Milchpreis zerrinnt Monat für Monat
Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sieht die Lösung ihn seinem Marktverantwortungsprogramm

Klaus Schiffer-Weigand und Pfarrer Walter Engeler von der Landwirtschaftlichen Familienberatung sowie BDM-Chef Werner Reinl (von links) bei der Mitgliederversammlung in Altenstadt. Bild: sm

Die Landwirte leiden unter dem miserablen Milchpreis. In der Jahreshauptversammlung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) zeigte Kreisvorsitzender Werner Reinl Lösungsvorschläge auf.

Die Mitglieder trafen sich in der Gaststätte "D'Wirtschaft". Reinl freute sich, dass neben vielen Milchbauern auch Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft gekommen waren. Im Bericht über das abgelaufene Jahr ließ Schriftführerin Gertraud Mois aus Kirchendemenreuth weit über 20 Versammlungen, Politikergespräche, Kundgebungen, Fahrten und Stammtische Revue passieren. Kassier Georg Kick aus Luhe zeigte die Finanzlage des Kreisverbands auf. Reinl ging sehr detailliert auf die Situation der Milchviehhalter ein. Mit rund 29 Cent je Kilo Milch sei man in Bayern noch gut dabei, jedoch bröckle auch hier der Preis Monat für Monat. Im Norden und Osten Deutschlands lägen die Preise schon seit vielen Monaten nur mehr bei 25 Cent und darunter. Die Tendenz zeige in ganz Europa weiter nach unten, was bereits jetzt zu massiven Liquiditätsproblemen auf den Höfen führe.

Als Ursache nannte der Kreisvorsitzende das massive Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage, bedingt durch zum Teil exorbitante Produktionssteigerungen in Deutschland und Europa, was er mit detaillierten Grafiken aufzeigte. Den Vorwurf "Sollen doch die BDMler weniger liefern" ließ der Flosser nicht gelten. Viele BDM-Mitglieder seien schon mehrmals bei den Lieferstopps massiv in Vorleistung getreten und hätten bei Demonstrationen und Kundgebungen Zeit und Geld investiert.

Jeder muss mitmachen


"Alle bisher angewendeten Instrumente zur Krisenbewältigung haben ihr Ziel verfehlt", klagte Reinl. Es gebe nur eine Lösung: Die Menge müsse runter. Der Sprecher hatte auch einen konkreten Lösungsvorschlag im Gepäck: das Marktverantwortungsprogramm (MVP) des BDM. Dies sei der einzige konkrete Vorschlag gewesen, der nach Aufforderung der Politik nach zusätzlichen Instrumenten eingereicht worden sei.

Das MVP ziele darauf ab, in Krisenzeiten durch verschiedene Möglichkeiten Milchmengen aus der Produktion zu nehmen. Diese gehe im letzten Schritt so weit, dass allgemeinverbindlich jeder Landwirt in Europa seine Produktion um zwei bis drei Prozent einschränken müsse, um eine Stabilisierung des Marktes zu erreichen. Seien die Preise wieder stabil, könne sich jeder Landwirt erneut frei nach seinen unternehmerischen Fähigkeiten entwickeln.

In ihren Grußworten brachten stellvertretender Landrat Albert Nickl, Landtagsabgeordnete Anette Karl, Dr. Siegfried Kiener, Leiter des Landwirtschaftsamtes Weiden, und BBV-Kreisobmann Josef Fütterer ihre Hochachtung für das Engagement und die Unnachgiebigkeit des BDM zum Ausdruck. Der BDM habe es geschafft, einen fairen kostendeckenden Preis von 40 Cent in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern.

Öfter miteinander redenIn seinem Referat zum Thema "Immer wachsen, oder weichen - oder einfach mal genug?" zeigte der Leiter der Landwirtschaftlichen Familienberatung der Evangelischen Kirche in Bayern, Pfarrer Walter Engeler, die Konfliktpotenziale auf den Höfen auf. Den größten Anteil nähmen familiäre, betriebliche, gesundheitliche und finanzielle Probleme in Anspruch. Dies habe nicht selten zur Folge, dass sich die Betroffenen immer mehr aus der Gesellschaft zurückzögen, in die Arbeit flüchteten, was dann häufig im Burnout ende.

Hier sei miteinander reden das erste Gebot der Stunde, wobei die Landwirtschaftliche Familienberatung Hilfestellung bieten könne. Häufig müssten nur Kleinigkeiten geändert werden, um ein glückliches und zufriedenes Leben auf dem Hof zu führen. Schlussendlich gelte immer, dass hinter einem erfolgreichen Betrieb auch eine intakte Familie stehe. (sm)
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