Mit Geld locken

Die Landtagsabgeordneten Annette Karl und Arif Tasdelen machen sich Gedanken über die Zukunft des öffentlichen Dienstes. Bild: Steinbacher

"Das Berufsfeld reizt junge Menschen nicht mehr", bedauert Annette Karl, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Die Vielzahl unbesetzter Stellen spricht für sich: Es fehlt an Lehrern, Polizisten und Beamten.

Gemeinsam mit Landtagskollegen Arif Tasdelen beratschlagte sie sich mit Personalvertretern von Behörden und Schulen über die Zukunft des öffentlichen Dienstes. "Zum einen haben wir eine Fachkräfte- und Nachwuchsinitiative gegründet", informierte Karl. Weil sich Schulabgänger vermehrt für Lehrstellen entscheiden, müsse man sie mit einem guten Gehalt locken.

Außerdem soll es künftig leichter sein, von zu Hause aus zu arbeiten. "In der sozialen Marktwirtschaft ist Home-Office kein Problem, im öffentlichem Dienst dagegen noch schwieriger", bemängelte Tasdele. Laut dem Mitglied des Ausschusses für Fragen des öffentlichen Dienstes fehlt es noch an der dazu notwendigen Innovation und Flexibilität. Zum anderen soll ein neuer Gesetzentwurf die Situation im öffentlichen Dienst verbessern.

Grund dafür sind Spannungen zwischen Personalräten und Dienstleitungsstellen. "Bei Entscheidungen fühlt sich eine Seite oft übergangen, und es kommt zu Konflikten", weiß der Parlamentarier. Zielführender sei es allerdings, wenn sich beide Parteien auf Augenhöhe treffen. Durch das Gesetz der Allzuständigkeit müssten Dienstleitungsstellen die Personalräte künftig mit ins Boot holen.

Im Gesundheitsbereich des öffentlichen Dienstes besteht ebenfalls Handlungsbedarf. "Damit sind aber keine Laufbänder am Arbeitsplatz oder Obsttage gemeint", betonte Tasdele. Vielmehr werde ein innovatives und langfristiges Gesundheitsmanagement angestrebt. Um dieses Ziel zu erreichen, fragten Dienstleitungsstellen gezielt nach den Bedürfnissen ihrer Angestellten. Sowohl der falsche Führungsstil als auch das falsche Arbeitsumfeld könnten krank machen.

Insgesamt sieht Tasdele ein Manko in der überholten Führungskultur: "Auch heute noch trauen sich viele nicht über ihre Krankheitsgeschichte zu sprechen, weil sie um ihre Karriere fürchten." Offenheit sei für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement aber unumgänglich.

Viel Zeit zum Handeln bleibt dem Landtag allerdings nicht. "Wenn wir die nächsten drei Jahre verschlafen, wird es keinen innovativen öffentlichen Dienst geben", prophezeit Tasdele. Das sei vor allem den Bürgern gegenüber verantwortungslos, denn sie hätten ein Recht auf einen gut funktionierenden öffentlichen Dienst.
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