Informationsabend der SPD zu Tarifkonflikten mit Gewerkschaftsvertretern
Von Sekten, Knausern und Kämpfern

Auf Einladung von Konrad Merk (Zweiter von links) kamen Karlheinz Winter, Rudi Enzmann und Harald Hammer(von links), zu einem Infoabend. Bild: adj
Nur ein guter Organisationsgrad führt auch zu zufriedenstellenden Ergebnissen bei Tarifkonflikten. Darüber waren sich in der "Wirtschaft" Gewerkschaftsvertreter beim Informationsabend der SPD zu aktuellen Tarifkonflikten einig.

Karlheinz Winter von Verdi prangerte an, dass Erzieher nicht die Wertschätzung in der Gesellschaft genießen, die ihnen gebührt. Ob in Kitas, Altenheimen, Krankenhäusern oder bei der Sozialarbeit - es steige die Lohnungleichheit, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeige.

42 Streiktage

Die Arbeit am Menschen müsse aufgewertet werden. Das bereffe 730 000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst sowie bei kirchlichen und privaten Arbeitgebern. Nach sechs ergebnislosen Verhandlungsrunden und vielen Streiktagen kam es zur Schlichtung. Das Ergebnis seien kleine Verbesserungen in der Einstufung und eine Erhöhung von rund 25 Euro monatlich. "Enttäuschend", meinte Winter. Wie der Konflikt weiter gehe, werden die Beschäftigten und die Tarifkommission entscheiden.

Betriebsrat Rudi Enzmann berichtete von 42 Streiktagen an denen bis zu 32 000 Beschäftigte der Deutschen Post im Ausstand waren. Der Arbeitskampf wurde mit harten Bandagen ausgetragen. In einer siebten Verhandlungsrunde sei es dann zu einem Ergebnis gekommen, "mit dem man leben kann". Vor allem die Sicherungen für die vorhandenen Beschäftigten könnten sich sehen lassen. Das Hauptziel, die Verhinderung von Lohndumping auf dem Rücken der Beschäftigten, hätten die Verhandler dagegen verfehlt, bedauerte Enzmann. Die 49 schwächer bezahlten Regionalgesellschaften im Paketdienst blieben Realität. Enzmann: "In einem Unternehmen, in dem im Jahr rund 3,5 Milliarden Gewinn anfallen, ist es unverständlich, weiteren Gewinn auf dem Rücken der Arbeitnehmer erzielen zu wollen."

Harald Hammer, der Geschäftsstellenleiter der Eisenbahnergewerkschaft EVG in Regensburg, stellte heraus, dass die Tarifauseinandersetzungen bei der Bahn vor allem von der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) geprägt sei. "Für mich ist die GDL eine Sekte und keine Gewerkschaft", ging er mit der Konkurrenz hart ins Gericht. " Sie hat aus meiner Sicht keine demokratischen Strukturen."

Guter Abschluss

Die GDL fordere für alle Berufsgruppen eigene Tarifverträge. Unverständlich ist für Hammer auch das Verhalten der Bahn AG. "Die verfällt schon in Panik, wenn die GDL nur zuckt." Doch 85 Prozent der Beschäftigten bei der Bahn seien bei der EVG organisiert. Die Einschränkungen für die Bahnreisenden durch den Notfallplan des Arbeitgebers hätten nicht so groß sein müssen.

In einem Einmaltarifvertrag (510 Euro Einmalzahlung) habe sich die GDL den Streik abkaufen lassen. Auch ein Streik durch die EVG stand im Raum. Nach fünf Verhandlungsrunden habe man aber einen guten Abschluss erzielt. 1100 Euro Einmalzahlung für elf Monate und Lohnsteigerungen über 5,1 Prozent in zwei Stufen, seien ordentlich. Durch die Schlichtung wurde dieser Tarifabschluss wortgleich für die Mitglieder der GDL übernommen. "Da sieht man, wie wenig der Streik der GDL in Wirklichkeit gebracht hat."

Winter ging noch kurz auf die Mittagspausenaktionen an den deutschen Kliniken ein. Hier stehe vor allem die mangelnde Personaldeckung im Mittelpunkt. "Es ist eine Auseinandersetzung, in der es nicht nur ums Geld geht. Die Unterbesetzung und die damit verbundene schlechtere Versorgung der Menschen sollen verbessert werden." Das Beispiel der Charité in Berlin werde hoffentlich ein Beispiel für weitere Verbesserungen an anderen Kliniken sein.
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