Ass ohne Allüren

Bis zum Frühjahr 2011 war Patrick Stiebinger mal in der Türkei gewesen, aber sonst nie außerhalb Europas. Dann packte der Altenstädter Abiturient die Koffer und flog in die USA. Nun kehrte er als "Student of the year" wieder zurück. Allerdings nicht nach Deutschland.

(phs) Den Bachelor in "Business Administration" hat der 24-Jährige in der Tasche. Nun will er an der Copenhagen Business School den Master draufsetzen. In der dänischen Hauptstadt lebt seine Freundin, die er bei einem Schüleraustausch in Paris kennengelernt hatte.

Nachdem Patrick 2010 am Kepler-Gymnasium mit einem 1,8-Abitur seine Hochschulreife nachgewiesen hatte, dachte der junge Mann aber noch nicht an akademische Würden. Amerikanisch unkompliziert erzählt er, dass erstmal seine Leidenschaft Tennis Vorrang hatte.

"Profi war schon der Traum", gesteht der ehemalige Landesligaspieler des TC Postkeller Weiden. Durch seinen Kumpel Tobias Scheil, einen Bad Abbacher, der ebenfalls für den Postkeller das Racket schwang, wurde er auf Sportstipendien an US-Colleges aufmerksam. So verschlug es Stiebinger erst nach Kansas und dann an die University of South Carolina, deren Tennistrainern das Talent aus Germany aufgefallen war.

Für beide Seiten eine Win-Win-Situation. "So weit ich weiß, bekommen die Coaches mehr Geld, wenn sie eine erfolgreiche Mannschaft aufbauen. Und ich selbst habe ein Stipendium ergattert." Ein lukrativer Deal: Die Uni übernahm Stiebingers gesamte Studiengebühren von 8000 Dollar pro Semester. Wohlgemerkt fürs Tennisspielen. Das tat Stiebinger als Captain seines Teams so gut, dass ihn die Südstaaten-Liga, in der South Carolina antritt, zum "Scholar-Athlete of the Year" wählte.

Mehr Buch, weniger Ball

"Man lebt in der Illusion, das mal professionell zu betreiben, wenn man morgens um sechs schon zum Training muss. Aber die richtig Guten besuchen eher Tennisakademien", ließ sich der Altenstädter nicht von Erfolgen einlullen. Und das Studium? "Das war eher eine Sicherheitsleine."

An der fand der Altenstädter aber immer mehr Gefallen. Denn zum Sportstipendium erarbeitete sich Stiebinger weitere Zuschüsse aufgrund ausgezeichneter Leistungen als junger Wirtschaftswissenschaftler. Der Universitätsrektor bescheinigte ihm schriftlich "einen beeindruckenden Auftritt auf und neben dem Tennis-Court". Dazu musste sich Patrick aber manchmal zwingen. Um die Prüfungen zu schaffen, saß er schon mal bis 4 Uhr früh über den Büchern. "Ich hatte zweimal den höchstmöglichsten Schnitt von 4.0, den wollte ich unbedingt halten", erzählt er von akademischen Erweckungserlebnissen.

Eine kleine Uni mit 3300 Studenten, nie mehr als 30 Hörer in der Vorlesung und Professoren, die sich richtig kümmern - das Lernen und Forschen machte Patrick bald so viel Spaß wie ein gut platzierter Aufschlag. Folglich räumte er neben Pokalen einen Summa-cum-Laude-Bachelor ab. Den will Patrick nun in Kopenhagen ausbauen, wo er "International Management and Marketing" studiert und nebenher eine neue Sprache lernt.

Das Niveau gleicht seiner Ansicht nach etwa dem amerikanischen. In Dänemark könnte er sich indes eher vorstellen, längerfristig zu leben. "Es ist liberaler als die USA." Obwohl es ihm in den Staaten gut gefallen hat. Denn auch wenn der Altenstädter in seinen studentischen Wanderjahren ab und an Oberpfälzer Bier vermisst, weiß er jetzt, dass er sich überall auf der Welt gut zurechtfinden könnte. Ein Plus im Lebenslauf, das nicht im Hörsaal zu finden ist, sondern in einem offenen Charakter.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.