Kirchen als Gemeindetreff
Kritische Gedanken zu Sanierungen von Sakralbauten in Tschechien

Altenstadt/Prag. Bei der internationalen Fachtagung "Sacrum 2016" auf dem Vysehrad in Prag durften Dr. Wolf-Dieter Hamperl und Rainer Christoph vom Förderverein Goldene Straße ihre langjährigen grenzüberschreitenden Projekte vorstellen. Das Thema der Fachtagung lautete "Rettung, Renovierung, Verfall - oder neue Nutzung von Sakralbauten in Böhmen?". Die Organisation lag in den Händen von Dr. Zuzana Finger von der Sudetendeutschen Heimatpflege in München.

Hamperl erinnerte an die von ihm mit dem verstorbenen Pfarrer Vlademir Born aus Haid (Bor) renovierten Kirchen und Kapellen in Tachau (Tachov) und Umgebung. Ohne den rührigen tschechischen Geistlichen, der beste Kontakte zu den Bistümern Prag und Pilsen hatte, wäre vieles nicht möglich gewesen.

Der Altenstädter Christoph informierte über den renovierten ökumenischen Kreuzweg in Mies (Stríbro). Die Initiative dazu ging von der tschechischen Seite aus. Der Förderverein half als Projektpartner, EU-Mittel lockerzumachen. Als diese nicht ausreichten, wurde eine Spendenaktion gestartet, die 3500 Euro ergab.

Das Geld wurde vor allem für die neuen Bildtafeln des Kreuzweges verwendet. Von zwei Prager Künstlern auf Ton gemalt und gebrannt, sind sie seit 2013 ein vielbeachtetes Kunstwerk an der Goldenen Straße. Immer wieder gibt es Aktionen am Kreuzweg auf den Ronsberg, oberhalb der Stadt Mies.

Das Projekt bearbeiteten drei engagierte Schüler der Grundschule Altenstadt beim Geschichtswettbewerb "Aus Nachbarn werden Freunde". Mit Erfolg, sie erhielten nicht nur einen ersten Landespreis, sondern als einzige Grundschulen Bayerns einen dritten Bundespreis.

Gott wohnt im Himmel


Einen engagierten Vortrag hielt vom Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde München Katerina Kovackova. Die junge Tschechien, in einem Dorf in Westböhmen aufgewachsen, studierte in Deutschland und stellte die Sinnfrage mancher Renovierungen von kleinen Kirchen und Friedhöfen, die an der tschechischen Bevölkerung vorbeigingen. Die atheistische Bevölkerung "weiß von Gott oft nur, dass er irgendwo im Himmel wohnt, sie ihn aber nicht brauchen, weil sie eigentlich zufrieden sind". Eine renovierte Kirche sei in diesen Orten "eine leere Schale". Von deutschen Friedhöfen hatte sie nach der Wende das erste Mal gehört. Sie kannte nur namenlose, herumliegende oder überwucherte Steine.

Eine sinnvolle Restaurierung aller sakralen Objekte kann aus ihrer Sicht nur auf Augenhöhe mit der jetzt dort wohnenden Bevölkerung erfolgen. Es müsse eruiert werden, was die Leute dort brauchen. Oft wäre es sinnvoll, wenn die kleine Kirche auch als Gemeindetreffpunkt für eine Veranstaltung, ein Konzert oder eine Ausstellung genutzt werden könne. Bei Friedhöfen mit vielleicht schönen Grabdenkmälern gehe es darum, klarzumachen, dass sie ein historisches oder gar kulturelles Erbe sind. Wichtig sei eine gute Vorarbeit mit den Verantwortlichen der Dorfgemeinschaft oder der Stadt.

Das Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde bietet die Möglichkeit, Sanierungen über eigens eingerichtete Konten zu übernehmen. Dies ist eine große Erleichterung für Privatinitiativen, die keinen Verein mehr gründen müssen. Alle juristischen und steuerlichen Angelegenheiten erledigt die Ackermann-Gemeinde. Infos unter www.sozialwerk-ag.de.
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