Kein Geschäft mit dem Tod

"Frauen sind grundsätzlich anfälliger als Männer für Suizidgedanken, vor allem wenn sie sich nutzlos fühlen."

"Darf man jemandem dabei helfen, sich zu töten?" Mit dieser provokativen Frage eröffnete die Kreisvorsitzende der Frauen-Union Tanja Schiffmann den Infoabend über Sterbehilfe. Die Antworten von Barbara Lanzinger, Susanne Kreutzer und Dekan Johannes Lukas waren eindeutig.

Sterbebegleitung und selbstbestimmtes Sterben rücken immer stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit. Der Kreisverband der Frauen-Union hat Gesetzentwürfe im Bundestag zum Anlass genommen, zum Infoabend "Selbstbestimmt sterben - aber wie selbstbestimmt?" in "D'Wirtschaft" einzuladen.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete Lanzinger engagiert sich leidenschaftlich für Palliativ- und Hospizarbeit. Sie gründete 1995 den Hospizverein Amberg. "Ich gehe an das Thema immer als Hospizlerin heran, nie als Politikerin." Es sei wichtig, die Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Sie sehe den Gesetzgeber in der Pflicht, die Patienten zu schützen.

Der Staat dürfe ärztlich assistierten Suizid nicht zulassen. Der Bundestag diskutiere momentan über verschiedene Gesetzesentwürfe. Das Gesetz zur Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung liegt Lanzinger besonders am Herzen. "Man darf mit dem Wunsch nach Selbsttötung kein Geschäft machen", betonte sie. Geschäftsmäßiger Beihilfe zum Suizid müsse man den Boden unter den Füßen entziehen.

Wenn man die Unterstützung zur Selbsttötung zulasse, gehe es schleichenden Schrittes hin zur Tötung auf Verlangen. "Das muss unbedingt verhindert werden", forderte Lanzinger.

Kreutzer, die die Palliativstation in Neustadt leitet, fürchtet sich ebenfalls vor der Freigabe der ärztlich assistierten Tötung. "Frauen sind grundsätzlich anfälliger als Männer für Suizidgedanken, vor allem wenn sie sich nutzlos fühlen."

Kreutzer kritisierte, dass sich kranke Frauen oft als Ballast für die Gesellschaft empfänden, und ihnen der Gedanke an Suizid oft von außen eingepflanzt werde. "Sie denken dann: Es wäre billiger, wenn ich als Kranke weg wäre." Da liege es nahe, an Suizid zu denken. Kreutzer appellierte an Bundestagsabgeordnete Lanzinger, der Beihilfe zur Selbsttötung einen massiven gesetzlichen Riegel vorzuschieben.

Gerade auf Palliativstationen werde häufig der Wunsch geäußert, nicht mehr weiter leben zu wollen. Doch gehe es den Kranken meistens um ihre Lebenssituation. "Der Selbsterhaltungswille ist so eine Kraft. Die Betroffenen wollen meistens nur wegen der Schmerzen nicht mehr leben", sagte die Ärztin.

Die Palliativmedizin sei eine wirksame Barriere gegen den Tötungswunsch vieler Kranker. Beschwerden könnten gut gelindert werden und die Patienten bekämen oft neue Lebensfreude.

Nach Gottes Ebenbild

Die katholische Kirche betrachte Suizid und Sterbehilfe unter dem Aspekt des Selbstbestimmungsrechts und der Würde, erläuterte Dekan Lukas. "Christen definieren ihre Würde über Gott, da sie nach seinem Ebenbild geschaffen sind." So könnten sie nicht frei über ihr Leben verfügen, denn dann würden sie sich an die Stelle Gottes setzen.

Die Kirche lehne aktive Sterbehilfe kategorisch ab, passive würde aber befürwortet, erläuterte der Geistliche: "Man darf den Sterbeprozess nicht aufhalten, Kranke sollen in Würde sterben dürfen." Er nannte Palliativmedizin die Lösung für viele Sterbewünsche. Es sei unendlich positiv, wie sich die Kirche bewegt habe, schloss Lanzinger.
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