Bleiben Jagdgenossen auf Revieren sitzen?
Wildschweinplage erschwert immer häufiger Verpachtung

Forstdirektor Gerhard Hösl (rechts) referierte über das "Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung". Bild: bey

Das Forstliche Gutachten 2015 zur Situation der Waldverjüngung stand im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften im Bayerischen Bauernverband für den Kreisverband Neustadt-Weiden. Forstdirektor Gerhard Hösl zeigte auf, dass die überwiegende Zahl der Hegegemeinschaften im Gebiet des Kreisverbandes wahrlich "grüne Inseln" seien, in denen nur noch geringer Wildverbiss ermittelt wurde.

Doch am Ende seines Referates konfrontierten die Jagdvorsteher den Forstdirekter mit den Alltagssorgen: Die Wildschweinplage schüre die Ängste, dass die Jagdreviere nicht mehr verpachtet werden könnten.

Meist gütliche Einigungen


Alois Lukas, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, blickte zunächst auf das Jahr zurück, in dem die Schweinepest als Hauptthema der letzten Jahreshauptversammlung zunehmend in den Hintergrund gerückt sei. Er vermutet aber nicht, dass diese Krankheit im Osten Europas als Ausgangspunkt ausgerottet worden sei. Die Wildschweinplage sei von Landrat Andreas Meier als "nicht so schlimm" eingeschätzt worden, so dass der Landkreischef verzichtet habe, einen Antrag auf Erlaubnis von Nachtzielgeräten zu stellen. Eine Entscheidung, die im Laufe der späteren Diskussion auf Kritik stieß. Als positiv wertete Lukas die meist gütlichen Einigungen bei der Ermittlung und Festsetzung von Wildschäden.

Forstdirektor Hösl ging auf das Forstliche Gutachten 2015 zur Situation der Waldverjüngung ein. Um die gewünschten Ergebnisse beim Leittriebverbiss zu erreichen, sei die Aufstellung von Abschussplänen in gemeinsamer Arbeit durch Revierinhaber und Jagdvorstand notwendig. "Eigenverantwortlichkeit ist gefragt", meinte der Forstdirektor. Zur Umsetzung des Vegetationsgutachtens empfiehlt Hösl gemeinsame Revierbegänge von Jagdpächtern und Waldbesitzern und bietet dafür auch die Mitwirkung seines Amtes an.

Insgesamt sei es wünschenswert, mit Blick auf den Klimawandel den Nadelholzbestand auf zwei Drittel zu reduzieren. Ein Laubholzanteil von einem Drittel sei wünschenswert.

Arge-Sprecher Lukas nannte den sichtbaren Abwärtstrend beim Wildverbiss einen guten Weg. Ganz klar aber auch seine Meinung zu manchem Wildverbiss: Jogger und Biker hielten das Schalenwild ab, zum Äsen den Wald zu verlassen. Folge sei die Nahrungssuche im Wald selbst, die aber zum Wildverbiss beitrage.

Freiwillige Leistung


Aus dem Kreis der Jagdvorsteher wurde die Höhe der Gebühren der Trichinenschau und der Becquerel-Untersuchungen bei Wildschweinen kritisiert. Angeregt wurde, der Landkreis solle die Gebühren bei der Ermittlung der Radioaktivität übernehmen. Dies sei eine freiwillige Leistung, meinte Hildegard Burger von der Unteren Jagdbehörde. Die Festsetzung der Gebühren für die Trichinenschau liege beim Veterinäramt.

Aus dem Zuhörerkreis wurde auch gefordert, "Sauenfänge" zu bauen. Dies sei im Landkreis bereits in einem Revier geschehen, berichtete Burger. Doch es sei schwer, die Wildschweine an diesen Sauenfang zu gewöhnen. Lukas fürchtet bei der Bejagung der Wildschweine in den Sauenfängen große Ablehnung bei der Bevölkerung.
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