Dattel trifft Dotsch

Gemeinderat Konrad Merk begrüßt die Gäste zum "Nachmittag mit Flüchtlingen". Bild: Götz

Wie kann man mit so vielen Flüchtlingen zusammenleben? Ganz einfach: Genauso wie mit allen anderen Menschen. Mit Essen und Trinken, Reden und Musik. Altenstadt hat es vorgemacht.

. (dko) Arabischer Gesang durchzieht das Pfarrheim. Im Rhythmus der Gesänge wird ein Tambourin geschlagen. Draußen glänzen die nassen, gelben Blätter, ein letztes Mal angeleuchtet von der Herbstsonne. Altenstadt hat zum Kennenlernen der Flüchtlinge eingeladen. Das herbstliche Wetter, die fremdländischen Gesichter, die Musik und die interessierten Bürger, die gekommen sind, bilden eine Mischung, die sich erst zusammen finden muss.

Ehrenamtlicher Einsatz

Die Altenstädter sollten die Menschen, die bei ihnen Zuflucht gesucht hatten auf Du und Du kennenlernen. Seit zwei Jahren gibt es hier ein Integrationsprogramm. Viele ehrenamtliche Helfer engagieren sich mit großem Eifer. Die Organisation dieses Kennenlerntages ist vor allem ihnen zu verdanken.

Da ist etwa Gemeinderat Konrad Merk. Er steht von Beginn an am Eingang und begrüßt alle herzlich. "Später kommt noch der Bürgermeister und der Pfarrer", sagt er. "Ich begleite auch die Flüchtlinge. Ich fahre zum Jobcenter, zu Ärzten, zum Landratsamt..." Letztes Jahr im Sommer hat er zusammen mit Doris Zimmermann und Dr. Dalal Makari-Pausch Deutschkurse organisiert, erst für die Schulkinder und später für die Erwachsenen. Die Kurse finden seither wöchentlich statt und werden von den beiden Frauen ehrenamtlich gegeben. Dalal Makari-Pausch ist mittendrin im Integrationsprogramm. Es gibt Erste-Hilfe-Kurse, einen Übersetzungsdienst, Kurse zum Wohnen und zu den Gesetzen in Deutschland. Regelmäßig findet ein Basar statt, bei dem die Spenden an die hilfsbedürftigen Flüchtlinge verteilt werden. Sehr wichtig ist auch die Verarbeitung von Traumata. Es gibt Theater-Therapie für Kinder und Erwachsene. Zu guter Integration gehört schließlich auch eine gesunde Seele.

Doch jetzt geht es erst einmal um etwas ganz anderes: Man möchte gemeinsam essen und trinken. In der Küche stapeln sich schon die Speisen für die Gäste, also die Altenstädter, die heute in ihren Pfarrsaal eingeladen werden. Mit dabei ist Harisa, eine palästinensich-syrische Süßigkeit und Datteln, die an jedem arabischen Tisch zur Begrüßung nicht fehlen dürfen. Die Flüchtlinge sollen "Hallo Deutschland" sagen, meint Makari-Pausch, die mitten in der Küche die Ausgabe und Annahme der Speisen organisiert. "Nicht nur Deutschland soll es sagen, die Flüchtlinge sollen etwas tun, dass auch sie danke sagen können."

Richtiges Fahrradfahren

Danke sagen möchte auch Dr. Albert Gewargis. Der gebürtige Iraker ist 1953 nach Deutschland gekommen. Hier hat er Medizin studiert und war über Jahrzehnte in Luhe-Wildenau als Arzt tätig. Er kann arabisch und ist mit den Leuten schon ins Krankenhaus und zum Arzt gegangen. Er hat auch für die Kinder eine Verkehrserziehung mit der Polizei organisiert. Dort haben sie das richtige Fahrradfahren gelernt.

Die Menschen, die an der Begegnung teilnehmen, kommen aus Syrien, der Ukraine, Tschetschenien, Palästina und dem Irak. Langsam und abgehackt beginnt einer von ihnen zu sprechen: "Ich möchte vielen Dank, dass ich in Deutschland. Tut mir leid, mein Deutsch ist nicht sehr gut." Die Aussprache des Mannes ist fremdartig. Nur allmählich gelingt es ihm, im Kampf mit der neuen Sprache etwas zu formulieren.

Für einen Moment kann man im Saal Furcht und Zurückhaltung spüren. Wie kann die Integration von so vielen Menschen gelingen? Können wir ihnen allen unsere Sprache beibringen und miteinander in Frieden leben? Ein Altenstädter spricht in die Stille lapidar wie ermunternd: "Wird schon!"

In das erleichterte Gemurmel der Leute hinein fängt wieder jemand an zu singen. Arabische Klänge durchziehen das Pfarrheim. Die Oberpfalz ist ein wenig orientalischer geworden.
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