Typische Männerkrankheit

Alfons Swaczyna ist die Krankheit nicht peinlich. Und das empfiehlt der Leiter von Procas, der Prostatacarzinom-Selbsthilfegruppe Regensburg/Oberpfalz, auch allen anderen Männern. Er und seine Gruppe werben für regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Nur so lasse sich der Krebs frühzeitig erkennen. Bild: hfz

Weil etwas peinlich ist, ist das kein guter Grund zum Sterben. Noch immer meiden viele Männer den Gang zum Urologen. Dabei ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern. 70 000 erkranken jährlich in Deutschland, 12 000 versterben.

Typisch Mann: Alfons Swaczyna unterscheidet sich in diesem Punkt kaum von seinen Geschlechtsgenossen. Dabei wusste der frühere Leiter des Tiefbauamts der Stadt Regensburg um seine Gefährdung: "Mein Vater ist 1982 mit 62 Jahren an Prostatakrebs gestorben. Es ist klar, dass ich eine genetische Disposition habe und als Hochrisikopatient gelte." Doch der Leiter von Procas, der Prostatacarzinom-Selbsthilfegruppe Regensburg/Oberpfalz, war gerade seit 100 Tagen Chef eines großen Amtes. "Durch die Anforderungen des Berufes schiebt man das Thema weg." Und das, obwohl Swaczyna bereits einschlägige Symptome bemerkte: "Das Wasserlassen wird schwierig", erinnert er sich. "Unbewusst registriert man, dass was nicht stimmt."

"Verdanke ihr mein Leben"

Wenn der heute als geheilt geltende Freihunger (Kreis Amberg-Sulzbach) zurückdenkt, weiß er: "Mein Leben verdanke ich meiner Lebensgefährtin." Durch Zufall sei man mit einem Urologen ins Gespräch gekommen, die Freundin habe darauf gedrängt, einen Termin auszumachen. Es kam, was jeder Patient als traumatisch erlebt: "Man geht gefühlt gesund zur Untersuchung und kommt als kranker Mann aus der Praxis." Nach der üblichen PSA-Wert-Messung und einer Gewebeprobe stand fest: "Es war 5 vor 12, ich musste auf schnellstem Weg operiert werden."

Das war 2006. Ein Jahr später stieg der PSA-Wert wieder an, Swaczyna wurde bestrahlt. Seitdem scheint der Krebs besiegt zu sein. Allerdings hat er mit den Nebenwirkungen der Bestrahlung zu kämpfen. Ein Grund dafür, warum er 2012 früher in Pension ging. Psychologisch seien für die betroffenen Männer vor allem die Tabuthemen Inkontinenz und Impotenz schwierig: "Das Selbstwertgefühl fällt", schildert Swaczyna die Erfahrungen aus den vielen Gesprächen der Selbsthilfegruppe. "Das ist für viele wie ein Knockout."

Wenn ein Macher wie Swaczyna eine Selbsthilfegruppe leitet, darf man sich das nicht wie bei Doris Dörries Film "Der bewegte Mann" vorstellen - kein Kaffeekränzchen mit Händchenhalten. Der Baudirektor a. D. hat die Gruppe 2008 von seinem verstorbenen Vorgänger übernommen und organisiert die Treffen (alle zwei Monate am dritten Donnerstag im Regensburger Caritas-Krankenhaus St. Josef, Seminarraum, Neubau 2. Stock, Landshuter Straße 65) wie ein Expertengremium: "Mir geht es darum, dass unsere Mitglieder den aktuellen Stand der Wissenschaft aus erster Hand erfahren."

Professor Dr. Wolf Wieland, früherer Leiter der Klinik für Urologie im Caritas-Krankenhaus und des Prostatakarzinomzentrums St. Josef Regensburg, dessen Nachfolger Professor Dr. Maximilian Burger, aber auch Dr. Ralf Weiser vom Prostatakarzinomzentrum in Amberg gehören zu den kompetenten Unterstützern. "Wir haben auch zu den niedergelassenen Urologen Kontakt, der allerdings noch intensiviert werden kann", ergänzt der Procas-Chef. "Das ist sehr wichtig, weil sie den Patienten raten können, mit uns in Kontakt zu treten."

Im Schnitt informieren sich zwischen 20 und 30 Betroffene aus der ganzen Oberpfalz bei den Treffen der einzig spezifischen Prostata-Selbsthilfegruppe in der Region, die im Bundesverband Prostatakrebs-Selbsthilfe (BPS; www.prostatakrebs-bps.de) organisiert ist - neben der allgemeineren Selbsthilfegruppe für Nierenkranke und urologische Erkrankungen der Caritas in Weiden. Swaczyna organisiert Vorträge von Urologen, Strahlentherapeuten, Onkologen, aber auch von Apothekern und Heilpraktikern als Ergänzung zur Schulmedizin: "Das gibt uns einen Wissensvorsprung über neue Therapiemöglichkeiten und ist viel besser, als das Informationsgebirge Internet, das einen mit widersprüchlichen Thesen nur verwirrt."

Keine Wunder erwarten

Wunder bewirken kann seine Gruppe aber natürlich auch nicht: "Beim Tod meines Vorgängers und dem eines 55-jährigen Vorstandsmitglieds, der eine Frau und drei schulpflichtige Kinder hinterließ, war ich nah dran", sagt er mit belegter Stimme. Für Swaczyna eine zusätzliche Motivation, sein Anliegen zu forcieren: "Bei früher Erkennung ist Prostatakrebs in mehr als 70 Prozent aller Fälle durch Behandlung heilbar, aber zur Früherkennung gehen nur rund 20 Prozent der Männer, obwohl die Krankenkasse jährlich eine Vorsorgeuntersuchung ab dem 45. Lebensjahr zahlt."

___

Alfons Swaczyna und Mitglieder seiner Selbsthilfegruppe informieren beim Amberger Gesundheitstag am Samstag, 20. September, 12 bis 17 Uhr im Landratsamt Amberg-Sulzbach. Weitere Infos auf: www.prostatakrebs-shg-rbg-opf.de.
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.