Viel schmieren, wenig braten

So gut sie tut: In den Strahlen der Sonne steckt nicht nur Wonne. Experten geben Tipps zum richtigen Sonnenbaden ohne Reue - mit Maß und den richtigen Cremes.

Die Oberpfalz genießt den Sommer in vollen Zügen. Aber natürlich hat sich in Zeiten des Ozon-Lochs längst rumgesprochen: Zu viel Sonne schadet. Jürgen Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) in Berlin führt die erhöhte Hautkrebsrate auf den bei manchen ungebrochenen Trend zu brauner Haut zurück: "Jetzt ernten wir die Früchte der 50er Jahre, in der sportlich gebräunte Körper Mode waren." Um Hautschäden zu vermeiden, hilft nur das Meiden der Sonne - und Sonnencreme, aber nur richtig angewendet.

Ein Teelöffel fürs Gesicht

Zunächst einmal solle man generell auf einen hohen Lichtschutzfaktor achten, empfiehlt Hautarzt Dr. Franz Wach aus Altenstadt. Die Eigenschutzzeit der Haut ohne Sonnenschutz liege bei Mitteleuropäern zwischen 5 und 20 Minuten, sagt Wach. Ein Lichtschutzfaktor gibt an, um wie viel Mal die Sonnencreme die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. So kann eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 25 einen Menschen mit zehn Minuten Eigenschutzzeit etwa 250 Minuten, also mehr als vier Stunden schützen. Doch diese Rechnung geht nicht auf, denn dafür braucht man sehr, sehr viel Creme. Der Bund deutscher Dermatologen rät zu sechs Teelöffeln für den ganzen Körper, allein einen Teelöffel für das Gesicht. Verwendete man nur die Hälfte der empfohlenen Menge, sinke der Lichtschutzfaktor (LSF) exponentiell, rechnet der Hautarzt vor. "Ein Sonnenschutz mit LSF 25 verringert sich so auf LSF 5."

Außerdem sei die Sonnenstrahlung in Äquatornähe, in den Bergen und zur Mittagszeit ungleich höher. Auch für Kinder gelten andere Werte. Für sie ist Sonnenbaden in den ersten beiden Lebensjahren tabu. Auch später sollte man auf einen hohen Sonnenschutzfaktor zurückgreifen und die Mittagssonne meiden.

Achten auf UVA, UVB, LSF

Neben dem Lichtschutzfaktor ist vor allem der UVA- und UVB-Schutz auf der Verpackung zu beachten. Während die UVB-Strahlen an der Hautoberfläche bleiben und zu Sonnenbrand führen, dringen UVA-Strahlen tiefer, lassen die Haut altern und wirken zellschädigender. Eine Studie von Stiftung Warentest hat gezeigt, dass viele Cremes keinen ausreichenden UVA-Schutz enthalten. Dieser sollte auf der Verpackung am besten ein Drittel des angegebenen LSF betragen. Auch die viel gepriesenen Aerosol-Sprays seien laut Stiftung Warentest mit Misstrauen zu betrachten, da Kinder die Mittel einatmen könnten.

Konsultiert man einschlägige Internetforen, so kann man schnell in Panik ausbrechen: Die Gefahren der in den gängigen Mitteln verwendeten Chemikalien werden hier in schillerndsten Farben geschildert. Als Alternative empfehlen die Sonnenmilch-Kritiker Wolfsmilch und Pflanzenöle. "Wir betrachten mit wachsender Sorge, dass zur Zeit einiger Schwachsinn im Umlauf ist", urteilt der Experte vom Bundesamt für Risikoforschung. Alle in deutschen Produkten enthaltenen Chemikalien seien toxikologisch geprüft und als sicher einzustufen.

Wer trotzdem auf chemische Partikel teilweise oder ganz verzichten will, steigt auf mineralische Sonnencreme um. Dieser meist in Bio-Produkten enthaltene Schutz nutzt Nanopartikel. Wie Milliarden kleiner Spiegel legen sie sich auf die Haut und reflektieren die UV-Strahlen, die so nicht in die Haut dringen können. Doch auch dagegen gibt es Vorbehalte. Thier-Kundke hält sie - wie bei chemischen Filtern - für unbedenklich bei gesunder Haut. "Das ist eine Glaubensfrage", sieht Wach den mineralischen und den chemischen Sonnenschutz auf Augenhöhe. Wer allergisch auf Chemie reagiere, solle es mit der Alternative versuchen. Bei längerem Aufenthalt im Freien rät er dazu, sich wiederholt und großzügig eincremen. Doch mehr Schmieren heißt nicht automatisch den Schutz zu verlängern - man erneuert nur, was der Schweiß wegspült. Der Lichtschutzfaktor verlängert sich dadurch nicht.

Sonnen mit Köpfchen

Mehr Information ist hier also nicht unbedingt hilfreich für eine Kaufentscheidung. Der Altenstädter Hautarzt gibt da den gleichen Rat, den auch die patente Mutter mit auf den Weg gibt: "Zwischen elf und drei ist sonnenfrei." Sonnenbaden sollte man eben nur mit Köpfchen und zwar einem bedeckten. Dazu empfiehlt der Experte leichte und weite Kleidung. In diesen Tagen ist die Schattenseite die gesündere Alternative.
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