Leben auf der Schattenseite

Wer Manfred Symanzik zum ersten Mal begegnet, käme nicht auf die Idee, dass er an einer tückischen Lichtallergie leidet. Bild: Steinbacher

Im Winter fährt Manfred Symanzik am liebsten ohne Strümpfe und in kurzer Hose Fahrrad. Was verrückt klingt, ist verständlicher, wenn der 61-Jährige seine Geschichte erzählt. Er hat eine lebensgefährliche Lichtallergie, wegen der er sogar manchmal Blut schwitzt.

Im Sommer zieht Symanzik langärmlige Shirts und lange Hosen an. Der Rentner arbeitet gerne im Garten. Oft ist das nicht möglich. Und wenn, dann trägt er einen Schal und eine Kappe, um sich zu schützen. Mithilfe einer App kann er sehen, ob er das Haus verlassen kann und wie stark die UV-Strahlen sind, die ihm zusetzen. Eine Lichtallergie ist sehr selten. Bekanntheit erlangte sie vor allem durch Hannelore Kohl, Frau des Altbundeskanzlers. Sie litt nach eigenen Aussagen an der Krankheit und beging 2001 Suizid.

Was der Auslöser der Autoimmunkrankheit bei Symanzik ist, gibt den Ärzten bis heute Rätsel auf. Ausgebrochen ist sie, als er 36 Jahre alt war. Damals hatte der Altenstädter einen schweren Unfall an seiner Arbeitsstelle in einem Weidener Betrieb. Bei einem Pressetermin stieg er für ein Foto auf eine Leiter, die an ein Hochregallager gelehnt war. Die Schweißnaht der Leiter hielt nicht, Symanzik stürzte. Mehrere komplizierte Operationen folgten. Er musste das Laufen wieder lernen - und plötzlich war die Lichtallergie da. Damals war die Erkrankung noch nicht so extrem, wie sie heute ist. Symanzik arbeitete noch bis vor drei Jahren als Gebietsleiter für ein Unternehmen, konsultierte wöchentlich einen Arzt und ließ im Büro ausrichten, dass er eine halbe Stunde später kommt, wenn es ihm schlecht ging.

Psychisch belastend

Heute reagiert der 61-Jährige krass auf die UV-Strahlen. Er bekommt einen Asthma-Anfall und schwitzt Blut, das die Oberschenkel und Schläfen hinunterläuft. Diese Blutschübe hat er seit 2010. Sie sind "kriechend entstanden". Symanzik hat immer einen Notausweis in seinem Geldbeutel und einen Notfallkoffer dabei, in der eine Spritze liegt, die ihm das Leben retten kann. Der Altenstädter musste schon dreimal wiederbelebt werden.

Symanzik sagt: "30 bis 35 Prozent meines Alltags sind eingeschränkt." Er fährt zwar jeden Tag frühmorgens über 30 Kilometer mit dem Fahrrad. Allerdings kann er dann oft bis zum Abend nicht mehr aus dem Haus. Verabredungen mit Freunden kann er nur unter Vorbehalt ausmachen, Besuche bei seinen Kindern musste er schon öfter kurzfristig absagen.

Am extremsten sei es im vergangenen Jahr gewesen. "Es war so schlimm, dass ich tagsüber nicht raus konnte. Ich habe den Tag zur Nacht gemacht und umgekehrt." Oder er hat den Tag in einem abgedunkelten Raum verbracht. "Ich konnte nicht so leben wie ich wollte. In diesem Jahr gab es mehr negative als positive Tage." Kein Wunder, dass der 61-Jährige sagt: "Die Krankheit ist eine ungemeine psychische Belastung."

Halt gibt ihm vor allem seine Familie. Symanzik ist zum zweiten Mal verheiratet. Seit 2004 mit Annette, die sagt: "Ich gehe gerne in die Sonne. Die Situation ist manchmal schon schwer." Allerdings wachse man da rein. "Ich arrangiere mich damit." Sie ist eine Stütze für ihren Mann, genauso wie die vier Kinder (beide Partner bringen zwei aus erster Ehe mit) und zwei Enkelkinder. Der 61-Jährige wohnte bis 2007 in Nordrhein-Westfalen und pendelte für die Arbeit in die Oberpfalz. Seit einigen Jahren hat er ein Haus in Altenstadt.

Wer Symanzik zum ersten Mal begegnet, vermutet einen vitalen Rentner. Er ist einer, der sich gut artikulieren kann und einen frischen Eindruck macht. Doch das trügt. "'Sie sehen verdammt gut aus' - das höre ich nicht das erste Mal", sagt er. Symanzik berichtet, dass er täglich 13 Tabletten schluckt, was sich auf die Organe auswirkt. Ein Chemnitzer Forschungsinstitut, mit dem er zusammenarbeitet, empfiehlt ihm Malariaprophylaxe einzunehmen. Sie setzt auch bei der Autoimmunkrankheit an. Allerdings gibt es auch Nebenwirkungen: "Mein ganzes Immunsystem setzt aus."

Buchprojekt geplant

Fragt man nach seinem Wunsch für die Zukunft, klingt er relativ bescheiden: "Ich will den jetzigen Status beibehalten." Mit dem Rückhalt seiner Familie und viel Sport hat er die Krankheit, abgesehen von den Blutschüben, relativ gut in Griff bekommen. Symanzik ist sehr aktiv. Er verfasst das Altenstädter Infoblatt, engagiert sich im sozialen Bereich und ist ehrenamtlich als Richter in Regensburg tätig. Irgendwann will er ein Buch schreiben. "Mein Arbeitsleben ist nicht zu Ende."
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