Schilder als Geldanalge und Dekoration
Die Jagd nach Blech

Rainer Christoph zeigt eines der Schilder aus seiner Sammlung: Die Werbung des Mineralölunternehmens stammt aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Christoph erläutert, nur Originalschilder rosten auf eine bestimmte Art. Der Fleck auf dem "H" stammt vermutlich von Zielübungen mit dem Luftgewehr. Bilder: Konrad (2)
 
Auch Dosen hat Christoph gesammelt. Für seine 300 Unikate sucht er noch einen Abnehmer.

Geldanlage, Dekoration und Hobby: Für Rainer Christoph sind Blechschilder und -dosen alles zusammen. Seit über 30 Jahren sucht er sie auf Auktionen und Flohmärkten und beschäftigt sich mit deren Geschichte. Einen Teil seiner Sammlung hat er nun verkauft.

"Angefangen hat es mit Dosen", erklärt Rainer Christoph. "Als ich ein Kind war haben meine Eltern immer Kaffee bestellt. Die Blechdosen konnte ich nicht wegwerfen. Das war etwas besonderes für mich." Der ehemalige Rektor der Altenstädter Grundschule sammelt Blechschilder, Blechboxen und -dosen. "Damals hingen die Schilder überall." Das war Ende der 50er-Jahre. Die Leute sprachen von der Blech-Pest. Die Schilder hingen an den Geschäften, in den Geschäften, sogar an den Scheunen. "Die waren wetterbeständig. Die hingen Tag und Nacht draußen, bei jeder Witterung", erläutert Christoph. "Der erste deutsche Hersteller war der Schokoladenproduzent Ludwig Stollwerk. Später stieg Maggi noch groß mit ein. Die Firmen stellten extra Designer und Grafiker ein", erinnert sich der 69-Jährige. Er hat sich auch mit der Geschichte seiner Sammlung beschäftigt.

Während die Blechschilder in den 60er Jahren langsam zu verschwinden begannen, besann sich Christoph immer mehr darauf: Er war auf der Suche nach einer dekorativen Einrichtung, einem Hobby und einer Geldanlage gleichermaßen. "Mensch, Blechschilder, das wär's", habe er gedacht. Nur: Die Schilder waren so schnell verschwunden, Christoph wusste nicht, wo er noch welche bekommen konnte. "Ich bin in Tirschenreuth groß geworden. An den Orten meiner Kindheit habe ich keine mehr gesehen. Ich bin nach Plößberg gefahren. Da hängen doch bestimmt noch welche an der Scheune, dachte ich. Doch der Besitzer hat mir gesagt: ,Die haben wir alle entsorgt.'"

Auktionen in Bayreuth


Eines Tages entdeckte er eine Anzeige im Neuen Tag für eine Auktion in Bayreuth. "Ich hab' einen Plan bekommen: Blechschilder in allen Größen und Formen." Für ihn sei das ein Augenöffner gewesen. Teuerstes Stück der Auktion war die "Weiße Frau" von Persil für 1500 Mark. Inflationsbereinigt entspricht das heute 2068 Euro.

Mit der Zeit legte sich Christoph eine kleinere Sammlung an. Er kaufte auf Auktionen, gelegentlich auch auf dem Flohmarkt. Verwandte schickten ihm einen Werbeträger aus der DDR: Christoph zeigt eine bunte Blechplatte des Mineralölunternehmens Shell. "Das Schild ist noch aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Es kommt aus Erfurt. Dort gab es eine Fabrik für die Tafeln." In der DDR hätten die Leute mit den Schildern ihre Gemüsebeete eingerahmt um sie vor Unkraut zu schützen.

Die Rostflecken am Rand zeigten, dass es sich um ein Original handele. Der Sammler deutet auf eine stärkere Beschädigung in der Mitte: "Da haben sie mit dem Luftgewehr hin geschossen." Früher seien die Werbeträger gerne als Zielscheiben verwendet worden.

Sammlung verkleinert


Neben den Blechschildern hat Christoph auch Dosen und Büchsen gesammelt. Er zeigt eine Blechbüchse. Sie ist quadratisch, mit einem Blumenmuster und an den Ecken mit einem Goldrand verziert. Auf der Unterseite steht "Haribo Lakritz". Der ehemalige Rektor erinnert an den Wandel der Süßigkeiten-Behälter bis hin zur Plastiktüte: "Was ist das heute für eine schreckliche Verpackung."

Christoph sitzt in seinem Wohnzimmer. Schränke und Regale sind leer. In einer Ecke stapeln sich Umzugskisten. Für den ehemaligen Rektor geht es zurück an den Geburtsort: In Weiden will er mit seiner Ehefrau eine kleinere Wohnung beziehen. Dem Pensionär fiel es schwer, sich von Teilen seiner Sammlung zu trennen. Einige Exemplare hat er behalten. Den Rest hat er mit Gewinn verkauft: So etwa das Werbeschild der Kaiserhof-Bräu Marktredwitz. Das ging für 265 Euro weg. Für seine Blechdosen sucht er noch einen Abnehmer. "Es wäre toll, jemanden zu finden, der sich dafür interessiert."
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