"Schützen durch nutzen"

Wenn wir nicht waidgerecht jagen, werden wir nicht mehr lange jagen.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Landwirtschaft kolossal verändert. "Bei den riesigen Maschinen, die Tag und Nacht auf den Feldern unterwegs sind, hat der kleine Feldhase doch keine Chance mehr", weiß Professor Dr. Jürgen Vocke, Präsident des Bayerischen Jagdverbands (BJV).

"Der heilige Hubertus ist Sinnbild für eine streng tierschutzgerechte Jagd sowie für eine Forst- und Landwirtschaft, die Wald und Flur als Wirtschaftsfaktor, zugleich aber auch als Wildtierlebensraum versteht." Mit diesen Worten dankte Vocke in der Hubertusfeier im voll besetzten Rittersaal beim "Schloßwirt" der örtlichen Jägerschaft für das Engagement im Zeichen des heiligen Hubertus und der waidgerechten Jagd.

Dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Vohenstrauß im Bayerischen Jagdverband, Christian Ertl, stand die Freude über diese Ehre und seine guten Beziehungen zum hochrangigen Gast regelrecht ins Gesicht geschrieben. In seinem Referat ging Vocke unter anderem auf die zukunftsweisende Bedeutung des Hubertusgedankens ein, besonders in dem von ihm ausgehenden Signal für einen ideologiefreien Naturschutz unter dem Motto "Schützen durch nutzen". Ein Miteinander der Naturnutzer sei auch mit Blick auf den Schutz der heimischen Naturvielfalt der beste Weg. Von dieser Art des praktischen Naturschutzes profitierten Wild, Wald und Feld.

Wild auf der Flucht

Aber das ist nicht überall so. Durch Flughafen und S-Bahn-Bau seien rund um München wichtige Lebensräume der Wildtiere durchschnitten worden. In Bayern gebe es 144 000 Kilometer befestigte Straßen. Das Wild sei nur mehr auf der Flucht. "Sie leben hier in der Region ja noch fast auf der Insel der Glücksseligen."

Der Präsident betonte die Verantwortung, die alle Jäger für eine streng tierschutzgerechte Jagdausübung wahrnehmen: "Wenn wir nicht waidgerecht jagen, werden wir nicht mehr lange jagen." Methoden wie der flächendeckende Einsatz von Nachtzielgeräten, Fütterungsverbote trotz Notzeit oder der Missbrauch von Kitzrettungs-Oktokoptern für eine "Jagd aus der Luft" seien vehement abzulehnen, appellierte der Redner. "Sie gefährden die gesellschaftliche Akzeptanz für die Jagd und provozieren Gesetzänderungen." Vocke wehrte sich auch dagegen, Jäger zu "Schädlingsbekämpfern" zu degradieren, oder von ihnen nicht waidgerechte Methoden zu verlangen. So wie Jäger in der Verantwortung stünden, gelte dies auch für Land- und Forstwirtschaft, Staat und Politik.

Außerdem ging der Ebersberger auf den Sinn oder Unsinn verwendeter Gelder bei unterschiedlichen Projekten und überzogenen Gutachten ein, die keine Erkenntnisse brächten. Abschließend erwähnte Vocke noch die beispielgebende Zusammenarbeit mit dem Markt Tännesberg. Die Biodiversitätsgemeinde sei ein bemerkenswertes Modellprojekt. Darüber freute sich zweiter Bürgermeister und Jäger Hans-Peter Klünner sichtlich.
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