Vernetzte Hilfe im Internet

Kleines Schild, große Pläne: Thomas Kirsch (rechts) und Felix Jung führen den Verein Freiwilligenagentur Weiden. Bild: Gammanick

Ein Verein sucht einen Kassier, ein Flüchtling Arbeit, ein Student eine günstige Wohnung. Fündig werden könnten sie bald bei der Freiwilligenagentur Weiden. Zwei Altenstädter verfolgen damit ehrgeizige Ziele.

Nur ein kleines Schild neben der Klingel weist auf eine Einrichtung hin, mit der ihre Macher große Pläne haben: "Freiwilligenagentur Weiden e. V.". In dem Haus im Altenstädter Sperberweg betreibt Thomas Kirsch diese neue Plattform für alle, die ehrenamtliche Hilfe brauchen oder anbieten. Ein Verein findet keinen Ersatz für seinen ausgeschiedenen Kassier? Eine gemeinnützige Organisation benötigt Freiwillige für Fahrdienste? Flüchtlinge suchen Dolmetscher? Studenten eine Wohnung? Auf den Internet-Seiten der Freiwilligen-Agentur (www.hilfebuchen.de oder www.fawen.de) könnten sie alle fündig werden.

"In der Aufbauphase"

So jedenfalls sieht der Plan aus. Tatsächlich findet der Nutzer ein reichhaltiges Angebot professionell gestalteter Seiten, Infos in Hülle und Fülle - doch noch mangelt es beispielsweise der "Helfer-Börse" an Teilnehmern. "Da sind wir in der Aufbauphase", erklärt Kirsch: Derzeit wirbt er bei Organisationen wie dem Netzwerk Asyl für seine Plattform. Einige begrüßten das Angebot für Weiden und Umgebung und wollten mitmachen, berichtet Kirsch. Andere warten noch ab, wie sich die Freiwilligenagentur entwickelt. "Aber das Feedback ist schon mal positiv."

Der 30-jährige Altenstädter jedenfalls ist vom Erfolg überzeugt. "Jeder dritte Deutsche übernimmt ehrenamtliche Aufgaben", zitiert der Informatiker eine Statistik. "Wir wollen für eine bessere Vernetzung, ein effizientere Kommunikation sorgen."

"Wir", das sind neben Vorsitzendem Kirsch auch sein Stellvertreter Felix Jung, ebenfalls ein Altenstädter, sowie fünf weitere Miglieder des Vereins. Gegründet vor einem Jahr, hat ihn das Finanzamt mittlerweile als gemeinnützig anerkannt. Seit Mai kümmert sich Kirsch als hauptamtlicher Geschäftsführer um die Plattform. Der Verein finanziert sich komplett aus Spenden, will laut Kirsch "kostendeckend, aber nicht gewinnorientiert" arbeiten. Werbung auf den Internet-Seiten ist tabu, die Teilnahme an der Helfer-Börse kostenfrei. Organisationen oder Privatpersonen, die registriert sind, sollen freiwillige Hilfe später direkt über die Internet-Seite buchen können.

Privatpersonen wie Kirschs Mutter, eine pensionierte Lehrerin. "Sie ist schwer gehbehindert und darauf angewiesen, dass jemand hilft", sagt der 30-Jährige. Der größte Motivationsgrund für sein Engagement. Ein anderer sei sein "Großvater väterlicherseits", ein Vertriebener aus Schlesien: Flüchtlingshilfe nimmt einen breiten Raum ein im Konzept der Freiwilligenagentur. Kirsch kündigt unter anderem die Vermittlung von Dolmetscherdiensten und Sprachkursen an. "Wir wollen Lösungen finden statt ständig nur von Problemen zu hören", betont zweiter Vorsitzender Jung. Die Agentur könnte gar deutschlandweit wirken, meint der Chef. "Wir könnten einen Beitrag leisten, um Migranten besser zu integrieren."

Jung, der einen Master-Abschluss in Betriebwirtschaft hat, ist für die Dokumentation zuständig: Der 29-Jährige soll die Leistungen der Freiwilligen-Agentur statistisch erfassen und auswerten. Wie viele Stunden ehrenamtliche Tätigkeit hat die Agentur angeboten, wie viel davon vermittelt - und welchem Geldbetrag entspricht das dann? Dies auch als Argumentationshilfe für eine gehaltvolle "Ehrenamts-Card". Sie könnte unentgeltlich Helfenden auch jenseits von Vereinsarbeit Vergünstigungen ermöglichen - beispielsweise beim Eintritt in Freizeiteinrichtungen. Das wiederum, meint Jung, wäre ein Anreiz für ehrenamtliches Engagement.

Schöne Zukunftspläne. Zunächst aber ringen Kirsch und Jung um Akzeptanz in der Gegenwart. Ihre Plattform braucht Nutzer. Dazu müssen die Nutzer erstmal wissen, dass es die Plattform gibt. Massive PR - und hohe Preisgelder - könnte der Wettbewerb "Google Impact Challenge" abwerfen, der unter Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin innovative digitale Ideen prämiert.

Hoffen auf Preis

Kirsch hat zwei Internet-Projekte innerhalb der Freiwilligenagentur eingereicht: www.asyljob.de (Vermittlung von Arbeit an Asylbewerber) und das klassische www.hilfe-buchen.de. Ein Preis wäre wohl der Durchbruch für die Freiwilligen-Agentur Weiden mit Sitz in Altenstadt/WN. Möglich, dass dann auch das Wandschild etwas größer ausfällt.
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