Verena Lingl führt ihre eigene Hundetagesstätte - Suche nach neuer Bleibe
Die Hundesitterin

Verena Lingl hat es nie bereut, sich mit der Hundetagesstätte selbstständig zu machen. Jeden Tag betreut sie bis zu 15 Hunde. Bilder: szl (2)

Jack Russel, Mops, Dalmatiner, Labrador oder Terrier - bei Verena Lingl in der Hundetagesstätte "Dog Care" tummeln sich so einige Vierbeiner. Das Konzept ist einfach: Während die Besitzer in der Arbeit sind oder auch mal für mehrere Tage in Urlaub fahren, gibt Lingl als Hundebetreuerin auf die Vierbeiner acht.

In Nürnberg, Regensburg oder München ist dieses Konzept gang und gäbe. Verena Lingl hat sich in Sauernlohe, direkt an der B 22, mit ihrer Idee selbstständig gemacht. Seit drei Jahren funktioniert ihr Geschäft. 2015 hat die gelernte Zahntechnikerin sogar vergrößert. Im Altenstädter Industriegebiet gab es mit rund 1000 Quadratmetern nicht genügend Platz. Lingl ist umgezogen und auf dem ehemaligen Garten-Punzmann-Gelände mit 3000 Quadratmetern gelandet. Dort betreut sie jeden Tag bis zu 15 Hunde. Einschließlich ihrer eigenen Jack-Russell-Hündin Cookie, die sie seit vier Jahren hat. "Sie ist immer Mitarbeiterin des Monats", grinst Lingl.

Angefangen hat es auf dem Bauernhof der Oma: Die Weidenerin wächst mit vielen Tieren auf. Seit sie zwölf ist, geht sie mit Hunden Bekannter Gassi. Nach der Schule macht Lingl eine Ausbildung zur Zahntechnikerin. Die Idee, ihr Hobby zum Beruf zu machen, reift immer mehr. Mit 23 Jahren hat sie schon viele Erfahrungen gesammelt und stellt sich schließlich auf eigene Beine.

"Ich bin selbst überrascht, dass es so toll funktioniert hat. Am Anfang dachten alle ich spinne", lacht die 26-Jährige. Zunächst hat sich die junge Frau den Nachmittag von der Arbeit in der Zahnarztpraxis freigenommen, um mit Hunden spazieren zu gehen. Die Nachfrage nach einer Tagesbetreuung war allerdings größer: "Eigentlich war es anders geplant", verrät Lingl. Nach einem Tag in der Praxis sollte ein kompletter Tag für die Hunde folgen. "Zu meinem Chef habe ich nach kurzer Zeit gesagt: Ich glaube, ich komme nicht wieder." Der zweifache Hundebesitzer ermöglichte der Mitarbeiterin die Chance. Sie hängte ihren Job an den Nagel und suchte einen geeigneten Platz für die Hundetagesstätte (Huta).

Für die Erlaubnis, die Tagesstätte zu betreiben, brauchte Lingl einzig eine Sachkundeprüfung des Veterinäramts. Dabei waren nur eine Prüfung des Geländes und ihr Umgang mit den Tieren nötig. "Ich hatte auch viel Glück", gesteht Lingl. Viele bekannte Hundebesitzer haben sie unterstützt und die richtigen Kontakte hergestellt.

Der Unterschied zu Hundepensionen liegt in der Bindung zu den Kunden. Sie möchte die Vierbeiner nicht nur einmalig für die Ferienzeit bei sich haben, sondern eine langfristige Zusammenarbeit aufbauen. Mindestens zweimal die Woche kommen die Hunde zu der sportlichen Blondine in die Tagesstätte. Die Regelmäßigkeit ist der 26-Jährigen deshalb so wichtig, weil es die Grundlage für ihre Arbeit ist. "Ich möchte eine intensive Bindung zu den Hunden. Das ist gut für sie und macht meinen Alltag mit bis zu 15 Vierbeinern stressfreier." Auch die Fellnasen müssen sich an ihre Betreuerin gewöhnen und auf sie hören. Mit den Hundehaltern versteht sich Lingl sehr gut. Das ist ein Muss: "Die Besitzer geben ihre Lieblinge bei mir ab. Ihr Vertrauen ist mir wichtig."

Auch über Nacht


Lingl kennt ihre Pappenheimer. Die einen sind aufgedrehte Wasserratten, Unruhestifter oder faule Schlafmützen und gemütliche Stubenhocker. Manche brauchen eine Beschäftigung für den Kopf. Andere Rassen wollen bespaßt werden, brauchen Auslauf oder spielen lieber auf Reifen, Wippen oder Brücken. "Die Hunde haben ihre Ordnung im Rudel", weiß Lingl. Diese Rangordnung kommt nur zustande, wenn die Vierbeiner mehrmals die Woche die Huta besuchen. Und wenn der Besitzer im Urlaub ist, bleiben die Hunde über Nacht. "Ich behandle jeden, als wäre es mein eigener." Denn für die Besitzer ist der Hund ihr "Baby" und ein fester Bestandteil der Familie. Viele Vierbeiner betreut Lingl schon von Anfang an.

Unterstützung der Familie


Egal bei welchem Wetter, auch bei Regen und Schnee ist die Mittzwanzigerin mit den Hunden draußen. Auch wenn sie viel Verantwortung hat und selbstständig auf dem großen Areal arbeitet, macht Lingl die Betreuung Spaß. Sie hat Hunde im Alter von 10 Wochen bis 13 Jahren um sich und ist nicht allein. Von Zeit zu Zeit schauen auch ihre Schwester und ihrere Mutter vorbei, um sie zu unterstützten. Auch ihr Freund hat viel Bezug zu Vierbeinern, er ist Ausbilder des Diensthundewesens bei der Bundeswehr.

Zweimal im Jahr nimmt sich Lingl eine Auszeit: An Weihnachten und im Sommer hält sich die Hundebetreuerin zwei Wochen frei. In den eigenen Urlaub darf nur Cookie mit. Dann geht es beispielsweise nach Österreich oder in die Toskana. Auf Flugreisen bleibt auch der eigene Hund zu Hause.

Auf dem großzügigen Areal der Sauernlohe hat sie sich mit einem Trailer eingerichtet. Ausgestattet mit Küche, Toilette und ausreichend Platz für alle Hunde. So kann Lingl gemeinsam mit den Vierbeinern auch mal Pause machen. "Lukrativ ist das, was ich mache, nicht", gesteht Lingl. Täglich ist sie für ihre Leidenschaft zwölf Stunden auf den Beinen. "Mehr Ruhe hätte ich in der Zahnarztpraxis." Zufriedener ist sie aber, wenn sie Hunde um sich hat. Sie steckt viel Herzblut in die Tagesstätte.

Laut Gemeinde Altenstadt kann sie hier aber nicht bleiben. In der Sauernlohe gibt es keine gesicherte Erschließung mit Wasser und Abwasser. Es bestehen Altlasten auf der Fläche, und in einem Außenbereich wie der Sauernlohe werden keine Baugenehmigungen erteilt. Mit dem Platz für die Huta steht und fällt Lingls Job. "Ich möchte endlich ankommen. Ich denke darüber nach, etwas zu kaufen."

Dog CareVerena Lingl bietet den Service der Hundetagesstätte (Huta) von Montag bis Donnerstag von 7 bis 17 Uhr an. Am Freitag hat die HuTa von 7 bis 14.30 Uhr geöffnet.

Derzeit sind noch zwei Plätze bei Dog Care frei. Die Besitzer sollten eine Hundehalterhaftplichtversicherung haben. Außerdem muss der Impfpass des Hundes vorliegen, ebenso darf er keine Krankheiten haben. Für die Tageskarte berechnet Lingl 20 Euro, für eine Zehnerkarte 180 Euro. Eine Monatspauschale kostet 300 Euro. Um Futter und Liegeplätze kümmert sich Lingl.
Ruhiger wäre es in der Zahnarztpraxis.Verena Lingl
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