Schwarzwild-Experte Norbert Happ referiert beim Kreisverband der Jäger
„Wildschweinpapst“ rät: „Jungtiere abschießen“

Norbert Happ hatte für zahlreiche Jäger und Landwirte aus der Region wertvolle Tipps parat. Bild: bey

Revierübergreifende Bejagungen und der überwiegende Abschuss junger Wildschweine - das ist nach Meinung des Experten Norbert Happ ein guter Weg, der zunehmenden Schwarzkittelbestände Herr zu werden. Ein Patentrezept hatte er aber auch nicht parat, weil die Örtlichkeiten der Jagd eine wichtige Rolle spielen.

Happ, ehemaliger Förster und anerkannter Schwarzwild-Fachmann, referierte beim Jagdschutz- und Jägerverband Weiden-Neustadt in der Gaststätte "D'Wirtschaft". Michael Schiffer, Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesjagdverbandes, freute sich über den besuch vieler Jäger sowie von Vertretern der Jagdgenossenschaften, Forstdirektor Stefan Bösl, BBV-Kreisobmann Josef Fütterer und Dominik Baschnagel als Vertreter des Landrats.

Happ bezeichnete sich als "Praktiker ohne wissenschaftliche Vorbildung", jedoch als Vermittler zwischen Wissenschaft und Praxis. "Ich will, dass die Ergebnisse der Wissenschaft beim Jäger ankommen und andererseits deren Beobachtungen von der Wissenschaft aufgenommen werden." Grundsätzlich gebe es bei der Schwarzwild-Bejagung kein Patentrezept, weil die einzelnen Tiere in ihrem Wesen unterschiedlich seien.

"Das Schwarzwild hatte vor Jahrzehnten in der Bundesrepublik fast exotischen Charakter." So hätten in den 50er Jahren Kinder schulfrei bekommen, um eine geschossene Wildsau bewundern zu können. Momentan beträgt die Zahl der jährlich in Deutschland erlegten Wildschweine etwa 500 000. "Die Sauen werden bisher gnadenlos verfolgt, weil der Bauer die Ernte in der Scheune sehen und nicht als Wildschaden ersetzt bekommen will." Mit dem starken Eingriff bei erwachsenen Tieren seien die Bestände reduziert worden.

Mit einem historischen Abstecher wies der Referent Vorwürfe an die Jäger zurück, sie hätten zur Ausrottung von Luchs, Wolf, Wisent und Bär beigetragen. Die Gesellschaft habe die Bejagung gefordert, die Jägerschaft habe die Forderung umgesetzt. "Jagd ist das einzige Hobby mit Gesetzesauftrag." Umgekehrt hielt Happ den Jägern vor, Umweltveränderungen noch nicht richtig wahrgenommen zu haben. Dazu komme das Schwarzwild-Problem. "Haben Sie noch keines, Sie kriegen eins." Dieses Problem müsse "auseinandergedröselt" werden. Dazu gehöre auch der Landverlust durch Überbauung. "Obwohl die freie Fläche immer geringer wird, erhöht sich der Schwarzwildbestand." Zurzeit werden laut Happ allein in Nordrhein-Westfalen jährlich zwischen 30 000 und 35 000 Tiere erlegt. Heutzutage sei für die Wildschweine das Futter zu jeder Jahreszeit verfügbar. Dazu käme Laubholz wie Eichen und Buchen, deren Früchte als "jährliche Mast" zur Verfügung ständen. Eine klare Meinung hat der Experte zu Wildschäden: "Was das Wild tut, ist eine natürliche Lebensäußerung, die erst dann zum Schaden wird, wenn wirtschaftliche oder existenzielle Belange des Menschen betroffen sind."

Die Hegepflicht bedeute, man müsse den Schwarzwildbestand so regulieren, dass ein vertretbares und artgerechtes Niveau erreicht wird. Um dies umzusetzen, müsse man die Lebensweise des Schwarzwildes kennen. Ein Familienverband stehe unter der Führung der stärksten Bache, der sogenannten Leitbache. Sie synchronisiere den Zeitpunkt, zu dem die Bachen der Rotte ihren Nachwuchs setzen, und sie führe zu den Äsungsflächen. Die Rotte meide ein Feld, auf dem einer ihrer Frischlinge erlegt worden ist. "Deshalb soll nicht auf die dickste Sau geschossen werden." Happ plädierte für gemeinsame Bejagungen mehrerer Jagdreviere. "Sie allein können nichts bewirken." Wichtig sei, das Schwarzwild im Jugendalter zu erlegen. Mit einfachen Regeln zwischen den Revieren lasse sich dieses Ziel erreichen.
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