Schaulustige suchen Schatten

Gedränge in den Sternwarten und bei öffentlichen Beobachtungen: Obwohl die Sonnenfinsternis in Bayern überall gut zu sehen war, zog es viele Menschen zu den Profis. Das Spektakel erfüllte die Erwartungen - eine Befürchtung bewahrheitete sich nicht.

(nt/az) Die partielle Sonnenfinsternis hat in der Oberpfalz am Freitagvormittag Hunderte zu den Teleskopen gelockt, die am "Tag der Astronomie" außerhalb der Reihe auf den Himmel gerichtet waren. Mehr als 500 Schaulustige kamen in Amberg auf den Multifunktionsplatz am Bahnhof. Dort hatten Mitglieder des Fördervereins Volkssternwarte Amberg-Ursensollen Instrumente bereitgestellt. Arztpraxen und Büros hatten ihre Mittagspausen vorverlegt, auch Schulklassen kamen zum "Spechteln".

In Weiden gestaltete die Interessengemeinschaft "Deepsky Hunters" Physikunterricht der besonderen Art an der Sophie-Scholl-Realschule. Zusammen mit zwei Lehrkräften, die zu der Vereinigung von Hobby-Astromen gehören, ließ sie rund zehn Klassen die Sonnenfinsternis live an verschiedenen Teleskopen erleben. Gut 100 Besucher schoben sich durch die Kuppel der Sternwarte Tirschenreuth. Die Fernrohre des Observatoriums waren dauerbelegt.

Ansturm aufs Medienhaus

Ihren Stresstest meisterte die erst im Herbst 2014 eröffnete Sternwarte Dieterskirchen im Kreis Schwandorf. Neben der direkten Beobachtung an den Instrumenten gab es ein Videobild des Ereignisses zu sehen. Überraschend erfolgreich erwies sich der Live-Stream dieser Aufnahme, den die Online-Redaktion des Medienhauses "Der neue Tag" in Zusammenarbeit mit der Sternwarte im Oberpfalznetz eingerichtet hatte. Mehr als 4000 Zuschauer verfolgten dort die "Sofi". Auch die umfangreiche Hintergrundberichterstattung wurde gerne und häufig gelesen. Videos und Bilder gibt es unter www.oberpfalznetz.de/sofi2015 weiterhin zu sehen.

Je nach Standort in Deutschland verdeckte der Mond maximal 66 bis 83 Prozent der Sonnenscheibe. Ganz dunkel wurde es dort somit nicht. Nur in einem schmalen Streifen auf dem Nordatlantik verfinsterte sich die Sonne komplett. Darin liegen die Färöer-Inseln und Spitzbergen. Eine Wolkendecke hatte auf den Färöern jedoch im entscheidenden Augenblick die Sicht auf die totale Sonnenfinsternis versperrt. Auch in weiten Teilen Nord- und Westdeutschlands trübten Wolken die Beobachtungsfreude. Der FC Bayern unterbrach kurzzeitig das Training, damit die Spieler ebenfalls einen Blick riskieren konnten - natürlich waren die Fußballer mit Brillen ausgestattet. Offenbar nicht alle Beobachter schützten ihre Augen jedoch ausreichend. So meldeten sich etwa in der Uniklinik für Augenheilkunde von Frankfurt bis zum Nachmittag rund 15 "Sofi"-Beobachter. Auch die Charlottenklinik für Augenheilkunde in Stuttgart nahm nach der Sonnenfinsternis mehr Patienten auf als üblich. Das Stromnetz überstand die Verdunkelung der Sonne indes unbeschadet, trotz eines extrem steilen Leistungsanstiegs nach der maximalen Bedeckung. Dieser habe im Verteilnetz des Bayernwerks zwischen 10.40 Uhr und 12.15 Uhr der Leistung von drei Großkraftwerken entsprochen, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Die großen Übertragungsnetzbetreiber hatten sich monatelang auf den Einbruch der Solarleistung vorbereitet. (Angemerkt)
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