Tödlicher Ehestreit

"Ich habe meine Frau geliebt", sagt der Angeklagte. Trotzdem hat er sie mit 15 Messerstichen getötet. Die Tat gibt er zu, bestreitet aber die Mordabsicht. Als die 38-jährige dreifache Mutter ihm angeblich Einzelheiten aus ihrem Verhältnis zu einem Liebhaber an den Kopf warf, habe er "nur noch Rot gesehen".

Die nüchternen Fakten stehen in der Anklageschrift: In der Nacht zum 11. Februar 2014 wurde die damals 38-jährige Heike K. in ihrer Wohnung in Schnaittenbach (Kreis Amberg-Sulzbach) mit 15 Messerstichen umgebracht. Die Leiche wies außerdem 13 Schnittverletzungen auf. "Sie haben die Frau heimtückisch getötet", wirft Leitender Oberstaatsanwalt Harald Riedl dem wegen Mordes angeklagten Ehemann (47) vor.

"Ich sage, was ich noch weiß", sagte der Beschuldigte zum Prozessauftakt vor dem Amberger Schwurgericht. Er wusste viel, erzählte Details. Bis auf die entscheidenden Minuten im Wohnzimmer, das am Ende verwüstet war. An zwei von ihm ausgeführte Stiche konnte sich der 47-Jährige noch erinnern - an mehr nicht. "Blackout", hörten die Richter als Begründung.

In der 2011 geschlossenen Ehe kriselte es. Der 47-Jährige berichtete umfangreich über zwei Stunden hinweg, dass er es war, der duldsam sein und vieles hinnehmen musste. Auf eines legte er dabei Wert: "Ich habe meine Frau nie geschlagen." Dann kam das Wochenende im Februar 2014. Die 38-Jährige sei wiederholt fortgegangen und habe auf seine Bitten um eine Aussprache lediglich mit Vertröstungen auf einen späteren Zeitpunkt reagiert.

Streit nach dem Bad

In der Nacht zum 11. Februar sei sie heimgekehrt. Der Ehemann wollte schon vorher beobachtet haben, wie seine Frau zusammen mit einem Anderen spazieren ging. Von dem, was dann passierte, gibt es laut Leitendem Oberstaatsanwalt Riedl "bisher sechs bis sieben Varianten". Im Prozess schilderte der Angeklagte die Geschehnisse so: Seine Frau habe ein Bad genommen ("Ich habe ihr noch Teelichter an die Wanne gestellt") und sei dann in den Wohnräumen erschienen.

In der Küche gab es angeblich einen ersten Streit, der verlagerte sich ins Wohnzimmer. Sie habe ihn zunächst "mit einem Teppichmesser am Arm erwischt" und dann zugegeben, ein Verhältnis mit einem anderen Mann zu haben. Nur Augenblicke später zog die 38-Jährige nach Angaben ihres Mannes ein Küchenmesser unter einem Sofakissen hervor, bedrohte ihn. "Da ist bei mir der Schalter runter gegangen." Seltsam: Dass seine Frau ein Küchenmesser in der Hand hielt, wurde in ersten polizeilichen Vernehmungen nicht ins Feld geführt.

Zwei Messer abgebrochen

15 mal wurde zugestochen - mit vier verschiedenen Messern, die offenbar aus der Küchenschublade stammten. Der Angeklagte konnte sich aber nur an zwei von ihm verwendete Messer erinnern. Die im Haus wohnende Schwester der Frau hatte Lärm vernommen, war in die Wohnung gelaufen. Sie alarmierte sofort Sanitäter. Zu dieser Zeit lebte das Opfer noch. "Doch zu helfen war ihr nicht mehr", sagte ein Rettungsassistent. Von den vier verwendeten Tatwaffen waren zwei abgebrochen.

In dem Verfahren vor dem Schwurgericht dominieren bisweilen Ausdrücke aus der Gossensprache. Sie benutzt der Angeklagte, wenn er von Einzelheiten aus dem Eheleben berichtet. Die nicht von ihm stammenden drei Kinder der Frau waren zum Zeitpunkt der Tat nicht in der gemeinsamen Wohnung.

"Sie hat sich noch ein Kind von mir gewünscht", behauptete der Beschuldigte. Dem trat die Schwester der Getöteten entgegen: "Sie wollte keine Kinder mehr."
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.