Wo Mörder arme Säu' sind

Lokales
Altendorf
22.04.2015
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Wie werden sie wohl die Tatwaffe, den Mähdrescher, ins Wirtshaus schaffen? Den Fall des Mord-müden Kommissars Kreuzeder löst das Nabburg-Theater mit ungewöhnliche Stilmitteln und besser als "Derrick".

Little Hero - sinniger Untertitel "Weißbier im Blut" - kommt mit wenig Requisiten aus: weißrot-kariertes Tischtuch und ein Flachbildfernseher. Das Gasthaus "Sorgenfrei" ist Bühne genug: Theke, Holztische für die echten Gäste, Hirschgeweih und Stammtisch-Ecke. Hier sitzt Kommissar Kreuzeder (Walter Bauer). Seit 25 Jahren ermittelt er. Morde, Leichen, menschliche Abgründe - das hat ihn zu der Erkenntnis geführt, "die meisten Mörder sind arme Säu'". Die Ermittlungstätigkeit hat Kreuzeder längst ins Wirtshaus verlegt. Hier arbeitet er mehr im Dauerrausch an seiner Frühpensionierung als an der Aufklärung von Morden. Acht Bier, zwölf Schnaps und Weltschmerz serviert ihm Gerda (Agnes Knutti), die vom Wirt - in jeder Hinsicht - ausgenutzte "charmante" Bedienung in de Midlifekrise. Sie soll gegen eine junge Tschechin ausgetauscht werden: "Die kostet nur die Hälfte".

Eingespielter Tatort

Und in dieser Wirtshausdepression passiert dann doch tatsächlich ein Mord. Der Brodl-Otto von der Sparkasse ist vom Mähdrescher überfahren worden. Licht aus, Fernsehgerät an: Die Zuschauer fahren im eingespielten Film mit Kommissar Kreuzeder auf der Landstraße zum Tatort, dem Holzner-Hof. Aus dem Verhör am Küchentisch wird ein fast verständnisvoller Diskurs über die EU-Politik, die den Kleinen zusetzt, über Kredite, die Bauer Holzner nicht zurückzahlen kann: keine Tat ohne Grund.

Dann wieder Licht an, Szenenwechsel ins Wirtshaus: Kreuzeders Ermittlungsart schätzt dessen Vorgesetzter Becker (Gerald Igl) überhaupt nicht. Derrick-Mantel, Aktentasche unter den Arm geklemmt, gibt er den erbosten Chef, der Kreuzeder die Polizeipsychologin Dr. März (Doris Lipp) an den Hals schickt. Sie ist überrascht, dass der Kommissar nicht in ihr Alkoholiker-Frühpensionierungsschema passt. Kreuzeder dreht den Spieß um, durchleuchtet das Innere seiner Täter und macht oft gesellschaftliche Umstände hinter oberflächlichen Motiven aus.

Darauf einen Obstler

Auf den Feldern des "Holzner-Hofes" - die Filmszene entstand in der Erntezeit bei Diendorf - ist inzwischen der Täter, den niemand in Verdacht hatte, ermittelt. Das Morden nimmt kein Ende: In der Filmeinspielung stiefeln Kreuzeder und die Psychologin durch den Wald zu einer Leiche an die tschechische Grenze, auf dem Holzner-Hof explodiert ein Molotow-Cocktail und im Wirtshaus geraten "live" der fiese Gastwirt Helmut Muhrlinger (Karl Lang) und seine neue tschechische Bedienung Irina (Pia Schwandner) "aus dem Gentlemen-Club" aneinander: Der Kommissar braucht einen Obstler. Amüsante, mordsmäßige Dialoge, ungewöhnliche Stilmittel, das inszenierte Leben und Schauspieler, die sich mit ihren Rollen identifizieren - all das macht das Stück über Schuld und ihre Ursachen zum Erfolg. Kreuzeder beschließt letztendlich: "Die wahren Schuldigen kriegen wir nicht zu fassen, also machen wir nichts".

Dem Nabburg-Theater ist auf der Basis von Jörg Glasers Roman ein Tatort gelungen, bei dem man sich auf eine Wiederholung freut: Die nächsten Vorstellungen im Gasthaus "Sorgenfrei" sind ausgebucht, am 13. und 14. Mai gibt es im Nabburger Schützenheim (Beginn 20 Uhr) jedoch Zusatzvorstellungen. Karten im Internet: www.nabburgtheater.de oder bei Gemischtwaren, Oberer Markt, Nabburg
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