Musiker ziehen alle Register

Thomas Löffelmann ließ erstmals die Klangvielfalt der neuen Orgel aufblitzen. Mit Merle Roßner (links), die das Waldhorn spielte, gelang es dem organisten, die Nähe zur barocken Gefühlswelt herzustellen. Bild: dob

Die neue Orgel in der Altenstädter Simultankirche hat ihre Premiere mit Bravour bestanden. Vier Künstler führten ein Konzert der Extraklasse auf.

Mit einer Anekdote aus dem eher schwierigen Zusammenleben der katholischen und evangelischen Glaubensgeschwister in der Simultankirche aus längst vergangener Zeit - Beichtstuhl rein, Beichtstuhl raus - eröffnete Dekan Alexander Hösl das festliche Konzert zur Orgelweihe. "Heute gehe es um Gemeinsames, einen schönen Klangkörper auf der Empore."

Majestätische Klänge

Frisch gesegnet war es an der Zeit, der Öffentlichkeit das Klangbild von "Opus 342 anno 2014" der Orgelbaufirma Sandtner aus Dillingen vorzustellen. Der stellvertretende Diözesanmusikdirektor und Orgelsachverständige Thomas Löffelmann aus Regensburg entlockte dem zweimanualigen Instrument mit zehn Registern erhabene, majestätische Klänge, die wahrscheinlich so schnell nicht wieder in der Simultankirche zu hören sein werden.

Löffelmann stimmte die rund 60 Besucher mit einer kleinen Orgelkunde ein und stellte das Instrument vor. Von den 613 Pfeifen sind 102 aus Holz und 511 aus Metall. Der Gebläse-Motor liefert einen Windumsatz von acht Kubikmetern pro Minute.

Sehr festlich begann die geistliche Stunde mit einem Präludium von Johann Gottfried Walther aus dem Barock. Bei "O Mensch, bewein dein Sünde groß", einer Choralbearbeitung von Johann Sebastian Bach, wurden die Zuhörer zum Nachdenken angeregt.

Mit Georg Philipp Telemanns Triosonate in C-Dur trat das Kircheninstrument mit zwei Blockflöten, die Orgelbaumeister Norbert Bender und Merle Roßner spielten, in Verbindung. Löffelmann verstand es ausgezeichnet, beim Choral "Jesus bleibet meine Freude" sowie aus der Kantate 147 "Herz und Mund und Tat und Leben" mit Roßner am Waldhorn Nähe zur barocken Gefühlswelt herzustellen, ohne den Charakter zu verfremden.

Höhepunkt des Konzerts

Der romantische Block von Antonin Dvorák "Gott ist mein Hirte" und Josef Gabriel Rheinbergers "Ave Maria" oder die Christchurch Mass vom zeitgenössischen Künstler Malcolm Archer erhielten durch Sopranistin Gabriele Löffelmann einen besonderen Glanz. Unter Musikkennern wohl der Höhepunkt des Konzerts waren das Kyrie, Gloria, Sanctus und Benedictus sowie das Agnus Dei.

Abschließend wurden die Konzertbesucher eingeladen, in die Bitt- und Danklieder einzustimmen. Nach dem Schlussakkord der Choralbearbeitung von Sigfrid Karg-Elert "Nun danket alle Gott" waren die Zuhörer so ergriffen, dass es einige Zeit dauerte, bis sie den Künstlern begeistert Applaus spendeten. Anschließend nahmen einige Gäste das Angebot an, auf die Empore zu steigen und das Instrument, das die Menschen durch die Jahrhunderte begleiten wird, zu begutachten.
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