Platz für neue Ideen

Das Luftbild vom Amberger Campus hängt noch im Büro des scheidenden OTH-Präsidenten. Am Mittwoch ist Professor Erich Bauers letzter Arbeitstag als Hochschulchef. Bild: Huber

Der Schreibtisch ist abgeräumt: Zum Semesterstart am Donnerstag übergibt Erich Bauer die Leitung der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden an Andrea Klug. "Ich gehe ohne Wehmut", sagt der 56-Jährige nach seiner zwölfjährigen Amtszeit.

Das Präsidentenzimmer im Verwaltungstrakt der Hochschule in Amberg ist zwar fast leer. Dennoch herrscht hektische Betriebsamkeit in den Büroräumen rundherum. Bis Mittwoch muss ein wichtiger Förderantrag beim Ministerium eingereicht sein. Präsident Erich Bauer und seine Nachfolgerin Andrea Klug stehen in einer Ecke und beraten sich. Ein Bild, das Symbolcharakter hat für den Wechsel an der Spitze der OTH.

Herr Professor Bauer, am Donnerstag geht eine Ära zu Ende. Spüren Sie schon ein bisschen Wehmut?

Bauer: Nein, überhaupt nicht. Ich habe ja seit zwölf Jahren gewusst, dass genau dieser Tag kommt. Ich habe mich als 44-Jähriger darauf eingestellt, dass ich mit 56 Jahren etwas anderes machen werde.

Dabei müssten Sie doch gar nicht abtreten. Die Amtszeitbegrenzung auf zwölf Jahre wurde doch zwischenzeitlich abgeschafft?

Bauer: Das stimmt. Ich halte es dennoch für richtig, nach einer verhältnismäßig langen Zeitspanne andere ans Ruder zu lassen. Eine Hochschule muss sich ja immer ein Stück weit neu erfinden. Dazu gehört ein Amtswechsel an der Spitze. Deswegen ist es bei meiner Meinung von damals geblieben.

Sie strotzen vor Ideen. Vielleicht wäre ja noch die eine oder andere Weichenstellung möglich gewesen?

Bauer: Die OTH ist bei Andrea Klug in besten Händen. Wir - das ist das Team Bauer, Klug, Rainer Anselstetter und Kanzler Ludwig von Stern - arbeiten seit Jahren engstens und vertrauensvoll zusammen. Wenn man die Nachfolgerin und ihr Denken kennt, dann fällt das Loslassen noch leichter. Ich bleibe dabei. Der Zeitpunkt zu gehen ist richtig. Man kann oft stärker und konzentrierter arbeiten, wenn man weiß, dass das Engagement einmal ein harmonisches Ende nimmt. Das ist wie bei einer Reise, bei der du weißt, dass du irgendwann zurückkommst, bereichert von vielen tollen Eindrücken und Erfahrungen.

Sie kommen jetzt auch wieder zurück, näher an Ihre Familie.

Bauer: Ich habe in den vergangenen zwölf Jahren nicht immer mitgekriegt, was Väter mitkriegen sollten. Meine drei Mädels (seine Frau und die beiden Töchter, Anm. d. Red.) haben viel mitgemacht. Jetzt möchte ich viel mit ihnen machen. Ich werde einen reservierten Parkplatz aufgeben und viel persönliche Freiheit gewinnen. Und ich werde Herr über meinen Terminkalender sein.

Sie sind 56. Welche konkreten Pläne haben Sie für Ihre Zukunft. Wie geht es beruflich für Sie weiter?

Bauer: Mein Programm wird übersichtlich. Ich werde erst einmal zur Ruhe kommen und meine Akkus aufladen. Was jetzt zählt sind meine drei Fs: Familie, Fitness, Forschung.

Forschung hört sich nach neuem Job an.

Bauer: Ich bin weiterhin Mitglied der OTH-Familie - als Professor im Forschungssemester. In den vergangenen Jahren haben sich so viele Manuskripte, Entwürfe, Ideen-Skizzen angesammelt, die ich noch bearbeiten will. Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Und wie geht es danach weiter?

Bauer: Natürlich hat es bereits Angebote gegeben. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich gleich am 1. Oktober wieder voll durchstarten können; auch über einen Ortswechsel haben wir diskutiert. Meine Töchter sind in Amberg geboren, sie fühlen sich hier wohl. Der Familienrat ist sich gegen einen Umzug entschieden. Die berufliche Neuorientierung hat Zeit bis nächstes Jahr. Frühestens im Frühjahr 2016 gibt es den Bauer 4.0.

Sie haben Ende der 70er Jahre Theologie studiert. Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, Pfarrer zu werden?

Bauer: Für mich war von vornherein klar, dass ich mit einer breiten und werteorientierten Ausbildung einen Beruf im Umfeld Politik, Medien, Wissenschaft anstrebe. Damals haben das nicht alle verstanden.

Sind Sie dann fündig geworden?

Bauer: Ja, als Referent in der CSU-Landesleitung zu Franz-Josef Strauß' Zeiten. Mein Mentor war damals Hans Zehetmair, der spätere Kultusminister. Ich war sieben Jahre in der Parteizentrale und habe sehr viel darüber gelernt, wie Politik funktioniert. Später habe ich beim Verband der Bayerischen Bauindustrie gearbeitet. In einer Zeit, in der es viel um Korruption ging. Wir haben damals ein Ethik-Management-System für die ganze Branche entwickelt.

Und dann kam der Ruf an die Fachhochschule Amberg-Weiden.

Bauer: Gründungspräsident August Behr hat 1998 eine Professur für Wirtschafts- und Unternehmensethik/Kommunikation ins Leben gerufen. Das war mein Leib- und Magenthema.

Auf ihrem Fachgebiet haben Sie die OTH ein Stück weit geprägt.

Bauer: Ich denke, wir waren und sind mit der Gründung des Instituts für Nachhaltigkeit in Technik und Wirtschaft und mit unserem Bündnis für Ethik und Nachhaltigkeit sehr innovativ.

Welche großen Herausforderungen sehen Sie für die Hochschule in den nächsten Jahren?

Bauer: Wir haben einige konkrete Handlungsfelder definiert. Moderne Hochschulpolitik heißt: Sicherung des Nachwuchses und Fachkräftebedarfs, Studium und Weiterbildung vor Ort und in der Region, Lebenslanges Lernen, berufsbegleitende Studiengänge, leistungsorientierte Durchlässigkeit, Studienangebote für Meister, Techniker und andere beruflich Qualifizierte, Weiterbildungsmodule für Beschäftigte in Unternehmen, Studienerfolg, Vermeidung eines Studienabbruchs und auch zukünftig die Umsetzung der Vernetzung von Hochschule und Arbeitsmarkt. Das Zauberwort ist: Offene Hochschule.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.