Urteil gegen Bärthlein-Attentäter: Psychiaterin bescheinigt Angeklagtem ...
Voodoo-Kult, Stimmen und Schneckenhaus

Thomas Bärthlein (links), Fernsehmoderator und Amberger Stadtrat, wurde im vergangenen Jahr Opfer einer Gewaltattacke. Der Angreifer (Mitte) muss in die Psychiatrie, beschloss das Amberger Schwurgericht. Bild: Steinbacher
Er stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar und muss deshalb in die Psychiatrie. Mit diesem bereits seit längerer Zeit erwarteten Urteil endete das Sicherungsverfahren gegen einen 30-Jährigen, der am 21. Mai vergangenen Jahres unweit seiner Heimatortschaft Traßlberg den Amberger Stadtrat und OTV-Moderator Thomas Bärthlein ansatzlos überfallen und brutal misshandelt hatte.

Entschuldigung

"Es tut mir leid, ich entschuldige mich", sagte der an einer Schizophrenie erkrankte Beschuldigte zu Thomas Bärthlein und hörte als Antwort: "Ich verzeihe in christlichem Sinn." Der 51-Jährige war schwer verletzt worden, als er von seinem Peiniger massive Hiebe und wuchtige Tritte gegen Schädel und Körper erhielt. Schon damals hatte sich einem Augenzeugen der Eindruck aufgedrängt: "Der konnte nicht richtig im Kopf sein." Bärthlein war seinerzeit mit einem Fahrrad unterwegs und wurde mit Rufen wie "Blut, Blut. Ich will Blut sehen!" von seinem Bike geschlagen. Auf der Grundlage aller ihm zur Verfügung stehenden Informationen formulierte Thomas Bärthlein vor dem Amberger Schwurgericht diesen Satz: "Es hätte vieles verhindert werden können, wenn rechtzeitig gehandelt worden wäre." Die Behörden hatten offensichtlich sehr genau gewusst, dass spätestens ab Januar 2014 eine Wesensveränderung bei dem 30-Jährigen vor sich ging. Er wurde aggressiv und äußerte, wie die Richter von einer Zeugin gehört hatten, "dass 3000 Shaolin-Kämpfer" zu seiner Verteidigung kommen würden. Der in völlig desolaten Verhältnissen aufgewachsene Mann glaubte an Voodoo-Kult, er hörte Stimmen, zog sich wie in ein Schneckenhaus zurück und wollte - wie er sagte - "nicht zu einem Depperltest". Als man ihn nach der gewalttätigen Ausschreitung festnahm und ins Regensburger Bezirkskrankenhaus brachte, urteilte dort ein Facharzt, der 30-Jährige sei "unauffällig". Also musste er abgeholt und in U-Haft gebracht werden. Als ein Kripobeamter nachfragte, wie das sein könne, soll der Mediziner geäußert haben: "Sie machen Ihren Job und ich meinen."

Sofort rechtskräftig

Während des zweitägigen Prozesses attestierte die Nürnberger Psychiaterin Dr. Anna Wunder-Lippert dem Beschuldigten eine paranoid-halluzinatorische Schizophrenie. Daran machten sowohl Verteidiger Michael Haizmann, Bärthleins Anwalt Dieter Spieß und Staatsanwältin Franziska Bücherl in ihren Plädoyers fest. Nahezu im Einklang beantragten sie die Unterbringung in der Forensik. Diese Entscheidung traf auch das Schwurgericht. Juristisch stufte es die Tat als gefährliche Körperverletzung ein. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig.
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