Christen und Juden appellieren an den Zusammenhalt der Religionen
Warnung vor Schuldzuweisung

(mte/we/san/paa) Angesichts der Terrorattacken warnen Christen und Juden in der Oberpfalz davor, Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Sie werben für ein gemeinsames Eintreten für Frieden. So hält es der evangelische Dekan in Weiden Wenrich Slenczka für falsch, eine bestimmte Religion in Haftung für diese Tat der Männer in Paris zu nehmen. "Ich halte das für so unreligiös wie die Muslime auch." Den Glauben zu instrumentalisieren, das gebe es in allen Religionen.

"Unser aller Aufgabe, also die einer jeden Religionsgemeinschaft, sehe ich darin, immer wieder friedlich auf die Menschen einzuwirken", sagt Slenczka. Das Verhältnis zu den Muslimen in Weiden befindet er für gut. Sein katholischer Kollege, Stadtdekan Johannes Lukas, schließt sich dieser Meinung an. "Das in Paris ist eine Tat von Extremisten. Wer den Glauben ins Extremistische verkehrt, vergewaltigt ihn." Doch auch die Gegner der Extremisten müssten sich mäßigen. "Ansonsten setzt das eine Gewaltspirale in Gang, ähnlich der vom 11. September", fürchtet Lukas.

Gemeinsamer Kampf

Markus Schmid, Pfarrer von St. Josef in Weiden fordert, das Christen und Muslime gemeinsam gegen Gewalt und Terrorismus kämpfen sollen. Mit Blick auf die jüngsten Übergriffe gegen Juden in Frankreich fügt er hinzu: "Wir müssen unsere jüdischen Brüder mit ins Boot holen." Der 42-jährige Seelsorger betont: "Extremisten gab und gibt es in allen Religionen. Sie stehen nicht für die Religion selber." Wer sich ernsthaft mit dem Islam auseinandersetze, wisse, dass dieser ebenso wie die christliche eine Religion des Friedens sei. Wer seine christlichen Wurzeln kenne, brauche auch keine Angst vor anderen Religionen haben, "und schon gar nicht aus Angst um sich zu schlagen", sagt Schmid.

Der evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss aus Regensburg sieht das Verhältnis zu den Muslimen in der Oberpfalz nicht belastet. Es gebe "ein gewisses islamistisches Milieu", mit dem die Muslime selbst ihre Probleme hätten, meint der 57-Jährige. Aber die Geschichte zeige, dass "die christliche Kirche gewiss keinen Grund hat, mit dem Finger auf andere zu zeigen". Weiss äußert sich fassungslos über die Brutalität des Anschlags von Paris: "Es ist schlimm, dass so ein Gewaltklima möglich ist." Der Rechtsstaat müsse alle Möglichkeiten ausschöpfen, um solche Attentate zu verhindern und verfolgen. Weiss wird in seiner Predigt am Sonntag in Hemau (Kreis Regensburg) auf jeden Fall auf das Thema eingehen.

Fremdenhass verhindern

Sehr schockiert über den Anschlag von Paris ist auch Rabbiner Elias Dray. Er betont, dass die israelitische Kultusgemeinde Amberg ein gutes Verhältnis zu den anderen Religionsgemeinschaften pflege. Er befürchtet, dass nach dem Blutbad die Muslime unter Generalverdacht geraten und dies nur noch zu mehr Fremdenhass führen werde. Beides dürfe nicht geschehen, müsse unbedingt verhindert werden. "Wichtig ist jetzt, dass die Gesellschaft zusammenhält", lautet deshalb sein Appell.

In seinen Augen wäre es wichtig, dass alle Religionen noch mehr daran arbeiten, Vorurteile abzubauen, gegenseitiges Verständnis aufzubauen und Radikalisierungen zu verhindern. Dray spricht sich klar für mehr Integrationsarbeit aus, die an Schulen beginnen müsse.
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