Krankenhäuser schreiben rote Zahlen: Auch Standorte in der Region im Negativtrend
Kliniken als Dauerpatienten

Amberg in der Oberpfalz
23.11.2013
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Dramatisch klingen die Zahlen, die das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) vorgelegt hat: 2012 ist jedes zweite deutsche Krankenhaus in die roten Zahlen gerutscht. Besonders gefährdet sind kleine Häuser mit weniger als 300 Betten. Ein Negativtrend, der auch vor der Region nicht Halt macht.

In fast 60 Prozent der Fälle sei das Geschäftsergebnis der Kliniken schlechter gewesen als im Vorjahr, heißt es im Krankenhaus-Barometer des DKI. Nur noch 13 Prozent der Einrichtungen schätzten ihre Lage als gut ein. Bei den Häusern mit weniger als 300 Betten gaben 57 Prozent mehr Geld aus als sie einnahmen, nur 37 Prozent konnten einen Überschuss erwirtschaften. Doch auch große Kliniken mit mehr als 600 Betten schrieben zu 51 Prozent rote Zahlen. Nur bei den Krankenhäusern mittlerer Größe kehrt sich das Verhältnis um: Hier erzielten 55 Prozent mehr Gewinne als Verluste (38 Prozent).

Angebote ausbauen

In die bedrohte Kategorie der kleineren Häuser fällt das Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg. 165 Betten hat das Haus, noch einmal 80 Betten hat die angeschlossene Klinik St. Johannes in Auerbach. Genaue Zahlen will Vorstand Klaus Emmerich nicht vorlegen, aber so viel verrät er: "Ein Haus hat 2012 rote Zahlen geschrieben, eines schwarze."

Das Grundproblem für kleinere Krankenhäuser liege darin, dass sie bestimmte Auflagen wie Qualitätsmanagement oder Hygienekonzept genauso erfüllen müssen wie größere Häuser - das sei für die "Kleinen" aber finanziell schwieriger zu stemmen. Um diesen Nachteil auszugleichen, setzt Emmerich auf eine Gegenstrategie: "Wir bauen das Leistungsspektrum aus und gestalten unser Angebot attraktiver", erklärt er. Das Patientenaufkommen sei dadurch in diesem Jahr um acht Prozent gestiegen - "aus eigener Kraft", wie Emmerich betont.
Im bundesweiten Negativtrend liegt das Klinikum St. Marien in Amberg mit seinen 560 Betten, wie Vorstand Manfred Wendl auf Anfrage erklärt: 2011 stand noch eine schwarze Null hinter dem Jahresergebnis, 2012 gab es ein Defizit, das sich 2013 nach jetzigen Berechnungen noch erhöhen wird. Es gebe viele strukturelle Probleme, meint Wendl. "Die Steigerungen bei den Sach- und Personalkosten werden in den vergangenen drei Jahren nicht mehr ausreichend refinanziert." Ein Beispiel: Das Budget für Abrechnungsfälle sei 2012 zwar um 2 Prozent gestiegen, die Personalkosten aber gleichzeitig um 3,5 Prozent. "Das macht uns Sorgen."

"Schwarze Null" in Weiden

Im Kampf gegen steigende Kosten setzen die Kliniken Nordoberpfalz seit 2006 auf Kooperation: Zusammengeschlossen haben sich das Klinikum Weiden mit den Krankenhäusern Neustadt/WN und Vohenstrauß (insgesamt 720 Betten), die Krankenhäuser Tirschenreuth (165 Betten), Waldsassen (45 Betten), Kemnath (100 Betten), die Steinwaldklinik Erbendorf (80 Betten) und die Orthopädische Rehabilitationsklinik Nordoberpfalz in Waldsassen (50 Betten). Das Krankenhaus Eschenbach wurde 2012 in eine Pflegeeinrichtung mit 23 Plätzen umgewandelt.
Nach zwei Wirtschaftsjahren mit positiven Betriebsergebnissen fuhren die Kliniken Nordoberpfalz 2011 einen Verlust von 909 000 Euro ein, erklärt Manfred Tretter, Leiter der Finanzabteilung. 2012 lag der Verlust sogar bei knapp 3,6 Millionen Euro - bedingt auch durch die strukturelle Veränderung am Standort in Eschenbach.

Erfreulich sei hingegen die Entwicklung 2013. Tretter erwartet beim Jahresergebnis eine schwarze Null oder einen geringen Jahresüberschuss - wenn die Leistungszahlen bis Ende des Jahres nicht wesentlich einbrechen. Strukturelle Veränderungen, wie die Anpassung der medizinischen Leistungsangebote an den verschiedenen Standorten oder Synergie-Effekte beim Personaleinsatz und im Sachmittelbereich hätten zu der positiven Entwicklung geführt.

Brenzlig könnte es wieder 2015 werden: Dann fällt der Versorgungszuschlag, den der Bund den Krankenhäusern 2013 und 2014 gewährt, weg. Als Kostentreiber führt Tretter unter anderem Tarifsteigerungen, höhere Energiekosten und steigende Prämien für die Haftpflichtversicherung an. Aber auch der medizinische Fortschritt und der Aufwand für die Versorgung immer älterer Patienten würden für höhere Kosten sorgen. "Erwischt" hat es erst vor kurzem das Evangelische Krankenhaus in Regensburg mit seinen 90 Betten. Wegen eines Defizits von zuletzt 1,6 Millionen Euro im Jahr wird das Haus 2017 zum Ärger vieler Regensburger Bürger seinen Betrieb einstellen.
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