Fingerspitzengefühl gefragt

Die Simultankirche gleicht einer Großbaustelle. Bevor die neue Kirchenorgel nach der Weihe am Samstag, 15. November, das Gotteshaus mit einer neuen Klangfülle beschenken wird, heißt es für viele Helfer, darunter der evangelische Stadtpfarrer Peter Peischl, erst einmal kräftig anpacken.

Vor einigen Tagen in aller Herrgottsfrühe setzte sich der Lastzug der Orgelbaufirma Sandtner im 250 Kilometer entfernten Dillingen in Bewegung, um wenige Stunden später mit der wertvollen Fracht in Altenstadt einzutreffen. Die Orgelbauer Hans-Jürgen Rigel und Orgelbauerin Julia Wiedemann gaben den Helfern Tipps und Anweisungen, wie sich das Material am besten lagern lässt.

In den nächsten zwei Wochen werden die Orgelbauer die Einzelteile wie in einem Puzzle zu einem Gesamtwerk verbauen. Rund 560 Pfeifen aus Holz und die Metallpfeifen aus hochwertigem Banka-Zinn mit Hütten-Blei-Legierung finden in der neuen Orgel Platz und werden die Gläubigen nach dem Einbau mit herrlichen Tönen beschenken. Herzstück des knapp 170 000 Euro teuren Kircheninstruments bilden die zwei Windladen, die bei der ersten Lieferung schon dabei waren und Helfer beider Kirchengemeinden in das Kirchengebäude schleppten.

Zu ihnen führen sämtliche vom Spieltisch ausgehenden Trakturbewegungen, wodurch die auf ihnen stehenden Pfeifen mit dem vom Blasebalg gelieferten Orgelwind ertönen. Derzeit sind die wertvollen und exakt passenden Einzelteile auf den Kirchenbänken aufgeschichtet und an den Seitenaltären abgelegt worden. Muskelkraft war beim rund fünf Zentner schweren Spieltisch gefragt, der vorerst beim Taufbecken abgestellt wurde, bevor er dann auf die Empore gehievt und seinen Platz vor dem imposanten Instrument findet. Registerzüge, sogenannte Manubrien, sind aus Porzellan und die Untertasten der Manualklaviaturen mit Knochenmaterial und schwarzem Ebenholz belegt. Diese Details zogen bereits die Blicke der Helfer auf sich. Auf der Empore wurden in den vergangenen Tagen schon viele Vorarbeiten geleistet, so dass der Aufbau umgehend beginnen konnte.

Der Orgeleinbau fordert den Handwerkern enormes Fingerspitzengefühl ab. Wenn anschließend der Intonateur in die Simultankirche kommt und der Orgel den letzten Schliff verleiht, kann in wenigen Wochen ein tadelloses Instrument von den evangelischen und katholischen Christen übernommen werden.
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