"Krieg bleibt Menschheitsthema"

Abiturient Julian Bäumler steckte viel Energie in die Sonderausstellung, die bis Ende November zu sehen ist. Bild: mic

Was haben wir Deutsche aus unserer Geschichte gelernt? Welche Rolle haben unsere Heimatorte dabei gespielt? Und wie fühlten sich unsere Vorfahren dabei? Das sind Fragen, die eine Sonderausstellung im Altenstädter Museum stellt - und beantworten will.

Zusammengetragen wurde die Ausstellung vom Abiturienten Julian Bäumler, der den Aufwand neben seinen Abschlussprüfungen betrieben hat. Die Vorbereitungen dafür laufen seit etwa einem halben Jahr, doch die eigentliche Arbeit hatte schon vor zwei Jahren begonnen. "Eigentlich hat das mit der Mittelstufe angefangen, allgemein aus dem Interesse an der Geschichte." Besonders angetan haben es ihm dabei der Erste und Zweite Weltkrieg. Engagierte Lehrer richteten Zusatzkurse ein. "So wurde Geschichte zu meinem Lieblingsfach."

Bemerkenswerte Sammlung

Zeitzeugen-Gespräche und das Zusammentragen von allerlei Gegenständen aus der Zeit des Dritten Reiches führten zu einer bemerkenswerten Sammlung. Letztes Jahr kam dann die Idee auf, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Vorstand des Museums war schnell einverstanden - und so können ab jetzt Uniformen und Abzeichen, Munition und Zeitungsartikel aus dem Nationalsozialismus bestaunt werden. Motto der Ausstellung ist dabei der Satz der berühmten Rede Richard von Weizsäckers: "Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen." Eröffnet wurde die Ausstellung am vergangenen Freitag mit einer Rede von Günther Langhammer im Gewölbesaal des Museums. Langhammer, der bereits mehrere Werke zum Thema veröffentlicht hat und selbst an der Konzeption der Ausstellung mitgewirkt hat, weiß: Erinnerungsjahre und -tage führen schnell zu einer "Übersättigung", wie er es formuliert. Dennoch sei es wichtig, sich weiterhin damit zu beschäftigen, insbesondere in Hinsicht auf die Nachrichten, die uns in diesen Tagen immer wieder erreichen. "Krieg bleibt wohl ein dauerhaftes Menschheitsthema", stellt der Autor fest. Und auch hierzulande scheint es, als ob der Nationalsozialismus noch nicht vollständig besiegt sei, wie die Anschläge auf Flüchtlingsheime belegen.

"Selbst ein Bild machen"

Die Ausstellung soll dazu beitragen, über die Vergangenheit nachzudenken und Lehren daraus zu ziehen. Hierfür werden Fundstücke mit fundiertem Info-Material kombiniert - so kann sich jeder ein eigenes Bild machen. Die Sonderausstellung setzt verschiedene Schwerpunkte, wie den Krieg selbst. Oder: Wie funktionierte die Propaganda der Nationalsozialisten in Altenstadt? Ein weiterer Schwerpunkt sind die Auswirkungen auf die sogenannte Heimatfront. Wie war das Leben in Altenstadt während des Dritten Reiches? Und: Wie hätten wir selbst reagiert, hätten wir zu dieser Zeit gelebt?

Auf all das soll die Ausstellung helfen, Antworten zu geben. Dabei ist es jedoch sowohl Langhammer als auch Bäumler wichtig, niemanden zu erziehen. "Jeder soll sich selbst ein Bild machen", erklärt der Initiator. Die Sonderausstellung im Heimatmuseum läuft bis Ende November.
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