Oberpfälzer Copilot ärgert sich über Spekulationen und sorgt sich um Berufsbild
Nein zu noch mehr Kontrollen

Was wäre gewesen, wenn? Hätte man vielleicht? Oder wie konnte der Copilot nur? Es sind die vielen Spekulationen um die Umstände zum Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen, die Thomas Peters* ärgern. Sie bringen eine ganze Berufsgruppe in Verruf, klagt der Copilot aus der nördlichen Oberpfalz. Zumal Piloten eine Berufsgruppe bilden, die sich seit über 50 Jahren nichts hat zu schulden kommen lassen.

Betroffenheit angesichts dieses "schrecklichen Ereignisses" aber macht sich auch bei Peters breit. "Wir reden da durchaus im Cockpit darüber. Trotzdem kann und will ich das alles nicht so richtig an mich heranlassen." Denn der Kopf müsse bei der Arbeit frei, der nächste Flug sicher sein. Die neu eingeführte Zwei-Mann-Regelung im Cockpit empfindet der Oberpfälzer Copilot als Hauruck-Aktion: "Nun ist halt etwas getan", stellt Peters fest, zweifelt ein klein wenig an der Sinnhaftigkeit - und befürchtet, das sei es noch lange nicht gewesen mit neuen Maßnahmen. "Dabei ist das, was passiert ist, doch ein Unglück, das niemand verhindern kann, wenn es einer drauf anlegt", meint Peters.

Der Mann muss es wissen. Er arbeitete einst als Polizist. Seit fünf Jahren sitzt Peters nun aber schon im Cockpit eines Airbus A 320 bei einer deutschen Fluggesellschaft. "Natürlich bin ich nach dem Unglück wieder geflogen", sagt Peters. Es sei ja nicht das erste Mal gewesen, "dass in meiner Zeit als Copilot eine Maschine vom Himmel gefallen ist". Der Oberpfälzer erinnert an die Flugzeuge von Malaysia Airlines. So richtig Sorgen macht sich der Copilot, dessen Aufstieg zum Kapitän angesichts der Vielzahl an absolvierter Flugstunden nur noch eine Frage der Zeit ist, aber erst nach den aktuellen Entwicklungen: "Nach diesem Unglück mache ich mir Sorgen, was aus unserem Berufsbild wird", sagt Peters. Er fürchtet noch mehr Kontrollen und Überprüfungen.

"Dabei gibt es genug Berufe, bei denen man einmal eine Ausbildung macht und das war's dann. Ich werde sieben Mal im Jahr überprüft: Irgendwann ist es dann auch mal gut. Ich möchte nicht der vollkommen gläserne Mensch sein." Zumal Peters wieder und wieder betont, so ein Unglück könne keiner verhindern: "Das ist wie ein Amoklauf in der Schule. Auch hier konnte keine bislang ergriffene Maßnahme einen Verrückten stoppen."

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*Der Name des Copiloten wurde von der Redaktion geändert.
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