Tierheime entlasten Kommunen

Ostern ist kein Schutzbrief für Kaninchen: Der possierliche Vierbeiner wurde am Amberger Busbahnhof ausgesetzt. Die Tierheime übernehmen mit der Versorgung ausgesetzter oder vernachlässigter Tiere kommunale Aufgaben und werden dafür nur teilweise entschädigt. Bild: Steinbacher

Jedem zweiten Tierheim droht laut Tierschutzbund die Insolvenz. Die Heime in der Region haben zu kämpfen, sehen aber ihre Existenz nicht gefährdet.

Weniger Spendengeld, unzureichende Unterstützung der Kommunen - Tierschutzbund-Sprecher Marius Tünte schlägt Alarm. In den mehr als 500 Tierheimen, die dem Deutschen Tierschutzbund bundesweit angeschlossen sind, werden jährlich etwa 300 000 Tiere untergebracht. Das kostet.

Die meist in Vereinen organisierten haupt- und ehrenamtlichen Helfer in den Tierheimen übernehmen eine Aufgabe, die ansonsten die Kommunen leisten müssten. "Wenn es uns nicht geben würde, müssten sich alle Gemeinden selber darum kümmern", sagt etwa Volker Olbrich, Schatzmeister des Tierheims Schwandorf. Die Stadt Schwandorf zahle derzeit pauschal im Jahr 13 000 Euro. "Wenn ich drei oder vier verletzte Katzen oder Hunde operieren muss, ist das Geld schon fort", macht er ein Rechenexempel auf. Von zusätzlichen Personalkosten ganz zu schweigen. "Ich denke, die Gemeinden wissen, dass sie mit uns sehr günstig fahren."

Dabei möchte Olbrich gar nicht klagen. Die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, für Fundtiere zu bezahlen. "Nach jahrelangem Kampf zahlen seit zwei Jahren 28 von 33 Gemeinden pro Einwohner 50 Cent." Kostendeckend sei das nicht. Umso befremdlicher, dass sich fünf Ortsvertreter weiter quer stellten. "Bei uns gibt es keine Fundtiere", würden diese behaupten und hinter vorgehaltener Hand: "Und wenn wir eines finden, fahren wir es fünf Kilometer weiter." Das Floriansprinzip ist auch hier quicklebendig.

Schlacht um 50 Cent

Auch Daniela Riedl, Vorsitzende des Kreistierschutzvereins Tirschenreuth kennt solche Schildbürgerstreiche. "Einige Gemeinden sind abgewandert", klagt sie, "nachdem wir nach hartem Kampf und einer Schlammschlacht 50 Cent pro Einwohner bekamen." Damit könne sie nicht einmal ein Drittel der Ausgaben decken. Den Löwenanteil muss sie über Spenden, Patenschaften und Beiträge der rund 800 Mitglieder finanzieren. Hauptkostenträger sei das Personal mit zwei Ganztagskräften, zwei Mitarbeitern auf sechs-Stunden-Basis und einer 450-Euro-Kraft, die sich um 100 Katzen, 40 Hunde und diverse Nager kümmern müssen - Wochenenden, Feiertage und Urlaubszeiten inbegriffen.

Zufriedenheit ist immer auch eine Frage, woher man kommt. Mariele Junak, Vorsitzende der Tierschutzvereins Weiden, erinnert sich: "Wir fingen mit 6 Cent pro Einwohner an." Inzwischen sei man auch hier bei 50 Cent angelangt. "Wir wirtschaften gut", sagt Junak, "deshalb kommen wir über die Runden." Faktoren wie ein günstiges, regionales Preisgefüge und ein ausgezeichneter Tierarzt, der selbst immer wieder spende, sicherten das Überleben. Dennoch lebe man vom Hand in den Mund. Die Spendenbereitschaft sei insgesamt rückläufig - das Geld wandere dorthin, wohin sich die größte Medienaufmerksamkeit richte, also zu den Geschwistern von Flocke & Co.

"Drei schöne Erbschaften", erleichtern das Geschäft von Noch-Kassiererin Dr. Burglinde Dausch im Tierheim Amberg. "Vorher ging's bei uns auch knapp zu." Es sei ein ständiger Balanceakt mit vielen Unbekannten: "Man weiß nie, wie viel durch Spenden hereinkommt und auch die Mitgliedsbeiträge sind nicht konstant." Insofern seien die 50 Cent pro Einwohner, welche die Stadt und 27 Gemeinden des Landkreises zahlten, wenigstens eine verlässliche Säule. Aber auch der Unkostenbeitrag bei Tiervermittlungen sei unverzichtbar: "Für einen Vogel verlangen wir 5, für einen geimpften Hund 150 Euro." Die größte Herausforderung aller Heime ist die Instandhaltung: "Der Hundetrakt muss dringend neu gebaut werden", sagt Dausch. "Es ist traurig, wie runtergekommen der ist." Man heize in die Natur, Ratten nagten Kabel an, die Folge: ein Kurzschluss in der Kläranlage.

Hausl für alles

Allen Einrichtungen gemein ist, dass immenses Engagement die beste Lebensversicherung ist: "Ich bin gelernter Elektriker", erzählt Kassier Olbrich, "hier bin ich der Hausl für alles". Das spare enorm. Der Selbstständige erledige Reparaturen selbst und besorge Materialien zum Einkaufspreis. "Wenn wir das regulär beauftragen müssten, dann würde es teuer." So leisten die Vereine eher einen Beitrag zum Überleben der klammen Kommunen als umgekehrt.
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