Die absolute Härte

Lautes Gebell, gebrüllte Befehle. Das eigene Wort ist beim Massenstart des Extremsport-Rennens Canicross fast nicht zu verstehen. Die Laufstrecke in den Alpen würde bei Schnee manchem Abfahrer zur Ehre gereichen. Hund und Mensch sind mit einem Geschirr verbunden.

Canicross ist ein junger Ableger vom Schlittenhundesport und steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Dabei bilden Läufer und Hund eine Einheit. Der Hund zieht den Menschen zu neuen Bestzeiten. Ein Altenstädter hat für Deutschland die "Trophee des Montagnes 2014" (TDM) in Frankreich bestritten. .

Die TDM ist das härteste und längste Canicross-Rennen der Welt. Es findet in der Bergwelt um Alpe-d-Huez statt und besteht aus zehn Einzeletappen, die in fünf Orten ausgetragen werden. Bei dieser "Tour de France für Hundeläufer" starteten 200 Teams aus Europa und Übersee. Das deutsche Team war mit 15 Athleten unterwegs. 14 davon erreichten die Ziellinie. Sechs Top-10-Plätze wurden erlaufen. Ein gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass das deutsche Team aus einem Häufchen Individualisten besteht, dass im Vergleich zu anderen Nationen keinerlei staatliche Unterstützung erfährt.

Thomas Hahn, der in der Abteilung Drogenfahndung bei der Polizei in Weiden tätig ist, nahm mit seinem Hund "Enyy", einem "Australien Kelpie" erstmals teil und berichtete in einem Gespräch über seine Erfahrungen: Anfangs, als er durch das Fahrerlager ging, fragte er sich, "ob wir hier wirklich richtig sind. Ich sah viele völlig austrainierte Läufer, die fast alle eine größere Auswahl an Hunden mit 75 Zentimetern Schulterhöhe dabei hatten."

Man darf bei der TDM mit zwei verschiedenen Hunden starten. "Und dann waren da die kleine Enyy mit ihren 45 Zentimetern und ich. Wir waren zwar 2011 deutscher Meister über 5000 Meter im Turnier-Hunde-Sport bei ebener Laufstrecke - aber das hier war was ganz anderes. Um den Canicross zu machen, muss man schon etwas verrückt sein. Über 200 Hund-Mensch-Teams gingen in Frankreich auf die Strecken zwischen drei und sieben Kilometern, die man im Normalfall nicht mal freiwillig hinter sich bringt. Gebirgsbäche, Schlammtrails Unterschiede von 700 Höhenmetern auf einer Distanz von vier Kilometern sind zu überwinden. Spitzenreiter Michal Zenisek aus Tschechien benötigte eine Gesamtzeit von 4:45:16 Stunden während der Letzte 11:14:11 Stunden benötigte. Dieser Zeitunterschied zeigt, dass hier Profis und Freizeitläufer an der gleichen Veranstaltung teilnehmen .

In der sogenannten "Mördergruppe" (40 bis 50 Jahre) mit ehemaligen Olympiateilnehmern) kamen "Enyy" und sein Herrchen auf einen Top-10- Platz und in der Gesamtwertung auf Rang 42. Auch die Wadenprobleme konnten Hahn nicht stoppen. "Wenn mir die Platzierung vorher einer gesagt hätte, hätte ich ihn ausgelacht - ich wollte doch nur durchkommen", erklärte der Sportler. Ein besonderer Dank geht an seine Sponsoren, die den Start überhaupt erst möglich gemacht haben.

"Aber viel wichtiger als das formelle Ergebnis ist für mich persönlich die Tatsache, dass ich trotz meines Burnouts noch nicht auf das Abstellgleis muss. Das gibt mir auch psychisch einen großen Auftrieb. Und das alles habe ich ein paar Menschen zu verdanken. Hätten die nicht an mich geglaubt, würde ich noch immer nicht laufen. Diese Unterstützung hat bei mir mehr bewirkt als die teuersten Tabletten."

Für das kommende Jahr hat sich Hahn zum Ziel gesetzt, dass er gemeinsam mit seinem geliebten Vierbeiner nochmal an der "Trophee des Montagnes" teilnimmt. Da er nun weiß, was auf ihn zukommt, ist ein gezielteres Training möglich. Erste Voraussetzung ist, dass er und sein Hund auch gesund bleiben. Ein weiterer Aspekt ist das Finden von Gönnern. Denn ohne Unterstützung ist ein Start bei diesem Abenteuer nicht möglich.
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