Nach intensiver zweijähriger Vorarbeit trägt die Flurwerkstatt Früchte
Auf richtiges Gleis geschwenkt

Die Zusammenlegung zersplitterter und unwirtschaftlich geformter Grundstücke ist neben dem Wegebau und wasserwirtschaftlichen Maßnahmen ein Hauptanliegen der Flurneuordnung. Bild: haa
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Altendorf
12.04.2016
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Nach sechs Arbeitskreissitzungen "Flurwerkstatt" und intensiver zweijähriger Vorarbeit ist die geplante Flurneuordnung Fronhof auf das richtige Gleis eingeschwenkt. "Sie können davon ausgehen, dass das Verfahren angeordnet wird", stellte Baudirektor Werner Bachseitz am Ende der letzten Flurwerkstatt fest.

"Wir stehen heute vor einer richtungsweisenden Entscheidung und ich kann nur nocheinmal an alle Beteiligten appellieren, diese einmalige Chance wahrzunehmen", begrüßte Bürgermeister Georg Köppl die über 40 Teilnehmer, die zur letzten Arbeitskreissitzung Flurwerkstatt ins Gemeindezentrum gekommen waren. Beeindruckt vom großen Interesse zeigte sich auch Baudirektor Werner Bachseitz vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) in Tirschenreuth. Mitgekommen war Martin Stahr, der im Flurneuordnungsverfahren den Vorsitz übernehmen soll. Bachseitz hatte eine gute, aber auch eine schlechte Nachricht im Gepäck. Er informierte, dass das ALE bereit ist, die Flurneuordnung Fronhof anzuordnen, wenn die Bereitschaft der Grundstücksbesitzer vorhanden ist.

Rund 185 Hektar


Bachseitz blendete auf die Ursprünge zurück, nach denen zunächst ein etwa 85 Hektar großes Verfahrensgebiet rund um die "Gemeindezell" angedacht war - auch vor dem Hintergrund, das Problem "Rechtlergrund" zu lösen. Im Lauf der Flurwerkstatt sei jedoch der Wunsch aufgetreten, das Verfahrensgebiet über die Straße nach Trossau hinweg bis in die Horstersiedlung zu erweitern. Auch seitens der Siegelsdorfer kam der Wunsch auf, ihre Flächen mit einzubeziehen, so dass man mittlerweile bei einem Neuordnungsgebiet von rund 185 Hektar angekommen ist. Das ALE sei bereit, diesen Wünschen nachzukommen und unter dem Namen "Flurneuordnung Fronhof" anzuordnen.

Schlechte Nachrichten gibt es leider für den Bereich Oberkonhof, den die Gemeinde mit Blick auf die Brücken- und Überflutungsproblematik ebenfalls gerne mit dabei gehabt hätte. Das Amt wolle hier keine Insellösung und auch keinen Präzedenzfall schaffen, bedauerte Bachseitz, zumal auch die Ausstattung mit Fördermitteln schwieriger werde. Dennoch sei der Zug noch nicht endgültig abgefahren, versicherte er und verwies auf alternative Möglichkeiten wie etwa die Einfache Dorferneuerung oder das Eller-Förderprogramm. Bürgermeister Georg Köppl gab zu verstehen, dass sich der Gemeinderat demnächst dazu beraten wird.

Was die Förderung im Verfahrensgebiet Fronhof anbelangt, sprach Bachseitz von "rosigen Zeiten". Zur 75-prozentigen Grundförderung kommt ein Förderbonus von 10 Prozent hinzu, weil das "Brückenland Bayern-Böhmen" mit der Gemeinde Altendorf als Mitglied kurz vor der Anerkennung als ILE steht. Für die Grundstücksbesitzer bleiben somit nur noch Eigenleistungen in Höhe von 15 Prozent.

"Es ist schon einiges passiert", stellte Landschaftsarchitekt Gottfried Blank mit Blick auf die Flurbegehungen und die Struktur- und Nutzungskartierung fest. Das Verfahrensgebiet sei weitgehend abgesteckt, wobei die Abgrenzung nicht endgültig ist. Auch über das Hauptwegenetz sei man sich einig. Außer dem Wegebau spielen die Neuordnung der Grundstücke (Zusammenlegung), wasserwirtschaftliche Maßnahmen, Beseitigung von Geländehindernissen, Erosions- und Naturschutz eine besondere Rolle. "Der naturschutzrechtliche Ausgleich macht den Grundstücksbesitzern oft Angst", merkte Blank an.

"Angst ist unbegründet"


Dies sei jedoch unbegründet. Blank: "Ich habe noch kein Verfahren erlebt, wo das ein großes Thema war." Bei mindestens zehnjähriger Verpachtung können die Beiträge (Flurbereinigungskosten) auf Antrag zu 50 Prozent von der Teilnehmergemeinschaft übernommen werden. Bürgermeister Georg Köppl war am Ende erleichtert über das deutliche Bekenntnis zur Flurneuordung. "Die Vernunft hat gesiegt, das ist heute ein Glückstag für die Fronhofer und Siegelsdorfer", zeigte er sich überzeugt.

ChronologieBereits in den 90er Jahren hatte es Bestrebungen gegeben, eine Flurneuordnung in Gang zu bringen, die allerdings aus verschiedenen Gründen im Sand verlief. Im Jahre 2006 stellte die Gemeinde Altendorf einen erneuten Antrag an das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) zur Einleitung einer Flurneuordnung für den Bereich Fronhof, vor allem auch, um das Thema "Rechtlergrund" zu lösen. Am 26. März 2014 fand eine neuerliche Aufklärungsversammlung statt mit dem Ergebnis, in die Flurwerkstatt einzusteigen, mit der Landschaftsarchitekt Gottfried Blank betraut wurde. Vor etwa einem Jahr drohte ein mögliches Verfahren zu kippen, gab es Unterschriftenaktionen und eine turbulente Versammlung mit den damals noch zahlreichen Flurbereinigungsgegnern. Doch diese wurden durch intensive Aufklärungs- und Informationsarbeit immer weniger.

Die Stimmung dafür wurde immer besser. Bei der mittlerweile 6. entscheidenden Flurwerkstatt am Donnerstagabend waren über 40 Interessierte (darunter auch der fast komplette Gemeinderat) präsent. "Ich stelle fest, dass ein objektives Interesse da ist und das Verfahren gewünscht wird", resümierte Baudirektor Werner Bachseitz.

Als er die Meinung der Grundstückbesitzer zum Einstieg ins Verfahren abfragte, gab es gerademal sieben Gegenstimmen. Auf Basis des bisher bereits erarbeiteten Grundkonzepts wird dadurch - aller Voraussicht nach noch heuer - das Verfahren angeordnet. Damit entsteht die Teilnehmergemeinschaft, die einen Vorstand wählt und dann mit der eigentlichen Arbeit beginnt. (kö)
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