Mit Karate klar im Kopf
Steigendes Interesse am fernöstlichen Kampfsport

Zielen, aber nicht zuschlagen: Trainer Dieter Baller (links) zeigt, wie richtige Angriffstechnik aussieht. Bild: esm

Auf den Knien meditieren, Kraft sammeln und dann langsam aufstehen. "Mit dem rechten Bein zuerst", mahnt Dietmar Weineck die Karateschüler. Warum? Weil Samurais das Schwert mit links ziehen.

Altenstadt. Zum Glück trainieren die Karateka in dem Anfängerkurs ohne Waffen, auch wenn er sich an die japanische Tradition anlehnt. "Wir sprechen auch nicht von Gegnern, sondern von Partnern", betont Dieter Baller, Trainer der Karateabteilung des SV Altenstadt. Auch wenn die Angriffsbewegungen nur angedeutet werden, sind sie doch ein Ganzkörpertraining.

Das belegt auch eine gemeinsame Studie der Uni Regensburg, des Deutschen Karateverbands und des Bayerischen Karatebunds. Kraft und Schnelligkeit können durch regelmäßiges Training verbessert werden. Ferner beugt es Depressionen, Ängsten oder Unkonzentriertheiten vor. Als Sturzprophylaxe fördert Karate zusätzlich die motorische Sicherheit. Der Kampfsport ist deshalb nicht nur bei jungen Menschen beliebt. "Viele der Kursteilnehmer sind zwischen 30 und 50 Jahre", weiß Weineck.

Wohlfühlfaktor steigt


Auf dem Trainingsplan stehen unter anderem Schlag-, Partner- und Dehnübungen. Die fallen meist den Älteren nicht leicht. "Sie sind meistens nicht mehr so gelenkig, aber dann passe ich den Schwierigkeitsgrad an", erklärt Weineck. Mit der Zeit nehme die Gelenkigkeit wieder zu. Das sei ein Vorteil der asiatischen Kampfkunst: Mehr Beweglichkeit und ein besseres Körpergefühl. Das kann Martin Motsch bestätigen. Seit einem Jahr besucht er regelmäßig Übungsstunden. "Seitdem mache ich insgesamt mehr Sport, weil ich mich fitter und lockerer fühle." Kein Wunder, denn mit Elementen aus Judo, Aikido oder Taj Chi trainieren die Sportler motorischer Fähigkeiten. "Ein netter Nebeneffekt ist, dass ich acht Kilo abgenommen habe."

Wer Karate beherrscht, ist auch in der Lage, sich selbst zu verteidigen. Nicht nur, weil man gezielte Schläge und Hiebe austeilen kann. "Aber zu wissen, dass man es könnte, macht selbstbewusster", erläutert Baller. Dabei spiele das Alter keine Rolle: "Ob jung oder alt, in eine Opferrolle rutscht niemand gerne." Karate trainiert überdies den Geist, findet Klaus Schimmer. "Am Anfang ist es schwer, sich alle Bewegungsabläufe zu merken." Mit Konzentration, Willensstärke und Training würden sie aber in Fleisch und Blut übergehen. "Irgendwann geht das von allein und man denkt gar nicht mehr darüber nach."

Die Sportart stoppt genauso lästige Gedanken und bietet dem Kopf eine Ruhepause. "In den Karatestunden kann man einfach abschalten", ist Schwimmer überzeugt.

An Wettkämpfen müssen die Schüler nicht unbedingt teilnehmen. In den Stunden treten sie dennoch gegeneinander an. "Angriffe werden aber nur angedeutet, die Achtung des Partners steht ganz oben", unterstreicht Baller. Es erfordere eine gute Körperbeherrschung, Angriffsbewegungen zu kontrollieren und rechtzeitig zu stoppen. Wettkampfgedanken haben die meisten Schüler nicht. "Aber trotzdem will man immer besser werden", ergänzt Schimmer. Dass in dem Kurs alle Altersklassen vertreten sind und Partner ständig gewechselt werden, helfe dabei. "Jeder hat einen anderen Stil, da muss man sich drauf einstellen." Das fordere Konzentration. Und dabei hilft Meditation.
Ob jung oder alt, in eine Opferrolle rutscht niemand gerne.Dieter Baller, Cheftrainer, Karateabteilung SV Altenstadt
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