Geld nur gegen Kredit

Das erinnert an Dagobert Duck: 500 Millionen Euro sollen in einem Geldspeicher lagern, doch um an die Kohle zu kommen, müssen angeblich Gebühren bezahlt werden. Für diesen Zweck geben Leute gutgläubig hohe Darlehen, erwarten dafür hohe Zinsen und werden ihr Vermögen los.

Zweiter Prozesstag gegen einen 54-jährigen Finanzmakler vor dem Amberger Landgericht. Die von der Verteidigung abgelehnten Berufsrichter sind wieder im Amt, ein Antrag der Verteidigung wurde als unbegründet zurückgewiesen.

"Aber nicht jetzt"

Doch sofort folgten neue Begehren des Bremer Anwalts Hans Meyer-Mews: Verweisung des Verfahrens an eine Wirtschaftsstrafkammer? Das Gericht lehnte ab. Einstellung der gesamten Strafsache wegen vermeintlicher Ungereimtheiten in der Anklageschrift? Auch das wies die Erste Strafkammer zurück. Nächster Antrag: Unverzügliche Haftprüfung. Das unterblieb. "Machen wir, aber nicht jetzt", sagte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber. Daraufhin lehnte Verteidiger Meyer-Mews die Richter erneut ab. Doch auch darüber soll erst im weiteren Prozessverlauf entschieden werden. Von wem aber? Der Anwalt hielt auch die zuständige Ablehnungskammer beim Landgericht für befangen.

Zuvor schon hatte Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl aus Weiden die Anklageschrift verlesen. In 17 einzelnen Fällen sollen von dem Amberger Makler Darlehen angeworben worden sein. Die Kunden zahlten insgesamt vier Millionen Euro und hofften auf unglaublich hohe Renditen. Sie erfuhren: Da gebe es ein Konto mit 500 Millionen Euro, das nur unter Zahlung von Gebühren freigegeben werde. Für sie seien die Darlehen gedacht. Später gab es weder Rückzahlungen noch Zinsen. "Vielleicht wird's ja doch noch", hörte die Strafkammer von einem Zeugen.

Im Hintergrund steht der heuer in Weiden zu elf Jahren Haft verurteilte "Mallorca-Betrüger" Wolfgang S. (68). Zu ihm unterhielt der Amberger Finanzmakler langjährige Geschäftsbeziehungen, in seinem Auftrag suchte er wohl auch nach Darlehensgebern. Nun stellt sich die Frage: Hat der 54-Jährige persönlichen Nutzen aus den Transaktionen gezogen? Er selbst mag, wie Anwalt Meyer-Mews für ihn argumentierte, "vor befangenen Richtern keine Angaben machen". In der Anklageschrift steht allerdings, dass Wolfgang S. dem Makler seit Jahren knapp 500 000 Euro Provision schuldete.

Die ersten Geschädigten sind vernommen. Einer gab 64 000 Euro, der andere knapp 200 000 mit einer Rendite von weiteren 100 000 Euro. Von ihren Darlehen werden sie wohl nie mehr auch nur einen Cent sehen.

Nie erreichbar

Gleichwohl: "Ich habe dem Mann vertraut", sagte ein Geldgeber aus München. Der andere, aus dem Schwäbischen angereist, beklagte: "Immer, wenn ich wegen der Rückzahlung angerufen habe, war einer in Urlaub oder es hat sonst irgendeinen Hinderungsgrund gegeben." Interessant ist auch: Die Geldtransfers wurden über Banken in Hongkong, Manila, Dubai und in der Schweiz abgewickelt. Warum das so war, wird womöglich im Verlauf der kommenden 13 Prozesstage beantwortet.
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.