Licht im Führerscheindickicht
Altenstädter muss Lkw-Führerschein in München erwerben

Fahrlehrer Günther Weiß (links) muss manchen Führerscheininteressenten ziehen lassen, der bei ihm die Ausbildung machen will. Prüfungsort muss in der Regel der Hauptwohnsitz sein. Mit Ausnahmen ist beispielsweise München rigoros. Bild: Götz

Ralph Keller will zu Hause den Lkw-Führerschein machen. Doch Fahrlehrer Günther Weiß muss dem Altenstädter mit Hauptwohnsitz in München eine Abfuhr erteilen.

Altenstadt/München. Der 26-jährige Keller arbeitet beim Film. Als Lichttechniker sorgte er im Hintergrund für die Ausleuchtung bei Tatort und Polizeiruf 110 sowie vielen weiteren Projekten. Mit ein bis zwei Lastwagen voller Equipment leuchtet das Team in enger Absprache mit dem Kameramann die Szenen an wechselnden Drehorten aus.

Den Winter, als weniger Arbeit für den freischaffenden Beleuchter anstanden, verbrachte der Oberpfälzer mit Zweitwohnsitz in Altenstadt bei seinen Eltern. Die Zeit wollte er nutzen, um den Schein zu machen. Bis zum Frühjahr musste er fertig sein. Er war eingeteilt, den Lastwagen zu steuern, auf dem ein acht Tonnen schwerer Generator fest montiert ist.

Prüfung am Hauptwohnsitz


"Ich habe in Weiden bei der Fahrschule Weiß die entsprechenden Formulare ausgefüllt", erinnert er sich. Die Fahrschule hätte ihn auch gerne ausgebildet, doch das hätte dem jungen Mann wenig gebracht. "Die Prüfung muss man in der Regel am Hauptwohnsitz machen", informiert Fahrschulinhaber Weiß.

Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Fahrlehrerverbandes nennt es ärgerlich, wenn jemand unbedingt bei ihm die Ausbildung machen möchte und das nicht darf. "Die Prüfung muss der Bewerber am Wohnort machen." Allerdings gebe es Ausnahmen, aber die seien selten. Prinzipiell schreibt die Fahrerlaubnisordnung vor, dass der Bewerber die praktische Prüfung am Ort seiner Hauptwohnung oder am Ort seiner schulischen oder beruflichen Ausbildung, seines Studiums oder seiner Arbeitsstelle abzulegen hat. Aber: Die Fahrerlaubnisbehörde kann zulassen, dass der Bewerber die Prüfung an einem anderen Prüfort ablegt.

München legt das Gesetz rigoros aus. "Wir haben immer wieder Probleme mit Studenten, die in den Semesterferien zu Hause sind und dort den Führerschein machen wollen", sagt Christian Lulla, Sachgebietsleiter der Fahrerlaubnisbehörde der Landeshauptstadt. Genehmigungen gebe es selbst dann nicht, wenn die Antragsteller in Freising oder Landshut die Prüfung abfahren wollen. Nur bei vergleichbaren Verkehrsverhältnissen wie beispielsweise in Hamburg oder Berlin könne man über Ausnahmen nachdenken, meint Lulla. Die Ausbildung selbst könne man machen, wo man wolle. "Aber der Prüfungsort muss München sein."

Im Landratsamt Neustadt ist man in dieser Sache toleranter - vielleicht auch, weil die Anforderungen für die Fahranfänger nicht so hoch sind, wie in der Großstadt. "Meist stimmen wir solchen Anträgen zu, wenn der Führerscheinbewerber beispielsweise in Regensburg arbeitet", bestätigt Sprecherin Claudia Prößl. "Das kommt aber selten vor." Prößl spricht von höchstens fünf Fällen pro Jahr.

Teure Angelegenheit


Keller hat mittlerweile den Führerschein, lenkt den Brummi von Drehort zu Drehort. Dafür hat er tief in den Geldbeutel greifen müssen. Knapp 3000 Euro zahlte er in München für die Ausbildung. In Weiden lag die Kostenschätzung rund 800 Euro niedriger.
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