Schweizer um Millionen geprellt

Die versprochene wundersame Geldvermehrung glich dem Märchen vom "Sesam öffne dich". Wie er in froher Erwartung auf rund 10 Millionen im Verlauf eines Jahres 2,5 Millionen Euro los wurde, hat ein 70-jähriger Unternehmer aus der Schweiz dem Amberger Landgericht geschildert.

Erst entbot der aus Zürich angereiste Mann ein freundliches "Grüezi miteinand", dann wollte er wissen, ob denn die Erste Strafkammer zwischenzeitlich in Erfahrung gebracht habe, wo das viele schöne Geld geblieben sei. Ein Achselzucken war die Antwort. Nur das sagte ihm Richterin Roswitha Stöber: "Wir wüssten es auch gerne."

Der Eidgenosse ist Hauptgeschädigter in einem Prozess, bei dem ein 54-jähriger Finanzmakler aus Amberg unter Betrugsanklage steht. Er soll, wie es in manchen Unterlagen vorkommt, als "Chefberater" eines heuer in Weiden zu elf Jahren Haft verurteilten 68-Jährigen bei der Anwerbung von Darlehensgebern tätig geworden sein.

Drei Stunden lang wurde der Schweizer vernommen. Er fiel, so verfestigte sich der Eindruck, einer unglaublichen und professionell inszenierten Intrige zum Opfer. Doch wirklich argwöhnisch geworden ist er wohl erst nach über einem Jahr. Da waren 2,5 Millionen Euro fort. Auch die in Aussicht gestellten Renditen in nahezu vierfacher Höhe hatten sich wie der Geist aus Aladins Lampe in Luft aufgelöst und die Tür zum "Sesam öffne dich" blieb verriegelt.

Doch keine Komplizen

Der Inhaber mehrerer Firmen wunderte sich. Er musterte den Beschuldigten und rügte harsch: "Der da sitzt in U-Haft, andere nicht." Welche anderen? Da habe es im Verlauf der finanziellen Transaktionen vermeintlich honorige Menschen wie einen Diplomaten, Bankmanager, Treuhänder und auch einen Anwalt gegeben. Mit allen hatte er Kontakt. Meist nur telefonisch. Einer schrieb später per Mail: "Meine Beziehungen sind für den normalen Bürger unvorstellbar." Und weiter: "Ich würde mich freuen, Sie weiterhin motivieren zu können."

So kam es dann, dass sich der Schweizer vom August 2013 an und bis in den Oktober 2014 hinein auf immer neue kurzfristige Darlehensverträge einließ. Über ein Dutzend insgesamt und stets mit dem Versprechen absurd hoher Renditen. In einem Fall hätte es drei Millionen für 388 000 einbezahlte Euro geben sollen. Gleichsam ein finanzieller Schnäppchenzug mitten hinein in riesige Schatzkammern. Der Finanzmakler aus Amberg fungierte quasi als Vermittler. Das steht wohl fest. Aber es stellt sich noch immer die Frage: Hat er sich selbst bereichert, oder handelte er guten Glaubens? Der Mann schweigt nach wie vor.

Dubiose Depots

Wofür gab der mit einem Rechtsbeistand angereiste Unternehmer aus Zürich sein Geld in immer neuen Anweisungen an internationale Geldinstitute? Wie neben ihm etliche andere erfuhr er von einem 500-Millionen-Depot, das bei der Deutschen Bank in Frankfurt lagere und mit Gebühren, resultierend aus den Darlehen, ausgelöst werden müsse. Dem 70-Jährigen wurde aber auch mitgeteilt, dass es noch einen Geldspeicher über 833 Millionen US-Dollar gebe. Da kam es dann zur "Zürcher Zocke", die ein gewaltiges Loch auf den Konten des Mannes riss. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
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