkt" und das "Erntebier" mit seinen schlimmen Folgen die Lachmuskeln forderte.

Sie waren weit mehr als Witze und spiegelten das einfache Leben auf dem Land wieder - die Witze vom Robert Schiesl, bei der meistens der "Hubabauer" eine Rolle spielte. Da reichte die Palette vom Bauer und dem Knecht beim Wirtshausgehen über den Opernbesuch bis hin zum "Sonntagsschnitzel" oder der "Diagnose", den Blaubeeren und dem "Engelchen". Georg Killermann erinnerte aber auch an Originale wie den "Zehnerl", den "Beck" oder den Pamler Sepp. Mit "Dich erkenn' ich mit verbund'nen Augen" leitete Hildegard Pirzer zum zweiten Teil nach der Pause über, bei dem zunächst das Brautwerben, Heirat und Ehe im Fokus standen. Etwa die Zeit, als das öffentliche "Händchenhalten" noch für Verwirrungen sorgte oder die Anekdote vom Sepperl mit dem "Dörrobst", bei dem das Brautwerben gründlich daneben ging. "Lumpen und Ehebrecher" sorgten ebenso für Gelächter wie die "Goldene Hochzeit."

Nicht wirklich wissenschaftlich ging es bei der "Evolutionstheorie" zu und die Geschichten von der neuen "heißen" Lehrerin und dem dunklen Bier "zweng's der Pietät" ließen schmunzeln. Kirche, Pfarrer, Bürgermeister und Gemeinderäte müssen natürlich ebenso herhalten. Die Geschichte vom 8. Gebot läuft eher auf das 6. hinaus und die Story vom "Krautfeld" muss wohl schon eine Zeit lang her sein, da es kaum mehr Krautköpfe auf den Feldern gibt. "Häist halt aa wos G'scheit's g'lernt" muss sich der Geistliche Rat vom "Höider" sagen lassen.

Und der Teufel darf zur Kenntnis nehmen, dass sich ein seit langem verheirateter Mann im Gegensatz zu allen anderen Leuten nicht vor ihm fürchtet: "Warum soll i mi' fürcht'n? I bin doch scho seit 35 Joahr mit deiner Schwester verheirat'! Wer wissen will, was es mit dem "langen Gang" auf sich hat, der muss auf Seite 65 lesen und auf Seite 37 erfährt man, dass ein "Geschwader" nicht zwingend etwas mit der Luftwaffe zu tun hat. (Hintergrund)
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