Fußmatten der Renner

"Nur her damit" sagte sich auch Karl-Heinz Fiebig, und kaufte Roland Hefter (links) sogleich einen Fußabstreifer ab. Bild: fjo

Beim Auftritt des Kabarettisten Roland Hefter im "Triff-Nix" verwandelten sich die Mienen im Publikum vom ersten Lied an zu fröhlichen Gesichtern. Allein der Hinweis "Gott sei Dank ist das nur ein Witz", schuf nach wenigen Minuten laute Lacher.

Über mangelnden Beifall oder Szenenapplaus brauchte sich Hefter von da an zu keiner Zeit zu beklagen. Viel zu verdichtet lieferte er Brüller auf Knüller. "Das Leben ist eh schon schwer und jetzt kommst du daher", hieß der nächste Titel, was er als Spruch in großen Lettern gleich noch auf Fußmatten für die Haustüre vorstellte und zum Verkauf anbot. Ganz gut kam an, dass er über so manchen Spaß selbst noch herzhaft mitlachen konnte.

Begeisternder Auftritt

Ein erstklassiges Stimmwunder stand zwar mit dem Gast aus München nicht im Rampenlicht, aber mit diesen Texten und der ihm eigenen Betonung begeisterte er. Zumal er versprach: "Ich bin nicht verheiratet, aber vom Reim her geht's niart anders." Noch in der ersten halbe Stunde schaffte Hefter es, Begeisterungsrufe nach jedem Lied einzuheimsen. Bei Ankündigungen, wie "Es gibt so viele Männer, die laufen den falschen Frauen nach, denen musste ich einfach ein Lied widmen" war klar, dass sich die Zuhörer zu keiner Sekunde ablenken ließen.

Sich selbst auf die Schippe zu nehmen gelang ihm ebenso hervorragend. Mit so manchen Zwischeneinwürfen sorgte er auch noch für schnelle Freudentränen in den Vohenstraußer Augen: "Weil ich oft gefragt werde, wie so ein Lied entsteht. Dann sag' ich meistens drauf: Genau so." Eine einzige Coverversion mit neuem Refrain beendete den ersten Teil durch das lustig und kräftig mitsingende Publikum im Takt voll laut klatschend: "Alice, bring' mir noch ein Helles." Hierzu begründete der Kabarettist simpel: "So grob aus dem Englischen übersetzt ist es eh viel lustiger."

Die Fußabstreifer gingen übrigens tatsächlich bereits zur Pause weg wie die warmen Semmeln: "Mattenverkauf läuft super." Politisch und nachdenklich startete der zweite Teil: "Wenn der Mensch glücklich ist, mehr braucht er ja nicht." Als Markenzeichen für sich untermalte der Kabarettist all seine Sprechtexte mit einfachen Akkorden an der E-Gitarre. "Dann kommt's flockiger." Gleich wieder zum Mitsingen animierte der Titel "Ich mog wieda hoam", was aber gar nichts mit einem Heimgehen aus dem Konzert zu tun hatte.

Und schon erzeugte er die nächsten Lacher: "Heute heißt es Rechtschreibschwäche - früher warst ein Depp." Die Zuschauer erfuhren auch, was "Schön trinken" bei ihm bedeutet: "Heut' sauf' i di schee." Dazu kommentierte der Alleinunterhalter zwischen den Strophen: "Oh, ich spür' Betroffenheit." Kaum läutete ein Handy, unterbrach er und meinte spontan: "Kommen schon Beschwerden, haa?"

Endlich war zum Schluss hin die Zeit gekommen für ein romantisches Liebeslied mit der Vorbemerkung: "Wenn's schon so los geht!" Das blieb nicht das einzige Stück, getragen von Nachdenklichkeit und Herz-Schmerz. Das später folgende "Anti-Stress-Lied" trug nochmals ähnliche Züge: "Weil, wenn i stirb, ist es ja meine Seele, die zum lieben Gott kommt und nicht mein Körper."

Glaube, Verstand und der Sinn des Lebens beschäftigten ihn immer wieder. Dazu brach er eine Lanze für Flüchtlinge und arme Menschen. "Du bist nur oinmal auf der Welt, erst kommt die Gaudi, dann das Geld" erzeugte erneut vom ersten Takt weg ein begeistertes Mitklatschen. Seine drei Lieblingswitze zwischen den Refrains taten ein Übriges, darunter der "brutalste Witz aller Zeiten".

Klassiker als Zugabe

Zum Abschluss forderte er das Mitsingen von "La, la, la" auf Italienisch. Es darf auch Griechisch sein: Die können auch nix dafür." Freilich machte er eine Zugabe in Form eines "schönen Gute-Nacht-Lieds". Wobei er sich für den Klassiker "My Way" entschied, wobei ihm das "Maal wäij" tat.
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