Bands beleben Hofbauer-Villa
Da ist Musik drin

Vor einem Jahr haben sich Daniel Brenner (links) und Fabian Wirth mit ihrer Band "Ammyt" im zweiten Stock der Villa eingemietet.
 
Der Eingang zur Hofbauer-Villa ist von Pflanzen überwuchert. 1995 hat die Bleikristallfirma den Betrieb eingestellt.

Die Hofbauer-Villa scheint verlassen. Die einst gepflegten Gewächse im Vorgarten überwuchern den Eingangsbereich. Seit der Insolvenz der Bleikristallwerke kümmert sich kaum jemand um das Haus. Doch seit einigen Jahren kehrt das Leben zurück in den 60er-Jahre-Bau.

"Die Leute sind hier mit dem Gabelstapler rumgefahren. Altmetalle und Kupferkabel haben sie rausgerissen." Andreas Fischer führt durch die Räume der Hofbauer-Villa, dem ehemaligen Anwesen der Besitzer der Bleikristallwerke. 1995 stellte das Werk seinen Betrieb ein. Die Region hat seither mit den Altlasten des insolventen Unternehmens zu kämpfen.

Geld sollte etwa durch den Altmetallverkauf hereingeholt werden. Oder durch eine vorübergehende Vermietung an Menschen wie Andreas Fischer. Der Musiker ist froh, einen Platz für seine Band gefunden zu haben, an dem sie in Ruhe proben können.

Es ist ein verlorener Ort. Das gibt auch Fischer zu. "Hier ist ein Kommen und Gehen. Im Erdgeschoss lebte ein Künstler. Der ist glaub' ich inzwischen gestorben." Er habe sich "Designer" genannt. Fischer meint, er war eher ein Sammler oder ein "Messi". "Das war der gute Geist. Der war immer da." Der Musiker glaubt, dass in den Wohnräumen noch ein Mieter drin ist. Irgendwo im ersten oder zweiten Stock. Er selbst hat ihn aber noch nie gesehen. Auch den Nürnberger Konkursverwalter Peter Hentschel kennt Fischer nicht, obwohl er sich seit etwa fünf Jahren hier eingemietet hat.

Proben im Poolhaus


Der Gitarrist hat mit seiner Band das ehemalige Poolhaus der Villa bezogen. Ein grauer PVC-Teppichboden überdeckt die Holzkonstruktion im Schwimmbecken, die den Raum ebenerdig macht. Darauf haben sich die Musiker ein kleines Reich eingerichtet: Neben den Instrumenten stehen Sofas, ein Beamer hängt an der Decke und in einer Ecke gibt es eine Bar. Hier spielen "eXcage" und "Gegengift" und treffen sich mit ihren Freunden.

Wie lange sie hier bleiben können, weiß Fischer nicht. "Wir wären froh, wenn's auf Dauer wäre, dann könnten wir eine Heizung rein machen." Bisher läuft im Winter entweder ein Gas- oder ein Kachelofen. Eine abschließende Lösung für die Hofbauer-Villa könnte aber auch heißen, dass die Bands ausziehen müssen. Fischer ist hin- und hergerissen.

"Wir machen Melo-Death"


Falls die Villa abgerissen würde, beträfe das auch Daniel Brenner und Fabian Wirth. Der Gitarrist und der Bassist haben ihre Instrumente in den zweiten Stock gebracht. "Drei Bands mit acht Musikern haben sich hier eingemietet", sagt Wirth.

Die beiden Mitglieder der Band "Ammyt" haben sich an diesem Vormittag zum Jammen getroffen. Seit etwa einem Jahr proben sie hier. "Unter uns sind nochmal zwei Bands", erklärt der Bassist und meint damit den ersten Stock des 60er-Jahre-Baus. In dem kleinen Raum drängen sich die Instrumente.

Auf der vergilbten Raufasertapete hängen die Poster bekannter Metal-Bands. "Wir machen Melo-Death", erklärt Daniel Brenner. Der junge Mann in Birkenstock, zerschlissener Jeans und Metal-Shirt hat sich eine Zigarette gedreht. Obwohl in dem verfallenen Haus die Ecken schimmeln und die Tapete von der Wand fällt, setzt er sich im zweiten Stock zum Rauchen ans offene Fenster. So, wie es sich eben gehört. Ihm ist es wichtig, dass die Villa nicht weiter verkommt.

Giftige Altlasten2004 musste der Landkreis 120 000 Euro in die Hand nehmen: Über tausend Giftfässer waren auf dem Gelände der früheren Bleikristallfirma Hofbauer gebunkert worden. Um Gefahren von den Bürgern abzuwenden, ließ die Behörde die gefährlichen Behälter von Spezialisten in Sicherheitscontainer verladen und abtransportieren. Teile des Gebiets sind noch heute wegen giftiger Altlasten im Boden vom Landratsamt gesperrt. (dko)
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