Schwindelerregender Betrug

Vier Stunden lang erzählte Wolfgang S. (links) dem Amberger Landgericht von seinen Geschäften auf dem internationalen Finanzparkett. Neben ihm sein Rechtsbeistand Jörg Jendricke aus Amberg, der heuer auch schon beim Prozess in Weiden als Anwalt an der Seite des 69-Jährigen saß. Bild: hou

Die unglaubliche Reise zu den Finanzplätzen unserer Welt dauerte vier Stunden. Dann endete die Erzählung des in Weiden zu elf Jahren Haft wegen Betrugs verurteilten Wolfgang S. (69).

In Amberg sagte er im Prozess gegen seinen ehemaligen Chefberater aus. Eher wenig zu dessen Gunsten. Er mag nicht länger "Mallorca-Betrüger" genannt werden. Doch dass Wolfgang S. einst auf der spanischen Sonneninsel residierte und heuer vom Weidener Landgericht wegen Betrugs für lange Zeit hinter Gitter geschickt wurde, steht fest. Jetzt wurde er aus seiner Zelle nach Amberg gebracht und saß nur wenige Meter entfernt von seinem ehemaligen Freund, einem 54 Jahre alten Finanzmakler, auf dem Zeugenstuhl. Dem Makler wird vorgeworfen, willige Darlehensgeber mit großen Versprechen um vier Millionen Euro gebracht zu haben.

Betrug nach Inhaftierung

Vier Millionen? Fast ein Trinkgeld gegenüber den Beträgen, die Wolfgang S. während seiner Aussage nannte. Dabei musste man wissen: Die meisten der mutmaßlichen Betrügereien, die man nun dem Mann aus Amberg anlastet, fanden erst nach Inhaftierung von Wolfgang S. statt. Daraus folgerte der 69-Jährige sinngemäß: "Was ab dann gewesen ist, entzieht sich weitgehend meiner Kenntnis."

Keine Ahnung also von 500 Millionen Euro, die angeblich irgendwo auf einem Konto lagerten? Unwissenheit darüber, dass Darlehensgeber mit dem Versprechen geködert wurden, durch ihre Gelder könnten die fälligen Gebühren für den riesigen Geldtopf bezahlt und danach unglaubliche Renditen ausgeworfen werden? Wortreich, fast ohne Punkt und Komma zu setzen, entrüstete sich Wolfgang S. über derart unseriöse Praktiken. Noch dazu, weil Zinsen in astronomischen Höhen versprochen worden seien. Das sei nicht seine Art, mit Kunden umzugehen.

Der angeklagte Finanzmakler schüttelte den Kopf und vernahm, all das habe sich erst nach der Verhaftung von Wolfgang S., dem "Patron" der Firma, zugetragen. Im Sitzungssaal des Amberger Landgerichts nahm Zeuge S. die Erste Strafkammer und die Prozessbeteiligten mit auf eine verbale Reise zu den Finanzplätzen dieser Erde. Er, der als "Director Generale" von Mallorca aus firmierte, will als Unternehmer im Tabak- und Entwicklungsgeschäft tätig gewesen sein.

Er schlug atemberaubende Bögen von Johannesburg nach Toronto, von Seattle bis Valencia - immer bemüht, redlich zu arbeiten und dennoch eingesperrt. Seit knapp drei Jahren.

Bis heute, so ließ Wolfgang S. anklingen, sei er überzeugt, dass große Geldbeträge irgendwo vorhanden sind, die ihm zustünden. Mal war von 27 Millionen die Rede, dann von 14 Millionen und schließlich von 20 Millionen. "US-Dollar, nicht Euro", wie er zu Protokoll gab. Den Richtern schwirrte der Kopf. Sie wurden fast schon schwindelig geredet und ließen über die Kammervorsitzende Roswitha Stöber ersuchen: "Bitte genauer und noch einmal erklären." Doch auch dabei blieb irgendwie im Nebel, was sich wie bei Frau Holles Goldregen vollzogen haben soll.

Wohltäter für Kunden

Nur so viel: Da saß einer, der sich als Wohltäter für Kunden, Partner und auch sich selbst hinstellte. Fakt war schließlich: Der wegen Millionenbetrugs angeklagte Finanzmakler aus Amberg hatte bisweilen Provisionszahlungen von Wolfgang S. erhalten. Hinzu kam die schriftliche Versicherung, dass er ihm 475 000 Euro schulde. Aber angeblich nur deswegen, weil bei dem 54-Jährigen "der Kuckuckskleber nicht jeden Tag kommen sollte." Auch das also die Tat eines Gutmenschen, der vieles erst später bestürzt erfahren haben will.

Sein Resümee mit Blick auf den Finanzmakler: "Der ist zwei Verbrechern auf den Leim gegangen."
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