Gutachter macht Dampf

Innerhalb von sechs Monaten muss dieser Bereich des Kamins auf dem Beyer-Areal in Altenstadt/WN weg. Die Kosten werden wohl am Landratsamt und nicht beim jetzigen Eigentümer hängenbleiben. Bild: sm

Jetzt steht es fest: Das vom Landratsamt in Auftrag gegebene Gutachten über die Standsicherheit des Kamins der ehemaligen Bleiglasfabrik Beyer liegt vor. Es bestätigt die Befürchtung von Nachbarn. Ziegel können herausfallen. Dadurch sind Fußgänger, Radler und Autofahrer in Gefahr. Nun muss das Landratsamt schleunigst handeln.

Der entscheidende Satz in der Expertise des Prüfamtes für Standsicherheit aus Regensburg steht ganz am Ende: "Wir empfehlen, den oberen 17 Meter hohen Kaminbereich entweder zu sanieren oder zurückzubauen." Die Schadenbeseitigung (Sanierung oder teilweiser Rückbau) ist kurzfristig im Zeitrahmen von sechs Monaten erforderlich."

"Das werden wir erfüllen", kündigt Landratsamts-Pressesprecherin Claudia Prößl an. Sie rechnet mit Kosten "noch im fünfstelligen Bereich" für einen Rückbau des besonders maroden obersten Stücks des Schlots. Eigentlich müsste das die Eigentümerin des Geländes erledigen, die Industrieanlagen-Verwaltung und Vermietung aus Nürnberg IVV. Deren Geschäftsführer ist Norbert Oswald, der frühere Insolvenzverwalter von Beyer & Co., der das Areal nach der Pleite der Bleikristallfabrik gekauft hat.

Er wird nun vom Landratsamt angeschrieben und aufgefordert, sich um den Rückbau zu kümmern. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass Oswald dies wahrscheinlich nicht tun wird. Er war am Donnerstag telefonisch nicht zu erreichen. Dem Vernehmen nach ist die Situation der IVV nicht eben rosig.

Sollte die IVV also nach drei Wochen nicht reagieren, wird die Kreisbehörde die Ersatzvornahme zum Rückbau einleiten und Angebote einholen. Auch das Gutachten zur Sicherheit des Kamins hat nicht die IVV bezahlt, sondern der Kreis mit Steuergeldern. Es ist notwendig, um überhaupt den Rückbau angehen zu können. Anwohner hatten bereits vor Jahren moniert, dass die oberen 17 Meter des 45 Meter hohen Schlots im Bereich nicht mehr gerade stehen und immer mehr Risse zeigen. Das bestätigt das Gutachten.

Im Fachjargon liest sich das so: "Die Abweichungen im Bauteilzustand, der Baustoffqualität oder hinsichtlich der Beanspruchung aus der Windlast und dem Eigengewicht übersteigen die zulässigen Toleranzen. Durch die festgestellten Mängel/Schäden ist die Dauerhaftigkeit des Bauteils und des Bauwerks nicht mehr gegeben."

Stahlbänder nutzlos

Die Risse im oberen Kaminbereich, die sowohl durch die Mörtelfugen als auch durch die Steine gehen, hat man durch vermutlich nachträgliches Anbringen von Stahlbändern gesichert. Das war früher gestattet, die Ausführung entsprach laut Gutachter aber schon damals nicht der Norm.

Bereits seit Mitte Februar ist ein Teil der Altenstädter Baptist-Kraus-Straße, die für Kinder auch ein Schulweg ist, mit einem Bauzaun gesperrt. Die Gemeinde hat ihn auf Anordnung des Landratsamts aufgestellt.
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