Willem-Alexander bedankt sich für Recherche
Post vom König

Gruß nach Altenstadt! Der niederländische König Willem-Alexander ließ ein Dankschreiben an den Förderverein Goldene Straße in Altenstadt schicken. Bild: dpa

April 2016: Der niederländische König Willem-Alexander ist mit Königin Máxima zu Gast in Nürnberg. Beim Besuch der Ausstellung zum 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. will der König wissen, ob es sich dabei eventuell um einen seiner Vorfahren handelt. Eine Recherche-Aufgabe wie gemacht für den Förderverein Goldene Straße.

Post aus dem königlichen Palast Huis ten Bosch in Den Haag erhielt der Förderverein Goldenen Straße. Im Namen seiner Majestät, Willem-Alexander, König der Niederlande, und seiner Ehefrau Máxima dankte sein Privatsekretär für die übersandten Informationen zu den Beziehungen des Hauses Oranje zu Böhmen.

Grund war eine Anfrage des Königs bei seinem Besuch im Frühjahr in Nürnberg. Zum Jubiläum von Karl IV. fragte er nach, ob er eventuell mit ihm vielleicht verwandt sei. Dr. Christa Standecker von der Metropolregion Nürnberg leitete die Anfrage an den Förderverein in Altenstadt weiter. Vorsitzender Rainer Christoph forschte nach und stellte fest: "Zu den böhmischen Königen aus dem Hause Luxemburg gibt es keine Verbindungen."

Asyl in den Niederlanden


Wohl aber gibt es eine Verbindung zum Haus Oranje-Nassau über das böhmische Geschlecht der Premysliden. Wenzel II., König von Böhmen (1278-1305), verheiratet mit Jutta von Habsburg hatte mit seiner ersten Frau elf Kinder. Darunter seinen Nachfolger Wenzel III. (1289-1306), seine Tochter Elisabeth, sie heiratete 1310 Johann Graf von Luxemburg (Eltern von Karl IV.) und Tochter Agnes, die 1296 mit Ruprecht VI., Graf von Nassau, verheiratet wurde. Dieser unterstützte seinen Schwiegervater, Wenzel II., gegen dessen Widersacher König Albrecht. Ruprecht ist begraben in Prag, die Ehe blieb kinderlos und Agnes starb bereits in jungen Jahren.

Offen war das Niederländische Königshaus für zwei berühmte Asylsuchende. Zum einen für Friedrich V., der Winterkönig, geboren in Amberg, und für den großen Pädagogen und Begründer der Böhmischen Brüdergemeinde, Jan Amos Comenius.

Nach der Schlacht am Weißen Berg 1616 in Prag verlor Friedrich nicht nur das Königreich Böhmen. Durch die Verhängung der Reichsacht auch sein Herrschaftsgebiet, die Pfalz, und seine Kurwürde. Er flüchtete mit seiner Familie in Richtung Nordosten über Niederschlesien, Berlin, Brandenburg und begab sich im März 1621 ins niederländische Exil. Dort starb er am 29. November 1632 an einem heftigen Fieber, offensichtlich Folgen der Pest. Die letzte Ruhestätte des verachteten Heimatlosen ist unbekannt. Seine Gattin, die schöne Elisabeth, lebte längere Zeit unter unverhältnismäßigen Bedingungen in Holland. 1661 ging sie zurück nach England und starb dort, angeblich hochverschuldet, im Jahre 1662.

Der tschechische Theologe, Philosoph und Pädagoge Jan Amos Komensky (Comenius) war überzeugt von der menschlichen Bildungsfähigkeit und der grenzenlosen Fassungskraft des Geistes. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges erlitt er viele Schicksalsschläge. Er musste aus Böhmen flüchten. Über mehrere Stationen verlor er 1655 seine gesamte Habe im polnisch-schwedischen Krieg. Die von ihm gegründete Brüdergemeinde löste sich auf und Comenius floh nach Amsterdam. Dort stirbt der Geisteswissenschaftler am 15. November 1670.

Tulpen aus Amsterdam


Am Ende erfuhr König Willem, dass die mit Holland verbundenen Tulpen eigentlich aus Prag stammen. Ferdinand I. ließ in den heutigen Prager Gärten exotische Pflanzen anbauen. Darunter auch die ersten Tulpen in Böhmen. Der Legende nach wurden sie von den tschechischen Gärtnern fleißig und sorgfältig veredelt, bis es ihnen schließlich sogar gelang, die schwarze Tulpe zu züchten. Erst später, so wird in Prag erzählt, sei diese Rarität nach Holland ausgeführt worden. Ogier Ghislain de Busbecq, ein Gesandter von Kaiser Ferdinand I. am Hofe des türkischen Sultans in Konstantinopel, brachte die Gartentulpe im 16. Jahrhundert nach Prag und Wien. Er nannte die Pflanze "Tulipan", woraus später "Tulpe" wurde. Obwohl die Pflanzen nicht dufteten, erregten sie durch ihre Farbenpracht allgemeines Aufsehen.
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