Süffiges Herz der Oberpfalz

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Wenn Josef Forster, Wirt der Brauereigaststätte Bruckmüller, zum Bockbierfest lädt, folgen die Amberger in Scharen. Bild: Petra Hartl

Alle Jahre wieder, der Tag des Bieres. Ist der noch zeitgemäß - in Zeiten von Gesundheitsaposteln und anderen Spaßverderbern? So gehen unsere regionalen Brauereien mit den Trends und Moden um. Und über allem thront der Zoigl - ohne Konkurrenz.

"Zoiglbier mit Herz gebraut, das Herz nicht vom Kommerz versaut", dichtet Norbert Neugirg, Botschafter des Nordoberpfälzer Zoigl, "mit Herzblut und mit Muskelschmalz, das ist das Herz der Oberpfalz". Diese Charakterstudie trifft aus Sicht von Reinhard Fütterer, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" den Zapfhahn auf den Messingkopf.

India Pale Ale an jeder Ecke

Der hauptberufliche Kaminkehrer - "auch ein altes Handwerk" - hat nichts gegen moderne Trends. Im Gegenteil, die schmackhaften Experimente belgischer Brauer oder amerikanischer Mikrobrauereien hält er für einen Zukunftsmarkt: "Das wird kommen, dass man an jeder Ecke ein India Pale Ale oder ein Stout bekommt." Das Zoigl aber sei der Beaujolais Primeur unter den Bieren: "Ein frisches Bier, für alle bezahlbar."

Und vor allem sei die Jahrhunderte alte Tradition des gemeinsamen Brauens und gemeinsamen, nein, nicht Saufens, sondern Genießens ein Lebensgefühl. "Modegetränke kommen und gehen, der Zoigl bleibt", sagt Fütterer, der elf Mal im Jahr zur klassenlosen Zoiglgesellschaft lädt: "Vor dem Zoigl sind alle gleich", nennt er den Hauptgrund, warum er seit 1990 von seinem Braurecht Gebrauch macht, "da sitzen alle Schichten bei guter und günstiger Brotzeit mit Bier und kommen miteinander ins Gespräch."

Bierverherrlichung in der Ära des Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der zur salz-, fett-, alk- und geschmackfreien Nahrung rät? "Unser Hausdoktor sagt immer", grinst Fütterer hintersinnig, "trinkt's einen Zoigl." Es komme auf die Menge an. Seine Erfahrung: "Der typische Zoiglgast ist kein maßloser Säufer."

Soviel zum Alleinstellungsmerkmal der Steinpfalz, wo Bier lange das einzige Lebensmittel war, das sich die arme Bevölkerung leisten konnte. Wie aber gehen die professionellen Brauereien mit dem Zeitgeist um?

Die Brauereien in der Oberpfalz auf der Karte:

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Bewährtes, Bierkennerdiplome und Saisonbiere

Die Brauerei Bruckmüller, 1490 in Amberg gegründet und älteste Brauerei der Oberpfalz, setzt "auf langjährige Tradition" und hält "an bewährten Geschmacksrichtungen wie Hell, Pils, Kellerbier und Kristallweizen fest", betont Anton Bruckmüller, Inhaber der Brauerei, die sich seit 1803 im Familienbesitz befindet. "Wir vergeben auch Bierkennerdiplome", erklärt der Brauereiinhaber den Ansatz, diese Tradition auch an die Konsumenten weiterzugeben.

Die Klosterbrauerei Kemnath im 1660 gegründeten Franziskanerkloster wird seit dem Jahr 1802 familiengeführt. "Wir brauen nach alter, über 350-jähriger Tradition", betont Brauereichef Johannes Ponnath. Um die rund 2500 jährlich gebrauten Hektoliter Bier an Mann und Frau zu bringen, veranstalten die Klosterbrauer Kundenevents wie das "Kemnather Candle Light" im Brauerei-Innenhof.

Die Schlossbrauerei Hirschau, seit 1812 im Besitz der Familie Dorfner, setzt auf ein großes Sortiment: "Neben unserem ,1812 Original', einem hellen Lager - vor zwei Jahren beim ,European Beer Star' auf dem zweiten Platz - bieten wir Saisonbiere an", erklärt Franz Dorfner, Braumeister und Inhaber. Festbier, Erntebier, Weihnachts- und Fastenbock gehören dazu. "Mit Fasten hat das nichts zu tun", gibt Dorfner lachend zu. Es sei ein historischer Begriff, die Nonnen nahmen in der Fastenzeit ihre Kalorien mit dem Bock zu sich.

"Den ersten Sud setzte Lorenz Scheuerer, mein Urgroßvater und Gründer der Moosbacher Privaten Landbrauerei, am Geburtstag seines Sohnes Johann im Jahr 1887 auf", schildert Erhard Scheuerer die Anfänge. Von jährlich 20 000 Hektolitern verteilt auf neun Biersorten "exportieren wir 15 Prozent nach China, die USA, Russland, Italien und Frankreich", erklärt er die Reaktion auf den sinkenden Inlandsabsatz.

Nachhaltig und regional

"Den Trend, dass sich Menschen gesünder ernähren wollen, unterstützen wir absolut", erklärt Wolfgang Rasel, Inhaber der Brauerei Naabeck in Schwandorf, seit 1918 in Familienbesitz. "Unser Bier besteht aus naturbelassenem Quellwasser, bayerischem Braumalz und Hopfen aus Schwaben", erklärt er. "Wir lehnen genveränderte Rohstoffe ab."

Privat, nachhaltig, regional, handwerklich, ausgezeichnet - so definiert sich die Brauerei Winkler aus Amberg, seit 1913 in Familienbesitz. Das Unternehmen setzt auf regelmäßige Erweiterung ihres Sortimentes. "Erst gestern haben wir ein neues Radler, das Naturradler, aufgenommen. Es besteht aus reinem Zitronensaft, 40 Prozent Bier und normalem Zucker ohne künstliche Konservierungsstoffe", erklärt Josef Winkler, Inhaber der Brauerei.

"Wir sind eine Minibrauerei, die kleinste Brauerei in der Oberpfalz", erzählt Richard Luber, der 1992 die Hausbrauerei "Zum Goldenen Löwen" in Kallmünz übernommen hat. Die Spezialität des Hauses ist das Schwarzbier. "Das wird bei uns besonders gut, weil unser Wasser so hart ist. So entwickelt das Bier seinen vollen Geschmack."
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