Prächtige Moscheen und Paläste
Reisegruppe aus der Nordoberpfalz erlebt den Iran als offenes freundliches Land

Die Imam-Moschee in Isfahan wird auch Königsmoschee genannt. Bilder: Seibold (4)
 
Überraschend freundlich und aufgeschlossen waren vor allem die jungen Frauen, wenn sie auf die Reisegruppe aus der Oberpfalz trafen.
 
Dr. Gabriele Hagemann.
 
Barbara Feneis.

Mit unerwarteten Eindrücken kehrte eine Reisegruppe aus der nördlichen Oberpfalz aus dem Iran zurück. Das Wort "Germany" war dort meist der Türöffner.

Von Leopold Seibold

"Ist es dort nicht gefährlich?", war eine der häufigsten Fragen von Bekannten, als sie von den Reiseplänen erfuhren. Die erfahrene Dr. Gabriele Hagemann hatte schon im vergangenen Sommer die elftägige Rundreise geplant.

Die Vorstellungen der 29-köpfigen Reisegruppe, überwiegend aus den Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach, vom ehemaligen Persien, das sich bildete, waren oft völlig konträr zu dem Bild, das allgemein von diesem Land gezeichnet wird. Allein die unglaubliche Begeisterung, vor allem der Jugendlichen und besonders der Mädchen, beim Auftauchen der Reisegruppe verblüffte. Das Wort "Germany" ermöglichte überall kurze Gespräche auf Englisch, die einzige Fremdsprache, die an Irans Schulen von Anfang an gelehrt wird.

Strenge Kleidervorschriften


Die Besichtigungstour im Bus durch das Land mit seiner jahrtausendealten Kulturgeschichte startete mit Reliefs und Inschriften in einem Felsmassiv bei Bisutun aus der Zeit der Achämeniden (559 bis 330 vor Christus), insbesondere den Darstellungen des Königs Darius. Sodann bestaunte die Gruppe die Felsenreliefs von Taq e Bostan. Immer wieder wird an verschiedenen religiösen Stätten in teils drastischen Darstellungen an das Schicksal der Imame wegen des Nachfolgestreits nach dem Tode des Propheten Mohammed erinnert. So in Kermanshah im Tekiyeh Maoven ol-Molk Komplex mit seinen farbigen Fliesenbildern.

Weiter ging die Fahrt nach Süden Richtung Ahvaz (1,4 Millionen Einwohner) zur Besichtigung des antiken Susas mit seiner Hochkultur. Beim Besuch einer Moschee wurden die Frauen der Gruppe mit zusätzlich strengen Kleidervorschriften konfrontiert: Generell ist ein Kopftuch zu tragen, das die Haare bedeckt, eine knöchellange Hose (oder Kleid) und eine bis zur halben Oberschenkellänge reichende lange Bluse oder Jacke; in der Moschee zusätzlich ein Tschador, der am Eingang gereicht wird. Mit diesen Vorschriften konnten sich einige bis zuletzt nicht anfreunden. Bei Herren sind lediglich kurze Hosen verpönt. Gewöhnungsbedürftig sind auch die sanitären Verhältnisse. An diesem Tag wurde auch der einzig erhaltene Zikkurat Persiens aus der elamischen Epoche (1340 vor Christus) besichtigt, eine fünfstufige Tempelanlage aus Millionen von luftgetrockneten Lehmziegeln.

Auf der Fahrt nach Schiras (1,5 Millionen Einwohner) gelangten die Oberpfälzer zu den Überresten der alten Königsstadt Bishapur und den Felsenreliefs in der Schlucht Tange Chogan. Zeitweilige Besuche während der ganzen Fahrt der im Iran so beliebten Teehäuser lockerten das straffe Programm auf, wie auch Streifzüge durch Basare aller Art. Ein Höhepunkt war zweifellos Persepolis. Die Repräsentationshauptstadt des damaligen achämenidischen Weltreichs - von Ägypten bis Pakistan - hat König Darius um 518 vor Christus gegründet. Allein die Terrasse von Persepolis erstreckt sich auf einer Fläche von 455 mal 300 Metern. Die sieben Meter hohen Stierfiguren, die Empfangshallen des Königs, die Steinreliefs in den Palästen des Darius und des Kronprinzen Xerxes lassen die Wirkung des Apadana-Audienzpalastes auf die damaligen Besucher erahnen.

Alexander der Plünderer


Alexander, bei uns der Große genannt, hat in Persien einen ganz anderen Ruf: als Plünderer und Brandschatzer, speziell in Persepolis (330 vor Christus). Die nächste und noch schlimmere Heimsuchung Persiens geschah durch den Arabersturm ab 640 nach Christus, wobei insbesondere die Gesichter der Statuen zerstört wurden. Mit der arabischen Eroberung ging die Islamisierung Persiens einher, die allerdings zum Richtungsstreit Sunniten-Schiiten führte. Aus dieser Zeit stammen noch die Gegensätze zwischen Persern und Arabern.

Die Rundreise in dem riesigen, faszinierenden Land führte durch wüstenhafte und gebirgige Gegenden, durch Hochebenen und fruchtbare Täler. Nächstes Ziel war Yazd (500 000 Einwohner), das als interessanteste Wüstengroßstadt Irans gilt. Stationen auf dem Weg dahin waren die altpersische Residenzstadt Pasargadae - in einem ehemals blühenden Landstrich - und das Grabmal des Kyros, ein Anlaufpunkt für jeden geschichtsbewussten Perser. Im Raum Yazd leben noch viele Anhänger der Glaubenslehre des Zarathustra, ein Beispiel für die relativ große Toleranz der iranischen Schiiten gegenüber Andersgläubigen, ein Grund auch für die innere Stabilität des Landes. Die Reisegruppe kletterte zu den Schweigetürmen hoch, wo bis in die 60er Jahre Geier von den unbekleideten Toten dieser Glaubensrichtung nur die Knochen übrig ließen. Bekannt ist die Stadt auch durch ihre Windtürme, die auf einfache Weise die Häuser kühl hielten.

Isfahan (2,1 Millionen Einwohner) gilt vielen als sehenswerteste Stadt Irans. Prächtige Moscheen mit kunstvollen Kachelarbeiten, der berühmte Imam-Platz mit der Imam-Moschee am Südende und der Lotfollah-Moschee mit der wundervollen Kuppel soll einer der schönsten Orte der Welt sein. Bestaunt wurde der Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Ali-Qapu-Palast. Berühmt sind auch die zahlreichen Brücken Isfahans. Der Besuch der Gartenanlage mit dem Chehel-Sotun-Palast gehört zum Pflichtprogramm. Die Kleidung der einheimischen Damenwelt wurde zunehmend abwechslungsreicher, und ein munteres Treiben der Jugendlichen, die extrem höflich zu den Gästen sind, bestimmte das Bild auf den öffentlichen Plätzen. Auch hier wird das Alkoholverbot strikt eingehalten.

Höhepunkt Teheran


Den Schlusspunkt bildete die 14-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Teheran, die bis an die Südhänge des Elburz-Gebirges reicht und nach Norden immer mehr ansteigt. Im Süden bestimmt das monumentale Grabmal des Imam Khomeini das Bild. Im Norden der Stadt macht der gigantische, 110 Hektar große Komplex der Saadabad Palastanlage des letzten Shahs augenscheinlich, wie abgehoben der Clan des Shah lebte. (Hintergrund)

Fast die Hälfte junge Menschen

Altenstadt/WN. (wo) Iran zählt 79 Millionen Einwohner, davon ist knapp die Hälfte unter 35 Jahre alt. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl verdoppelt. Flächenmäßig ist der Iran 4,5 mal größer als Deutschland. 55 Prozent der Fläche sind Wüste und Steppe, 20 Prozent Weideland, 12 Prozent Agrarland, 8 Prozent Wald. Iran hat gewaltige Erdöl- und Erdgasvorkommen, teilweise dreispurige Autobahnen und eine gute medizinische Versorgung. 89 Prozent der Iraner sind Schiiten, 9 Prozent Sunniten (hauptsächlich in kurdischen Gebieten), 0,2 Prozent Christen (insbesondere orthodoxe Armenier). Staatsoberhaupt ist der oberste religiöse Führer, zurzeit Ayatollah Ali Khamenei. Iran ist seit 1979 islamische Republik, Präsident Hassan Rohani

Für die Reise ist ein Visum erforderlich. Die Verpflegung in den Hotels ist gut. Reis und Kebab (Hammel, Rind und Geflügel) sind üblich. Es gibt alkoholfreies Bier, begehrt ist die Marke Bavaria, aber strikt keinen Alkohol. Kommunikation ist per SMS überall problemlos, Hotels verfügen über Wlan. Wenn eine Gefahr besteht, dann beim Überqueren der Straßen.

Im Blickpunkt

Betrüger beißt sich Zähne aus

Neustadt/WN. Helle Aufregung für eine 66-jährige Neustädterin: Ein seriös wirkender Mann meldete sich am Telefon, um ihr die erfreuliche Nachricht von einem beachtlichen Geldgewinn aus einem Preisausschreiben mitzuteilen. Noch am selben Tag wollte er mit sagenhaften 48 000 Euro bei ihr erscheinen. Er war aufgrund von Bedenken der "Gewinnerin" sogar mit dem Treffpunkt in einer Bank einverstanden.

Stutzig wurde die Dame, weil die Telefonnummer des Anrufers nicht auf ihrem Display erschien und außerdem zur Bedingung für die Übergabe gemacht wurde, vorher Amazon-Wertgutscheine für 1000 Euro zu beschaffen. Der Vorschlag, diese 1000 Euro doch einfach von dem Gewinn abzuziehen oder sie bei der Übergabe in bar zu überreichen, wurde abgelehnt. Der Anrufer wollte sich wegen Einzelheiten der Übergabe noch einmal melden.

Die 66-Jährige machte das einzig Richtige: Sie besprach sich mit Verwandten, die dann erst einmal den Rat eines Verbraucherschutz-Büros einholen wollten. Aber drei dieser Büros waren um 11 Uhr nicht besetzt, so dass man sich an die Kripo Weiden wandte. Die Beamten nahmen die Angelegenheit sehr ernst und rieten dazu, beim nächsten Anruf einen weiteren Kontakt abzulehnen. Eine seriöse Firma würde einen Gewinn - vor allem in dieser Höhe - in der Regel nur schriftlich mitteilen. Daher handle es sich mit 100prozentiger Wahrscheinlichkeit um Betrüger, die mit den anonym ausgestellten Wertgutscheinen über 1000 Euro verschwinden würden, ohne dass das Opfer auch nur einen einzigen Cent des vermeintlichen Gewinns zu Gesicht bekomme.

Die Tipps der Kripo wurden befolgt: Als sich der Anrufer erneut meldete, um noch am selben Nachmittag einen Übergabetermin zu vereinbaren, drohte ihm die Neustädterin drohte, bei einer weiteren Belästigung die Polizei einzuschalten. Damit gab er sich aber noch nicht geschlagen und bot an, mit einem der Verwandten zu sprechen. Dies lehnte die Frau jedoch ebenfalls ab. So wird der Betrüger wohl versuchen, andere hereinzulegen.

Zukunftsfrohes Land mit viel europäischem LebensgefühlJosef Wein (Kallmünz): Während der Reise musste ich meine Vorstellungen von Land und Leuten korrigieren. Iran ist kein düsterer Ort, sondern ein zukunftsfrohes Land mit überraschend viel europäischem Lebensgefühl. Mir wurde bewusst, die Wurzeln unserer Kultur und nicht zuletzt des Christentums liegen auch hier. Ich hoffe, der Iran wird bald wieder ein ganz freies Land. Die wunderbaren Menschen dort haben es verdient.

Dr. Gabriele Hagemann (Altenstadt): Beim Besuch der wunderbaren Ausgrabungen in Persepolis umringte mich eine Gruppe Schülerinnen, die recht gut englisch sprachen. Sie wollten meine Meinung zu der Kopfbedeckung hören, die sie tragen müssen. Ihre eigene Ansicht äußerten die Mädchen unverblümt: "We don't like it. It's very bad." Dies zeigte mir unmissverständlich, dass sich die iranische Jugend im Aufbruch befindet.

Simon Wittmann (Tännesberg): Wir erlebten eine reiche Geschichte, schöne Städte, faszinierende Landschaften und gastfreundliche Menschen und spürten, dass sich vor allem die jungen Menschen im Aufbruch befinden. Ihre großen Hoffnungen ruhen auf Präsident Rohani und dem neugewählten Parlament. Dies zeigte sich nicht nur in einer mutigen Interpretation der Kleidervorschriften, sondern auch in der Offenheit für Fremdes und dem großen Interesse am Funktionieren einer Demokratie.

Wir erlebten viele junge, gebildete Leute, die über das aktuelle Geschehen in Deutschland und Europa gut informiert sind. Viele haben aber auch Angst, dass sich die Konservativen diese Öffnung nicht gefallen lassen und das Rad zurückgedreht wird. Ich hoffe nicht.

Barbara Feneis (Altenstadt): Diese Aufgeschlossenheit der Jugendlichen, diese Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft habe ich noch nirgends erlebt. Das war für mich beeindruckend. Ich habe mich in Irans Städten sicherer gefühlt als in mancher Großstadt bei uns.
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