Flurwerkstatt geht in Betrieb

Landschaftsarchitekt Gottfried Blank (Mitte) zeigte bei der Flurbegehung an einer großen Flurkarte und in einer Gegenüberstellung mit den Geländestrukturen auf, welche vorteilhaften Veränderungen bei einer Flurneuordnung möglich sind. Bild: haa
Lokales
Altendorf
02.12.2014
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Für die Flurneuordnung der Gemarkung Fronhof, in die nun auch Siegelsdorf und Oberkonhof mit eingebunden werden, beginnen die ersten Vorarbeiten. In der letzten Woche war eine Flurbegehung mit den Landwirten, die positiv verlief. Das Ergebnis eines Arbeitskreises soll bis in etwa einem halben Jahr präsentiert werden.

Um im europäischen Wettbewerb weiterhin bestehen zu können, müssen die landwirtschaftlichen Betriebe ihre Erzeugungskosten weiter senken und daher auch Arbeitszeit einsparen. Nur so ist eine Erhöhung der Produktivität und der Wertschöpfung möglich.

Rationelles Wirtschaften wir jedoch häufig dadurch erschwert, dass Felder und Wiesen zerstreut liegen, ungünstig geformt und oft auch schlecht erschlossen sind. Um dieses Dilemma endlich zu beheben, hat die Gemeinde bereits 2001 die Flurneuordnung, mit Aufteilung des Rechtlergrundes, beantragt. Bei einer kürzlichen Informationsversammlung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) zeigten die Landwirte allgemeines Interesse an einem solchen Verfahren.

Zur vereinbarten Flurbegehung konnte Bürgermeister Georg Köppl besonders Baudirektor Werner Bachseitz vom ALE, Landschaftsarchitekt Gottfried Blank vom gleichnamigen Architekturbüro sowie nahezu alle beteiligten Landwirte auf der Gemeindezell in Fronhof begrüßen. Er blendete zurück auf die kürzliche Informationsversammlung bei der sich eine allgemeine Tendenz zur Flurneuordnung heraus kristallisierte. Die Gemeinde wird dieses Verfahren gerne unterstützen.

Vorschläge erarbeiten

Baudirektor Werner Bachseitz zeigte die Möglichkeiten und Vorteile einer Flurneuordnung auf. "Bei der heutigen Begehung soll eruiert werden welche Defizite es in den Fluren gibt oder was verbessert werden sollte. Wo kein Handlungsbedarf besteht, soll auch nichts verändert werden" gab Bachseitz zu verstehen. Das Amt hat hierzu keinerlei Planungen und Konzepte erarbeitet und will ein Verfahren auch keinesfalls aufdrängen. Vielmehr soll der bereits berufene Arbeitskreis, zusammen mit dem Architekten Gottfried Blank, der als beauftragter Planer und Moderator fungiert, Ideen und Vorschläge für die Neugestaltung der Fluren und die Wegeführung erarbeiten.

Extrem hohe Förderung

Bachseitz wies auch auf extrem hohe Förderung hin. Der Freistaat Bayern gewährt derzeit etwa 75 Prozent Zuschuss. Das Programm "Integrierte Ländliche Entwicklung" steuert weitere zehn Prozent bei, so dass die Teilnehmer lediglich 15 Prozent tragen. Bei langfristigen Verpachtungen gibt es sogar noch einen Nachlass von 50 Prozent.

Da im Verfahrensgebiet bereits gut ausgebaute Straßen in die Fluren führen, werden nur mehr wenige Wege erforderlich sein. Außerdem wird mit der Ablösung der Gemeinderechte aus dem Rechtlergrund von etwa 20 Hektar, ein Drittel der Gemeinde zufallen. Diese Fläche von knapp sieben Hektar wird in die Ausgleichsfläche mit eingebracht, so dass der Grundabzug, wenn überhaupt erforderlich, sehr gering sein wird. Ebenso werden die Kosten durch die vorhandenen Straßen niedriger wie im Durchschnitt ausfallen.

Landschaftsarchitekt Gottfried Blank zeigte an einer großen Flurkarte und in einer Gegenüberstellung mit den Geländestrukturen auf, welche vorteilhaften Veränderungen möglich sind. Es können auch Wegebaumaßnahmen und die Herausnahme von Ranken, soweit es das Gelände zulässt, durchgeführt werden.

Der Arbeitskreis wird, auf die Flurbegehung aufbauend, eine gewisse Vorplanung erarbeiten. Dabei muss klar sein, was erreicht werden will. Wie sollen die Flur, die Landschaft sowie die Grundstücke und Wege künftig aussehen. Weiter werden Lösungsansätze und Maßnahmenkonzepte entworfen in denen die geplanten Veränderungen wie Wegebau, Neuverteilung oder wasserwirtschaftliche Anordnungen schon detailliert dargestellt sind.

Erste Ideen eingebracht

Beim anschließenden Rundgang durch die Fluren wurden von den Teilnehmern bereits die ersten Ideen vor allem für die Wegegestaltung oder Schlagänderungen eingebracht. Bei Zusammenlegung von Parzellen werde die Herausnahme von Rainen angestrebt, soweit es das Gelände zulässt. An stärkeren Hanglagen sollten, auch nach Meinung der Landwirte, die Ranken jedoch bestehen bleiben um der Bodenerosion vorzubeugen. Hier wäre allerdings ein Gewände am Feldanfang und -ende notwendig.

Wenn das Verfahren zum Tragen kommt, werden zuerst die Hauptwege ausgebaut, als grobe Vorgabe für die Neueinteilung der Flurstücke. Danach erfolgt die restliche Anlage der Wege. Blank wies darauf hin, dass jedes Flurstück mit einem Weg erschlossen wird. Fahrtrechte über fremde Grundstücke gebe es dann nicht mehr. Nach der Neueinteilung wird die gesamte Flur neu vermessen und im Grundbuch eingetragen.

Einmalige Chance

Bürgermeister Georg Köppl dankte abschließend Baudirektor Bachseitz und Architekt Blank für ihre bahnbrechenden Informationen. Aus dem Stimmungsbild der Teilnehmer war zu entnehmen, dass der Großteil an der Flurneuordnung interessiert ist. Er appellierte deshalb an alle, die große Chance dieser extrem hohen Förderung, zu der es eigentlich keiner Überlegung mehr bedarf, auf jeden Fall zu nützen.
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