Thomas Bäumler streift beim Heimatverein durch Jahrtausende Altenstädter Geschichte
Keltisches Kernland

Dr. Thomas Bäumler blickte in seinem Referat beim Heimatverein weit zurück. Genauer: auf die Zeit vor 12 000 Jahren. Damals könnten schon Menschen auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Altenstadt gelebt haben.

Zunächst Nomaden

Bis auf wenige Funde, die als Zufallsprodukte durchziehender Jäger eingeordnet wurden, war Altenstadt in der Archäologie bis 2000 ein weißer Fleck. Nun hat sich das Bild in fünf Jahren auch zur Freude des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in Regensburg gewendet. Am Ende der Eiszeit ähnelte die Region einer Tundra. Keine Bäume, keine Sträucher, große Herden von Rentieren, Urrindern und Wildpferde. Sie bildeten die Lebensvoraussetzungen von Nomadenstämmen. In der schneefreien Zeit kamen sie auf dem Hügel des Kalvarienberges oder gegenüber beim heutigen Scheidlerhof zusammen, im Winter verzogen sie sich in die schützenden Höhlen des Waldnaabtales. Steinfunde wie Federmesser in den Feldern lieferen dazu den Beweis.

Feuersteine, die hier nicht vorkommen, sondern eher im Raum Amberg, zeigen, dass es bereits Handel gab. Weitere Steinfunde aus dem 100 Kilometer entfernten Arnhofen bei Kelheim und Werkzeuge aus baltischen Kreidefeuersteinen konnten nur von Sachsen entlang der Elbe, der Eger und der Fichtelnaab in unsere Region gelangt sein.

Starke Erderwärmung

In der Mittelsteinzeit gab es einen Quantensprung in der Entwicklung. Grund war eine starke Erwärmung um sechs Grad. Bäume wuchsen, die großen Herden wanderten nach Skandinavien ab. Steinfunde in Form von Werkzeugen veränderten sich, wurden kleiner. Aus Nomaden waren Halbnomaden geworden. Wenig Funde gibt es aus der Jungsteinzeit, was Bäumler mit den sauren Böden begründete. Spätere Epochen liefern mehr Zeugnisse. Metalle tauchen auf - Kupfer, Bronze, Eisen. Eindeutig lebten in der Region Kelten. "Dafür gibt es massenhaft Beweistücke wie Werkzeuge, eisenhaltige Keramik oder Brennofenschlacke an der Windischeschenbacher Straße. Diese Funde untermauerte Bäumler mit Fotos, im Museum Altenstadt ist vieles ausgestellt. In der Keltenzeit herrschte ein ausgedehnter Fernhandel durch Altenstadt vom Alpenraum bis zur Ostsee.

Im November 2014 bestätige das Landesamt in Regensburg durch die Funde die Existenz einer keltischen Siedlung an der Windischeschenbacher Straße. Begünstigt wurde die Siedlung durch das Vorhandensein von Bächen an drei Seiten, darunter der Siechenbach.
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