Unter Strom

Südöstlich von Wendersreuth verläuft die bestehende Trasse des Ostbayernrings. Mitarbeiter des Netzbetreibers Tennet erläuterten dazu vor Ort Details. Ob die Trasse dort bleibt, ist offen. Anwohner zwischen Parkstein, Altenstadt, Kirchendemenreuth und Windischeschenbach sind sich nur in einem einig: Nicht vor meiner Haustür, durch meinen Wald, mein Jagdrevier oder über meinen Acker. Bild: ils

Mit 20, 30 Teilnehmern hatte die Bürgerinitiative gegen Stromtrassen beim Ortstermin an der Sauerbachhütte gerechnet. Als Ansprechpartner hatte sie fünf Vertreter des Netzbetreibers Tennet zu Gast. Doch als knapp 100 Menschen vor der kleinen Hütte standen, musste ein anderer Wirt in die Bresche springen.

Jürgen Füssl aus Altenstadt war am Donnerstagnachmittag als Betroffener ins Sauerbachtal gekommen. Es ist sein Jagdrevier. In dem will er keine Strommasten sehen. Spontan lud er alle in sein Sportheim zur Diskussion ein. Zuvor hatte der Tross eine Anhöhe südöstlich von Wendersreuth erklommen. Dort bietet sich ein guter Blick auf die bestehende Trasse des Ostbayernrings Richtung Parkstein.

Tennet plant, entweder diese bestehende Leitung zu ertüchtigen und die Leistung auf zweimal 380 Kilovolt zu erhöhen, oder entlang der A 93 Richtung Nordosten nach Windischeschenbach Masten aufzustellen (siehe Hintergrund). Die Masten selbst wären zwischen 65 und 75 Meter hoch, etwa 10 Meter höher als die bestehenden.

Wo sie hinkommen sollen, in welchen Abständen und ob überhaupt, ist noch unklar. Tennet stellt sich folgenden Fahrplan vor: Beide Trassenvarianten werden im Oktober oder November der Regierung der Oberpfalz für ein Raumordnungsverfahren vorgelegt. Die Regensburger entscheiden, welchen Korridor sie für sinnvoller und verträglicher halten. Im Frühjahr 2016 soll das Ergebnis vorliegen. Dann geht es an die Planfeststellung und Verhandlungen mit Grundeigentümern. In dieser Phase würde der Trassenverlauf konkretisiert. 2018 würde Tennet dann gerne anfangen zu bauen.

Speicher zu teuer

Das wollen einige verhindern, machten sie in der Diskussion klar. "Wir werden unsere Heimat nicht dafür opfern, dass die Bundesregierung lieber in Netze als in Leitungen investiert. Wir wollen die dezentrale Energiewende und keine Leitungen für Braunkohle", sagte Sonja Schuhmacher vom Bund Naturschutz unter Beifall.

Gunnar Heinitz von Tennet hielt dagegen: Es werde zwar Kohlestrom über den Ostbayernring transportiert, die Ertüchtigung der bestehenden Leitungen aus den 1970er Jahren sei aber vor allem wegen des massiven Zubaus erneuerbarer Energie notwendig. Der Gesetzgeber verlange, dass Sonnen- und Windstrom vorrangig ins Netz soll. Tennet erprobe daneben auch neue Speichertechnologien. "Die sind aber leider bei heutigen Marktbedingungen zu teuer."

Kreisrätin Sonja Reichold wollte als BI-Vertreterin wissen, warum man überhaupt ausbauen müsse, denn die Region sei mit vielen kleinen Stromeinspeisern gut bestückt. "Reicht da nicht die 110-kV-Leitung?" Nein, sagt Heinitz: "Egal auf welcher Ebene die Einspeisung erfolgt, die Summe drückt in die Übertragungsnetze und muss Hunderte Kilometer weit transportiert werden. Deswegen braucht es Stromautobahnen."

Genau das zweifelt Johann Mayer (Grüne) an: "Wir verbrauchen doch unseren Strom vor Ort. Die Folge von Stromautobahnen ist, dass wir mit Strom überfüttert werden und wir unsere sauberen Bürgerenergieparks abschalten müssen."

Notfalls Klage

Das sei nicht wahr, konterte der Vertreter des Netzbetreibers. "Es ist gesetzlich geregelt, dass vorrangig Windkraft ins Netz soll." Außerdem seien auch größere Kraftwerke regelbar, genauso wie Windparks. Karl Meier (Freie Wähler) stellte das nicht zufrieden. "Wenn wir in Bayern selber 1000 Megawatt Strom haben und 200 Megawatt sollen von der Küste hierher transportiert werden, dann brauchen wir das doch gar nicht, das kommt hier doch gar nicht an."

Etlichen im Saal ging dieses Argumentations-Pingpong zu sehr ins Akademische. Altenstadts Altbürgermeister Manfred Greiner und Kreisrat Dominik Baschnagel (CSU) forderten dazu auf, lieber darüber zu reden, was eine mögliche Trasse für das Sauerbachtal bedeute. Das tat am deutlichsten Wirt Füssl. Er sammelt Unterschriften gegen neue Strommasten und kündigte notfalls eine Klage an.

Zwei Trassenverläufe mit mehreren Untervarianten bringt Tennet ins Raumordnungsverfahren ein:

Ostvariante

Ab Höhe Schönhaid entlang der Autobahn A 93 im Osten an Windischeschenbach vorbei mit Querung des Sauerbachtals südlich von Klobenreuth und Wendersreuth hin zur Bestandstrasse.

Vorteil:

Bündelung entlang der A 93.

Nachteil:

Lange Neutrassierung auf Kosten des Landschaftsbildes durch ein Landschaftsschutzgebiet und "Waldflächen von besonderer Bedeutung".

Westvariante

Ab Höhe Schönhaid entlang der Autobahn westlich an Windischeschenbach vorbei und weiter Richtung Süden parallel zur Bestandsleitung. Querung südlich von Windischeschenbach zur Bestandstrasse und dann weiter parallel Richtung Süden.

Vorteil:

Keine Neubelastung, weil der Verlauf entlang der Bestandstrasse erfolgt. Das Landschaftsschutzgebiet und Waldflächen wären nicht in dem Maß betroffen, wie bei der Variante durch das Sauerbachtal.

Nachteil:

Die Trasse ist länger, quert den Naturpark und ein Wasserschutzgebiet. Sie nähert sich "landschaftsprägenden Denkmälern".
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