Vollendetes Halleluja

Orgelbaumeister Kilian Gottwald hämmert an den Metallpfeifen, um ihnen den passenden Klang zu verleihen. Die aus Banka-Zinn und reinem Hütten-Blei hergestellten Pfeifen dürfen nur mit Handschuhen angefasst werden.

Musik bringt die in uns verborgenen Saiten zum Schwingen. Sie tröstet, wühlt auf, entspannt, lässt das Herz höher schlagen. Es gibt wohl kein Instrument, das sich so einfühlsam auf Situationen, Stimmungen und seelische Empfindungen einlässt wie eine Orgel.

Wenn die Worte fehlen, hilft Musik weiter. Besonders in ihrer religiösen und kirchlichen Dimension. Bald ist dies in der Simultankirche St. Johannes der Täufer zu erleben, wenngleich sie jetzt noch einer Baustelle ähnelt. Laute und kurze Klopfzeichen dringen aus dem Gotteshaus. Orgelbaumeister Kilian Gottwald und Orgelbauerin Julia Wiedemann von der bekannten Dillinger Firma Sandtner legen letzte Hand an die neue Kirchenorgel, für die die Simultankirchenverwaltung knapp 170 000 Euro investiert.

Faszination der Pfeifen

Längst haben die vielen Einzelteile ihren exakten Platz im großen Kircheninstrument gefunden. Der Spieltisch ist frei stehend an der Emporenbrüstung mit Blick des Organisten zum Instrument platziert worden. Eifrig waren die Experten in den vergangenen zwei Wochen mit dem Einbau beschäftigt. Der Prospekt-Entwurf präsentiert sich in klassischem, symmetrischem Aufbau mit geschlossenem Klanggehäuse, der Pfeifenverlauf in der perspektivischen Wirkung folgt der Brüstung. Filigran und elegant kommt die Schönheit daher, in der bald 500 Holz- und Metallpfeifen ein klangvollendetes Halleluja anstimmen werden.

Kilian Gottwald verleiht nun mit der farblichen Klangausschmückung dem Instrument eine Seele. Dazu braucht es viel musikalisches Einfühlungsvermögen, Ruhe und natürlich große Erfahrung. Trotzdem ist die Arbeit nicht ganz unproblematisch: "Die klangliche Gestaltung erweist sich als nicht ganz einfach, denn der kleine Raum der Simultankirche besitzt wenig Hall", berichtet Gottwald.

Immer wieder geht der Meister zum Gehäuse, entfernt eine Pfeife und arbeitet mit Spezialwerkzeugen im Bereich des Labiums, um Klangfarbe und Lautstärke zu verändern und einen klaren und vollen Ton zu erhalten. Vorab wurden die Pfeifen bereits in der Orgelbauwerkstätte "eingestimmt". Gottwald bezieht den Stil der Orgel und die Raumakustik in seine Arbeit ein.

"Das wird weder ein katholisches noch ein evangelisches Instrument", stellt der Intonateur klar, dass der Orgelklang keineswegs eine Frage der Konfession sei. "Da werde ich schon immer wieder gefragt", schmunzelt er. Umso mehr achtet er genau darauf, dass das Instrument sowohl den Verkündigungscharakter für die evangelischen Christen als auch den mystischen Charakter für die Katholiken bekommt. "Sie muss warm und nicht kalt wirken".

Pfeifenfüße über 135 Millimeter Durchmesser erhielten zur dauerhaften Stabilität einen zusätzlichen Innenfuß. Ab 160 Millimeter Meter Durchmesser bekommt auch der Pfeifenkörper im Labienbereich eine zusätzliche Manschette. Die Holzpfeifen sind aus hochwertigen, langjährig luftgetrockneten Hölzern, vorwiegend aus Fichte, Kiefer, Eiche und Birne angefertigt. Gottwald legt besonders Wert auf einen angenehmen, wohltuenden Gesamtklang ohne Schärfen und störende Ansprachegeräusche. Alle Register (Pfeifenreihen einer Klangform) erhalten charakteristisch ausgeprägte Klangfarben mit hoher Mischfähigkeit. Grundlagen sind dafür individuell ausgewählte Mensuren (Maßverhältnis der einzelnen Teile der Pfeifen) und Winddrücke. Der Orgelbauer lässt somit Raumakustik und Orgelklang zu einer Einheit verschmelzen.

"Königin der Instrumente"

Bald ist das außergewöhnliche Werk vollendet und behauptet seinen Platz im Kirchenraum. Geadelt als "Königin der Instrumente", dient die Orgel der Liturgie und damit dem Lobe Gottes in der Simultankirche und im Ortsteil Altenstadt. Wie die Orgel die Gemeinde im immerwährenden Kreislauf durch die Feste des Kirchenjahres begleitet, so begleitet sie auch jeden Menschen durch sein Leben. Sei es nun bei der Taufe, beim Ja-Wort der Brautpaare, beim wöchentlichen Kirchenbesuch oder am Ende des irdischen Daseins.

Festlich wird am Samstag, 15. November, die Orgelweihe vorgenommen. Dazu kommen Weihbischof Reinhard Pappenberger und Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss nach Altenstadt. Um 14.30 Uhr folgt ein Konzert an der neuen Sandtner-Orgel. Danach können sich Interessierte informieren.
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