Mit Schwung und Sägemehl

Der Linienstreuwagen war seinerzeit eine der ersten Anschaffungen des Sportvereins. Im Bild die Ehrenvorsitzenden, Ehrenmitglieder und Gründungsmitglieder (sitzend, von links) Gerhard Beck, Hans Weiß , Anton Pscheidt, Manfred Greiner und Alfons Wittmann sowie (stehend von links) Gisela Kick, Walter Hierlmeier, Lothar Scharnagel, Hans Simon, Martin Kraemer, Uli Kett, Ernst Schicketanz, Wilfried Siebert, Horst Tippelt und Jochen Kraemer. Bild. adj

"Geld hatten wir keines. Wir haben uns 3000 Mark geliehen. Damit haben wir in Selb von Rosenthal eine Baracke gekauft. Diese wurde dann unser erstes Heim." Ehrenvorsitzender Anton Pscheidt erinnert sich an die Anfangsjahre des Sportvereins.

Am Mittwoch feierte der Sportverein sein 65-jähriges Bestehen mit einer Festsitzung im Sportheim. Gespannt lauschten die Mitglieder der Vorstandschaft und die Abteilungsleiter den Geschichten aus der Geschichte, die von zwei Gründungsmitgliedern und ehemaligen Vorsitzenden erzählt wurden.

Am 3. September 1949 wurde der Sportverein aus der Taufe gehoben, berichtete der neunte erste Vorsitzende Ernst Schicketanz. Seit dieser Zeit wurden Tausende von ehrenamtlichen Stunden geleistet. Allein 2013 waren es über 3000 in acht Sparten. 948 Mitglieder gehören im Moment dem SV an. Rechtzeitig zum Jubiläum zeichnet sich die Gründung einer neuen Abteilung für Mountainbike ab.

"Stolz auf Leistungen"

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Jugendarbeit. Schicketanz freute sich darüber, dass fast alle ehemaligen Vorsitzenden, die zwei noch lebenden Gründungmitglieder Manfred Greiner und Hans Weiß sowie alle Ehrenmitglieder diesen Ehrentag mitfeiern. "Nicht nur als Vorsitzender, sondern auch als Bürgermeister bin stolz auf die Leistungen und die Arbeit beim SV in den vergangenen 65 Jahren." Ein besinnlicher Augenblick war das Gedenken an die Verstorbenen. Dabei nannte Schicketanz das kürzlich verstorbene Gründungsmitglied Wilfried Brunner.

Schriftführer Hans Ott zeichnete die Geschichte des Vereins nach. Die Gründung erfolgte am 3. September 1949 im Gasthof "Schwarzer Bär". Anwesend waren 20 erwachsene Fußballer, 18 Jugendkicker und 10 Passive. Am 1. November wurde der Verein mit der Nummer 371 beim BLSV registriert.

Interessant waren dabei die Geschichten, die von Anton Pscheidt und Manfred Greiner immer wieder erzählt wurden. Als 12-Jähriger, erzählte Greiner, sei er bei der Gründungsversammlung gewesen. Die sei aber nur möglich gewesen, weil sein größerer Bruder ihn mitgenommen habe. Das erste Spiel fand auf dem Gelände der Ziegelhütte an der B 22 kurz vor dem Süßenloher Weiher statt. Der erste Fußballplatz wurde auf der Riedl-Wiese angelegt. Auf dieser wurde später der Kreisverkehr zur Autobahnauffahrt gebaut.

Über Erich Sura, so Pscheidt, habe der Verein den ersten eigenen Wagen zum Linienziehen bekommen. Dieser war aus dem Fundus der aufgelösten Reichsfinanzschule Wöllershof. Das Sägemehl dafür wurde immer von der Kraus-Säge geholt. Das gab es aber auch nicht kostenlos. Im ersten Jahr kostete ein Sack 20 Pfennige.

Da das Geschäft blühte, mussten im zweiten Jahr bereits 25 Pfennige für einen Sack bezahlt werden. 1951 wurden die Weichen zum Bau des heutigen B-Platzes gestellt, der 1953 fertiggestellt wurde. Amüsiert berichtete Pscheidt auch vom Erwerb einer "Baracke" im Jahr 1959 von der Firma Rosenthal in Selb. 3000 Mark lieh sich der Verein von Sepp Kallmeier für den Kauf.

Kleine Überraschung

Etwa 15 Mitglieder bauten in Selb die Hütte ab. Auf Lastwagen wurden die Teile nach Altenstadt gefahren. Das Gebäude musste natürlich selbst wieder aufgebaut werden. "Am 11. März 1961 hatten wir unser erstes Sportheim." Liebevoll wurde sie immer "Baracke" genannt. Heute nutzt sie der Sportheimwirt als Lager.

Eine Überraschung hatte Vorsitzender Schicktanz für Pscheidt parat. Er brachte den restaurierten Linienstreuwagen mit, der jetzt dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt wird.
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