Kinder richtig erziehen
Pädagogik unterliegt dem Zeitgeist

Bernhard Suttner gab viele Antworten auf brennende Fragen der Kindererziehung. Bild: kö
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Altendorf
16.12.2015
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Wie viel Eltern braucht ein Kind? Vor 30 Jahren war die Antwort klar: Mama und Papa. "Mehrere verlässliche Ältere", sagt Bernard Suttner. Denn es gebe viele Gründe, Kleinkinder nicht in eine Kleinfamilie einzuschließen. Er ermuntert Eltern auch, "mit Mut und Lust" eigene Wege zu gehen.

"Welche Elternaufgaben sind unverzichtbar? Kann und soll man Elternfunktionen an andere abgeben? Wann tun Eltern zuviel des Guten? Beim Elternabend, zu dem Bärbel Prey im Namen von Landvolk, KAB und Kindergarten in Zusammenarbeit mit der Katholischen Elternschaft begrüßte, gab Referent Bernhard Suttner viele Antworten auf diese und andere Fragen.

Am Ende wurde aber auch deutlich, dass Pädagogik nicht in Granit gemeißelt ist und den Zeitströmungen unterliegt. Zur Familie des 67-Jährigen, der Pädagogik studiert hat, gehören zwei Kinder, ein Pflegekind und mittlerweile vier Enkel: eine gute Basis für reichhaltige Erfahrung - wenngleich Suttner von Anfang an auch deutlich machte, dass seine Meinung zum Thema "Pädagogik" nur eine von vielen sei. Es gebe viele Ratgeber und deshalb plädierte Suttner dafür, "mit Mut und Lust einen eigenen Weg zugehen".

Dem Zeitgeist unterworfen


"Als ich 1955 in die Schule kam, wurde ich von Lehrern und Eltern noch mit Schlägen gezüchtigt und man war der Meinung, dass dies die richtige Erziehung ist." Der Referent machte damit deutlich, dass auch Erziehung dem Zeitgeist unterworfen ist. "Liebe und Vorbild" betrachtet er als ideale Pädagogik. Wobei er unter "Vorbild" nicht das "Ideal sein" ganz oben anstellt. Die Kinder sollten Eltern sehen, die gerne leben, die zuverlässig und engagiert den Alltag gestalten und das Bild eines vernünftigen Erwachsenen abgeben.

Der moderne Anspruch an die Pädagogik sei "familiär und individuell". "Wieviel Eltern braucht ein Kind? - Suttner plädierte für "mehrere zuverlässige Ältere". Das könnten neben den Eltern auch Großeltern, Lehrer oder der Fußballtrainer sein. "Ein Paar, eine Familie kann nicht alles bieten, deshalb sind mehrere zuverlässige Ältere ein wahnsinniger Gewinn für Kinder", verdeutlichte der Pädagoge an praktischen Beispielen. Eltern sollten sich situationsabhängig auf der Linie zwischen dem "Behütungs-Pol" und dem "Freiheits-Pol" ("Verwahrlosungs-Pol") bewegen und nicht auf einem Pol stehen bleiben. Auch der "goldene Mittelweg" sei nicht immer der richtige.

Wichtig ist für die Kinder nach den Worten Suttners auch die materielle Sicherung (Arbeitsplatz der Eltern) und eine seelisch-emotionale Sicherheit (Krisen müssen bearbeitet werden). Die Familie sei auch eine wichtige Kommunikationsagentur, in der miteinander geredet wird und gemeinsam Pläne gemacht werden. Kinder sollten sich angenommen fühlen nach dem Motto "Wie schön dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst". Annahme sei viel stärker als Lob oder Tadel.

Eltern und "Ältere" müssten auch die wichtigste Wert- und Regelvermittlung sein. Neben einem Grundgerüst an Regeln und Werten bedürfe es immer wieder klarer Ansagen, was geht und was nicht geht, so eine weitere Erziehungsthese von Bernhard Suttner. Das Thema regte nach dem einstündigen Referat von Bernhard Suttner unter der Moderation von Thomas Salzl zu einer intensiven Diskussion an. Schade, dass neben der Lehrerschaft, dem Kindergartenpersonal und den Veranstaltern kaum Eltern gekommen waren.
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