Diskussion mit BDM
Saure Milchbauern

Die Milchkrise hält die Landwirte in Bayern in Atem. Der Bund deutscher Milchviehhalter lud zur Debatte mit Staat und Bauernverband. Wie erwartet, gestaltete sich die Diskussion hitzig.

200 Oberpfälzer Milchviehhalter diskutierten auf Einladung des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM) die Milchpolitik und -vermarktung. Siegfried Kiener vom Landwirtschaftsamt Weiden sagte, dass das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten "ohne Denkverbote" alle Möglichkeiten der Krisenprävention für den Milchmarkt prüfe und analysiere.

Maßnahmen nötig


Er gestand, dass viele, auch bayerische, Betriebe unter akuten Liquiditätsproblemen leiden und schnelle Maßnahmen von Nöten sind. Den Vorwurf, der Staat verlasse den Milchmarkt aufgrund des Quoten-Endes, konnte er nicht nachvollziehen. "Durch die Interventionsmöglichkeiten, die Förderung durch das AIP und KULAP, gibt es weiterhin staatliche Maßnahmen." Ein Einwand, der von den Milchviehhaltern skeptisch registriert wurde.

Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), präsentierte außer einem Beharren auf freien und liberalisierten Märkten und dem erwartbaren Verweis auf ungenutzte Marktchancen keine Lösungsmöglichkeiten. Er verwies auf das zwei Cent höhere Preisniveau in Bayern im Vergleich zum Bundesschnitt. "Zwar können wir mit dem absoluten Preis von zirka 30 Cent nicht zufrieden sein. Allerdings ist dies das Ergebnis der milchpolitischen Arbeit des BBV, dass Bayern bei den Auszahlungspreisen vorne liegt." Ein Kommentar, den die Anwesenden mit Gelächter quittierten. Felßner lehnte alle Modelle zur Angebots-Steuerung im Krisenfall ab. Lösungsmöglichkeiten sieht er nur in einem Ausbau des Geflechts von VMB, LVBM und anderen BBV-Vehikeln. Nach seinem Vortrag diskutierten die Zuhörer, "was denn noch passieren muss, damit beim BBV etwas passiert". Die anschließende Fragestunde glich einer Generalabrechnung mit der Milchpolitik des BBV.

Johannes Pfaller, Vorsitzender des BDM-Bundesbeirats, machte deutlich, dass für jeden Markt Regeln bestünden. Der Markt müsse trotz individueller Verantwortung mit möglichst kleinen Eingriffen vor einer Negativentwicklung geschützt werden. "Die aktuelle Milchkrise geht auf die europäische Mehrproduktion zurück und verlangt daher eine europäische Lösung." Ebenso unterstrich er, dass der Programm-Vorschlag auf eine größtmögliche Eigenverantwortung setzt und staatliche Eingriffe als letzten Schritt vorsieht.

Starke Marktstellung


Zum Thema Vermarktung referierten Markus Seemüller, Geschäftsführer der Bayern MEG, und Peter Guhl, Vorsitzender des MEG Milchboard. Einig waren sich beide, dass die Bündelung der Milcherzeuger in Süddeutschland weiter fortgeschritten ist als im Norden. So habe die Bayern MEG mit 2,8 Millionen Kilo Milch ihre starke Marktstellung gefestigt. Guhl verband die Krise auf dem Milchmarkt mit den langfristigen Aussichten der Milchviehhalter. Die MEG Milch Board habe eine Road-Map entwickelt, die ein Gleichgewicht zwischen Milcherzeugern und -verarbeitern anstrebt. "Dabei sind feste Lieferverträge, die den ausbezahlten Milchpreis, die angelieferte Menge sowie einen festen Vertragszeitraum beinhalten, essentiell, um die Marktstellung der Milchviehhalter zu verbessern", sagte Guhl. In Anbetracht der Krise sei allerdings ein Eingriff von Nöten. "Das BDM-Konzept ist das einzig ernstzunehmende, das Krisensituationen verhindert und existenzgefährdende Marktkrisen ausschließt."

Steuerung des Marktes in Krisenzeiten unerlässlichDie Podiumsdiskussion endete wie erwartet: Günther Felßner gab abermals seine Ablehnung mengenregulierender Maßnahmen zu Protokoll und rühmte sich - unter Unmutsäußerungen der Landwirte - erneut für die zwei Cent des bayerischen Milchpreises über dem Bundesdurchschnitt. Das von Johannes Pfaller vorgestellte Programm wurde positiver aufgenommen. Dies gipfelte in der Wortmeldung, dass immer noch die agrarindustriellen Interessen des BBV Vorrang vor denen der Milchviehhalter hätten. Im Endeffekt entstand der Eindruck, dass der Berufsstand die in Bayern entstehende Wertschöpfung aus den Augen verliert, den Strukturwandel als notwendiges Übel ansieht und den Status Bayerns als "Milchland" zur Disposition stellt.

Unverständnis und Kopfschütteln bei den Landwirten rief die "Sorge" Felßners, der Einsatz mengensteuernder Maßnahmen und damit stabilerer Milchpreise benachteilige die bayerischen Milchbauern aufgrund höherer Produktionskosten, hervor. Am Ende waren sich die Landwirte einig, dass sie mit BDM, MEG Milch Board und Bayern MEG drei starke Organisationen hinter sich wissen. Zur Bewältigung der Krise müsse die Milch-Branche den Mut finden, neue Wege in der Vermarktung zu gehen. "Die Probleme sind erkannt, Lösungen erarbeitet und nun gilt es, den nächsten Schritt zu machen", sagte ein Milchviehhalter. Die meisten Milcherzeuger waren der Meinung, dass eine Steuerung des Marktes unerlässlich ist. (adj)
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