Güter auf die Schiene - aber leise

Es ist ein Dilemma, das Martin Burkert (SPD), Vorsitzender des Bundestagsverkehrsausschusses, präsentiert: "Der Verkehr nimmt zu, die Elektrifizierung der Strecke Regensburg-Hof wird dringend gebraucht." Aber ohne adäquaten Lärmschutz sei sie Anwohnern nicht zumutbar.

Die Verkehrsprognose des Bundesverkehrsministeriums für 2030 macht klar: "Der Personenverkehr auf der Straße wird gegenüber 2010 um 13 Prozent, der Güterverkehr sogar um 38 Prozent zunehmen", erklärt Martin Burkert 20 Bürgermeistern in Altenstadt. Insofern ist der Würzburger dankbar für "jeden Meter Schiene". Die vorausgesagte Steigerung des Güterverkehrs auf der Schiene um 43 Prozent könne das bestehende Netz aber nicht leisten. "Um dem gerecht zu werden, brauchen wir hier unbedingt einen höheren Mitteleinsatz", sagt Burkert.

"Hintenrum nach Osten"

Die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg spielt für den Güterverkehr eine überregional bedeutende Rolle: "Für die Bahn ist das eine wichtige Magistrale", erläutert der SPD-Chefverkehrspolitiker. "Wir brauchen dringend eine Strecke hintenrum nach Ostdeutschland." Mit Blick auf die internationalen Handelsströme warnt der Franke: "Wenn das größte Containerschiff der Welt mit 19 100 TEU in Hamburg anlegt, wissen die nicht mehr, wie sie die Güter wegbringen sollen - da helfen uns auch die Gigaliner nichts." Vom politischen Ziel, 35 Prozent der Güter auf die Schiene zu bringen, sei man meilenweit entfernt: "Wir werden kaum die 20 schaffen."

Das Haus von Thomas Kraus vom "Forum Bahnlärm" steht 35 Meter neben der Bahnlinie in Altenstadt. "Die Strecke Regensburg-Marktredwitz ist als Hochleistunggüterstrecke deklariert", sagt er. Sie sei aus Sicht der Bahn und der Wirtschaft bestens geeignet: "Sie ist wenig befahren und birgt deshalb Potenzial." Die Elektrifizierung würde sich laut eines Gutachtens kaum auf den Personen-, jedoch eklatant auf den Güterverkehr auswirken. Statt acht Güterzügen könnten nach der Aufrüstung 80 pro Tag durch die nördliche Oberpfalz rauschen.

Und hier liegt das Problem: Während der Schalldruckpegel bei Personenzügen 68 bis 76 Dezibel betrage, erreiche er bei Güterzügen bis zu 103 Dezibel. "Schon bei 70 Dezibel schlafen Sie nicht mehr", sagt der Altenstädter. Deshalb fordert Kraus: "Eine Lärmsanierung wäre freiwillig, deshalb ist es wichtig, dass wir eine Lärmvorsorge fordern, auf die rechtlicher Anspruch besteht mit anderen Grenzwerten für Tag und Nacht."

Burkert stützt diese Forderungen mit weiteren Argumenten. "Durch Lärm und Erschütterungen an der Schiene entsteht der Bundesrepublik jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von neun Milliarden Euro - allein eine Milliarde an Folgekosten wegen Lärmmaßnahmen." Andererseits habe die Deutsche Bahn AG "klipp und klar zugesagt, bis 2020 alle Güterwaggons umzurüsten". Für Privatanbieter soll die Nutzung mit nicht umgerüsteten Waggons,erheblich teuerer werden, im besonders belasteten Rheintal ist sogar eine Sperrung vorgesehen.

Nicht nur Flüsterbremse

Damit will sich Landtagsabgeordnete Annette Karl (SPD) nicht zufriedengeben. "Wir werden in Kooperation mit der Bürgerinitiative alles tun, um einen adäquaten Lärmschutz auf den Weg zu bringen - der darf sich nicht auf eine Flüsterbremse beschränken, sondern da muss auch ein passiver Lärmschutz her." Auch wenn die DB selbst bei der Aufrüstung ihrer Waggons auf einem gutem Weg sei, müssten die Lärmverursacher anderer Anbieter berücksichtigt werden.

Gleichzeitig appelliert sie an die Bürgermeister: "Wir müssen uns hier gemeinsam positionieren, weil die Strecke Regensburg-Hof auch in Konkurrenz zu Nürnberg-Marktredwitz steht - wenn wir hier nicht geschlossen vorgehen, ist das die erste, die hinten runterfällt."
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